„Wir versuchten, sie zu packen und nach draußen zu ziehen“, beschreibt Dennis (20) die Katastrophennacht im Schweizer Skiort Crans-Montana , als bei einem Brand in der Bar „ Le Constellation “ mindestens 40 Menschen ums Leben kamen. Andere Passanten berichteten internationalen Medien von Verletzten mit brennenden Haaren und versengten Gesichtern. Mathis (20) sagte, sie hätten sich der Menschen angenommen, auf sie eingesprochen, als sie das Bewusstsein verloren und sie beruhigt, bis die Krankenwagen eintrafen. Schwerste Verbrennungen Nach wie vor bangen Dutzende Familien um ihre Lieben, wissen nicht, ob diese die Feuerkatastrophe überlebt haben, im Krankenhaus um ihr Leben kämpfen – oder zu jenen gehören, die in der Silvesternacht starben. 115 Verletzte , teilweise mit schwersten Verbrennungen, werden derzeit behandelt, 113 von ihnen konnten durch die Polizei identifiziert werden. Die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Béatrice Pilloud , sprach als „Hauptthese“ davon, dass „der gesamte Raum Feuer gefangen“ habe – und dass dies eine explosionsartige Entwicklung erklären könne. Derzeit gehe man davon aus, dass das Feuer durch „eine Art Wunderkerze“ ausgelöst worden sei. „Diese war wohl an eine Champagnerflasche befestigt, und die wurde zu nah an die Decke gehalten. Dann ist das Feuer ausgebrochen.“ Pilloud berichtete, dass verschiedene Videos, die den Brandbeginn dokumentieren, ausgewertet worden seien. "Fahrlässige Tötung" möglich Auch habe man Personen befragt, unter ihnen das Ehepaar, das die Bar, das „Le Constellation“ betreibt. Man werden abklären, ob eine strafrechtliche Untersuchung nötig sei, sagt Pilloud. Sie nennt die möglichen Straftatbestände, unter anderem die „fahrlässige Tötung“. Im Fokus der Ermittlungen steht ein Begriff, der das Tempo der Katastrophe erklären könnte: „Flashover“. Dieser beschreibt die schlagartige Phase, in der sich Hitze und Brandgase unter der Decke so aufladen, dass nahezu alle brennbaren Oberflächen im Raum fast gleichzeitig Feuer fangen. In Videos und Medienberichten taucht wiederholt derselbe Verdacht auf: Schall- bzw. Lärmschutzmaterial an der Kellerdecke könnte Feuer gefangen haben, als in der Menge mit auf Champagnerflaschen gesteckten Wunderkerzen hantiert wurde – ein in Clubs verbreiteter Show-Effekt. Kurier Grafik Brandbeschleuniger Dass Funken und Flammen dabei brandgefährlich sind, ist physikalisch klar: Wunderkerzen entwickeln Temperaturen von rund 1.100 Grad Celsius. In einem niedrigen, voll besetzten Kellerraum reichen solche Hitzequellen aus, um Deckenmaterial zu entzünden oder es so stark zu erhitzen, dass es Gase abgibt – ein klassischer Weg in Richtung „Flashover“. Entscheidend ist dabei auch das „Brennstoffangebot“ im Raum. Akustische Deckenverkleidungen bestehen häufig aus polymerem Schaum. Solche Materialien können die Brandausbreitung stark beschleunigen – und sie bergen ein zweites Risiko: hochtoxische Rauchgase. Bei einer Raumdurchzündung treffen extreme Hitze, dichter Rauch und Sauerstoffmangel zusammen – selbst wer den Flammen entkommt, wird durch Rauchgase binnen kurzer Zeit handlungsunfähig. Identifizierung schwierig Neben der Zündquelle rücken baurechtliche Fragen in den Blick. Überlebende berichteten von Engpässen an Treppe und Ausgängen. Gerade in Kellerräumen, in denen Rauch zuerst unter die Decke zieht, kann ein kurzer Stau am einzigen Abgang binnen Augenblicken fatal sein. Während Angehörige auf Gewissheit warten und die Identifizierung mithilfe von Zahn- und DNA-Proben läuft, arbeiten Experten fieberhaft an der Identifizierung der Opfer. Offen bleibt auch, ob der Skiort die im Jänner geplanten Skirennen ausrichten wird oder nicht: Am 13./14. Jänner würde der Europacup der Herren und am 30. Jänner/1. Februar der Weltcup der Damen in Crans-Montana stattfinden.