Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) warnt vor einer zunehmenden Zentralisierung im Gesundheitswesen . „Das Gleichschalten vom Neusiedler See bis zum Bodensee bedeutet einen Rückschritt, den die Bevölkerung bezahlen wird“, sagte Doskozil im APA-Interview. Eine Vereinheitlichung der Spitalsverwaltung auf Bundesebene lehnt er entschieden ab. Für das Burgenland mit seinen fünf Krankenhausstandorten würde eine Zentralisierung nach Wien seiner Ansicht nach Schließungen bedeuten. „Alle über einen Kamm zu scheren, wäre ein Rückschritt“, betonte Doskozil. Er reagierte damit indirekt auf Überlegungen anderer Landeshauptleute wie Mario Kunasek (FPÖ, Steiermark) , der sich für eine „Bereinigung“ der Zuständigkeiten ausgesprochen hatte. Österreich ist "Inflationskaiser" Stattdessen fordert Doskozil Strukturänderungen im Bund , um Doppelgleisigkeiten zu beseitigen. „Man kann diesen Staat mit zehn Ressorts führen, mehr braucht man nicht“, sagte er. Die derzeitige Bundesregierung habe sich zu wenig bewusst gemacht, dass sie selbst sparen müsse. Auch in der Inflationspolitik sieht Doskozil Versäumnisse auf Bundesebene: Österreich sei im Europavergleich „Inflationskaiser“. Lohnabschlüsse unter der Inflationsrate würden reale Einkommensverluste verursachen – eine Folge der Politik der aktuellen Koalition, so der Landeshauptmann. „Den Zustand des Staates muss sich die ÖVP auf die Fahnen heften – und das nicht im positiven Sinn.“ Darüber hinaus fordert Doskozil, dass die Grundsteuer Ländermaterie werden soll. Die Bundesländer sollten die Höhe selbst festlegen können, um regionale Unterschiede zu berücksichtigen. Im Burgenland würden die Gemeinden seit Jahren „massiv unterstützt“, etwa mit zusätzlichen 20 bis 30 Millionen Euro jährlich für Infrastrukturprojekte wie Gemeindeämter, Schulen oder Feuerwehrhäuser. Keine Teilnahme am SPÖ-Bundesparteitag Zur Landesholding Burgenland kündigte Doskozil die Neuausschreibung der zweiten Geschäftsführung an, die nach dem Abgang von Hans Peter Rucker im Frühjahr vakant ist. Er erwarte „eine gute Auswahl qualifizierter Bewerberinnen und Bewerber“. Nach einer weiteren Kehlkopfoperation im Herbst zeigte sich der Landeshauptmann wieder im Amt. Einen Stimm-Avatar, wie er zuletzt im Nationalrat eingesetzt wurde, lehnt er ab: Das Sprechen sei zwar anstrengend, doch das persönliche Momentum sei wichtiger, um auf Zwischenrufe reagieren zu können. Beim SPÖ-Bundesparteitag im März in Wien wird Doskozil nicht teilnehmen. Er sei nicht mit allen Entwicklungen in der Partei einverstanden, wolle das aber „nicht offen kommunizieren“. Eine Kandidatur von Parteichef Andreas Babler über den Parteivorstand bezeichnete er als „Trickserei“. „Nachdem ich dort keine Rolle spiele und nicht kandidiere, werde ich auch nicht dabei sein“, stellte Doskozil klar.