Osteuropa treibt Wachstum der UNIQA Versicherung

Noch hält der Heimmarkt die Nummer-Eins-Position bei den Ergebnissen der österreichischen UNIQA-Versicherung. Der Anteil am Prämienvolumen liegt bei 57 Prozent. Aber die Region Osteuropa ist mit 43 Prozent schon ziemlich nahe gerückt. Zum Vergleich: 2019 waren es erst 30 Prozent. Das Wachstum stammt auch weiterhin vor allem aus Osteuropa (plus 14 Prozent im Vorjahr), während es in Österreich nur 4,6 Prozent waren. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis es einen Gleichstand zwischen in- und ausländischem Geschäft gibt. Freilich, Österreich wird auch dann noch der stärkste Einzelmarkt bleiben. Polen als wichtigster Einzelmarkt in CEE (von insgesamt 14 Märkten) trägt rund 15 Prozent zu den eingenommenen Prämien bei. Das Wachstum dort beträgt starke 22 Prozent. In Polen ist die UNIQA seit dem Jahr 2001 durch die Übernahme eines polnischen Mitbewerbers vertreten. Einen großen Wachstumssprung gab es im Jahr 2020, als die UNIQA die AXA-Töchter in Polen, Tschechien und der Slowakei erwarb, wodurch der Wiener Konzern zur Nummer Fünf in der CEE-Region wurde. Jubiläum Noch viel länger, nämlich seit mittlerweile 35 Jahren, notiert die UNIQA bzw. der Vorgänger Bundesländer Versicherung an der Wiener Börse. „Mit dem Börsegang haben wir den Grundstein für eine neue Wachstumsphase gelegt“, sagt Kurt Svoboda, Chief Financial und Fisk Office des Konzerns. „Es ging darum, unsere Eigenkapitalbasis zu stärken und das Unternehmen für die Zukunft am Kapitalmarkt zu positionieren. Die Expansion nach Osteuropa kam erst Jahre später, aber der Schritt an die Börse war entscheidend, um diese Entwicklung überhaupt erst möglich zu machen. Heute zeigt sich: Die Verbindung von Tradition und Kapitalmarkt hat UNIQA Stabilität gegeben und den Weg für langfristiges Wachstum geöffnet.“ Grafik Infolge des starken Wachstums im Vorjahr hob der Konzern vor Kurzem seine Mittelfristziele für die Jahre 2026 bis 2028 an. Die Prämieneinnahmen sollen jährlich um rund sechs Prozent statt wie bisher geplant um rund fünf Prozent wachsen. Der Gewinn je Aktie soll jährlich um mehr als sieben Prozent zulegen, nach bisher angepeilten mehr als sechs Prozent. Auch die Kostenquote konnte laut Chef Andreas Brandstetter reduziert werden. Für Zukäufe sei er bereit, aber derzeit gebe es nichts Konkretes in der Pipeline. Verkäufe Aber nicht alles im Osten entwickelt sich so wie erwartet. So kündigte der Konzern Ende 2024 an, sich aus Albanien, Nordmazedonien und dem Kosovo zurückzuziehen. Begründet wurde der Schritt damit, dass sich der Versicherer auf seine Kernmärkte in Zentral- und Osteuropa konzentrieren wolle. „Damit bereinigen wir unser Länderportfolio“, sagte UNIQA-CEO Andreas Brandstetter damals. Die Märkte zählten zu den kleinsten am Westbalkan. Der Anteil der verrechneten Prämien an der gesamten UNIQA-Gruppe lag bei nur rund 1,5 Prozent. Der Verkauf der drei Töchter wurde im Vorjahr dann abgeschlossen. APA/ROLAND SCHLAGER CEO Andreas Brandstetter. Und damit auch die Bereinigung des Portfolios. Was bedeutet, dass der Konzern am ukrainischen Markt festhält. Das Prämienwachstum in dem Land betrug im Vorjahr trotz des Krieges mehr als zwölf Prozent. In ukrainischer Währung wurde das Vorkriegsniveau von 2021 bereits überschritten. Im Osten der Ukraine hat die Versicherung schon 2014 begonnen, sich zurückzuziehen. „Die Ukraine wird ein Wachstumsmarkt, sobald Frieden einkehrt“, sagt Erste Group-Analyst Thomas Unger. Unterm Strich passen aber die Zahlen. Das Konzernergebnis stieg in den ersten drei Quartalen 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26,1 Prozent auf 333 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern legte um 24,4 Prozent auf 423 Millionen Euro zu. Die verrechneten Prämien erhöhten sich um 9,2 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. „Das Prämienwachstum war stark, insbesondere in Zentral- und Osteuropa“, sagt Unger. Zu verdanken ist dies auch fehlenden Naturkatastrophen. „2024 hat Sturm Boris das Ergebnis beeinträchtigt.“ Das Kursziel für den Titel hat Unger auf 16,3 Euro angehoben. Aktuell sind es rund 15,50 Euro. „Der Kapitalmarkt honoriert, dass wir unser Strategieprogramm „Growing Impact“ schneller umsetzen als gedacht und dass wir unseren Outlook angehoben haben“, sagt Brandstetter zum KURIER. „Unser profitables Wachstum, getragen von einem starken Geschäft in Österreich und einer dynamischen Entwicklung in CEE, ist die Basis für eine jährlich steigende Dividende pro Aktie. Die Anhebung unseres Ratings auf A+ durch Standard & Poor’s unterstreicht unsere Investmentstory.“