OeNB-Chef Kocher sieht 2026 Rückgang der Inflation auf 2,4 Prozent

OeNB-Gouverneur Martin Kocher sieht den österreichischen Arbeitsmarkt weiterhin unter Druck, erwartet jedoch im Laufe des Jahres 2026 eine Trendwende. Im Interview in der "ZIB 2" verwies Kocher darauf, dass das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr mit rund 0,5 Prozent zu schwach gewesen sei, um den Arbeitsmarkt spürbar zu entlasten. "Das ist für den Arbeitsmarkt zu wenig", sagte Kocher. Nach dem Ende einer Rezession erhole sich der Arbeitsmarkt erfahrungsgemäß verzögert, da Unternehmen zunächst versuchen, bestehende Arbeitskräfte zu halten und Neueinstellungen erst später vornehmen. Dennoch rechnet Kocher damit, dass es im Frühjahr 2026 erstmals weniger Arbeitslose geben könnte als im Vorjahresvergleich. Diese Einschätzung deckt sich mit jener von AMS-Chef Johannes Kopf. Die Prognosen seien insgesamt etwas optimistischer, wenngleich Kocher zur Vorsicht mahnte. Grund für diese Zurückhaltung seien die anhaltenden Unsicherheiten in der Weltwirtschaft, insbesondere die schwache Konjunktur in Deutschland. Zudem könne es jederzeit zu exogenen Schocks kommen. Positiv bewertet Kocher jedoch, dass sich neben Prognosen auch Vorlaufindikatoren wie Auftragseingänge zuletzt verbessert hätten. "Das heißt, es sieht so aus, als ob es jetzt stärker nach oben geht", betonte er. Ein weiterer Belastungsfaktor für die österreichische Wirtschaft bleibt die im Vergleich zur Eurozone deutlich höhere Inflation. Kocher erklärte, dass die Inflationsrate im Jahr 2025 unter anderem deshalb gestiegen sei, weil Energiehilfen ausgelaufen seien und dadurch die Preise angezogen hätten. Zudem wirke die Inflation in Österreich aufgrund indexierter Preise und der Lohnfindung länger nach als in anderen Ländern. 2026 soll Inflation nur 2,4 Prozent betragen Für das laufende Jahr erwartet die OeNB eine Inflationsrate von 2,4 Prozent. Im Laufe des Jahres soll sie weiter sinken und sich in Richtung des EZB-Ziels von zwei Prozent bewegen, das laut Kocher jedoch erst 2027 erreicht werden dürfte. Für 2026 rechnet die Nationalbank damit, dass sich der Abstand zum Eurozonen-Durchschnitt deutlich verringert. Kritik an der Bundesregierung, sie habe zu spät gegen die hohe Inflation reagiert, wies Kocher teilweise zurück. Entscheidend für eine nachhaltige Inflationsbekämpfung seien Wettbewerb, Transparenz und Wahlmöglichkeiten für Konsumentinnen und Konsumenten. Temporäre Maßnahmen wie Preisbremsen könnten zwar kurzfristig entlasten, würden aber beim Auslaufen die Inflation erneut antreiben. Langfristig sieht Kocher Reformbedarf vor allem in zwei Bereichen: bei der Lohnfindung, die weniger rückwärtsgewandt erfolgen sollte, sowie beim Wettbewerb, insbesondere im Energiesektor. Mehr Transparenz und eine höhere Wechselbereitschaft der Kundinnen und Kunden könnten hier dämpfend auf die Preise wirken: " Mehr Wechselbereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten würde helfen". Zum Abschluss äußerte sich der OeNB-Gouverneur auch zur Bestellung von Johannes Hahn zum Präsidenten der Nationalbank. Nach Kritik der FPÖ wegen möglicher Unvereinbarkeit mit EU-Tätigkeiten stellte Kocher klar, dass Hahn nicht im aktiven Dienst der EU-Kommission stehe und die Bestellung mit den gesetzlichen Vorgaben vereinbar sei. Die Bundesregierung habe die Entscheidung geprüft und korrekt getroffen.