Eine App aus Wien will Jobs in der Gastro attraktiver machen

Jeder Beruf hat seine Vorteile. Handwerker im Bekanntenkreis zu haben, kann Gold wert sein. In der Luftfahrt profitieren Mitarbeiter und deren Freunde und Familien teilweise von vergünstigten Reisen . Eine Branche mit vielen guten Extras – man denke an vergünstigte Hotelbuchungen oder Getränke aufs Haus – könnten auch Gastronomie und Hotellerie sein. Genau das will Max Kreuzer mit seiner App realisieren, die aber weit mehr leisten soll, als Rabatte anzubieten. Kreuzer will eine tiefgreifende Veränderung innerhalb der Branche vorantreiben und für mehr Wertschätzung der Mitarbeiter sorgen. Der 29-Jährige arbeitete mehrere Jahre als Restaurantmanager in Sternerestaurants und Luxushotels in Wien, London, St. Moritz und Toronto. Zuletzt war er im Burj Al Arab in Dubai tätig. Zurück in Wien gründete er „4U Hospitality“, seit Mai ist die Webseite als Testphase für Restaurantbuchungen online. 120 namhafte Betriebe dabei Direkt buchbar sind in Wien bereits Angebote bei 120 Betrieben von bodenständig bis gehoben, darunter namhafte Häuser wie das Ritz Carlton und Almanac Palais, das Café Hummel sowie Lokale der Mochi-Gruppe , der Familien Figlmüller und Huth oder bei XO-Burger . Möglich sind bis zu 50 Prozent Ermäßigung und Extras, wie eine Flasche Wein aufs Haus. Reserviert werden kann für bis zu sechs Personen, wobei eine davon, in der Branche tätig sein muss. 4U Hospitality Max Kreuzer will zeigen, welche Vorteile ein Job in Gastronomie und Hotellerie haben kann. Ende Jänner 2026 soll die App mit insgesamt 200 Betrieben an den Start gehen und das Angebot um Hotelbuchungen in ganz Österreich sowie um Betriebe in Süddeutschland und Südtirol erweitert werden. Die Idee: Betriebe beteiligen sich als Gastgeber mit exklusiven Angeboten und Mitarbeiter erhalten den App-Zugang als besondere Zusatzleistung vom Arbeitgeber , ähnlich wie die Kostenübernahme der Öffi-Jahreskarte. Teil der Gegenbewegung Kreuzers Ziel ist es, eine „eigentlich wunderbare Branche“, die mit ihrem Ruf als Inflationstreiber und Fachkräftemangel zu kämpfen hat, wieder attraktiv zu machen: „Vieles am aktuellen Personalmangel ist hausgemacht. Gleichzeitig gibt es immer mehr Hoteliers und Gastronomen, die bewusst neue Wege gehen – und genau das macht Hoffnung.“ Vieles am aktuellen Personalmangel ist hausgemacht. Gleichzeitig gibt es immer mehr Hoteliers und Gastronomen, die bewusst neue Wege gehen – und genau das macht Hoffnung. Max Kreuzer / Gründer und Gastronom Einer der Vorzeigepartner ist Dominik Edlinger , Gründer von „Slow Travel Hotels“ und dem Lokal Seesushi: „Das Angebot trifft einen Nerv, den die Branche seit Jahren spürt. Es geht nicht mehr nur um offene Stellen, sondern um echte Perspektiven. Um Menschen, die in der Hotellerie und Gastronomie arbeiten wollen, weil sie sich gesehen, gefördert und ernst genommen fühlen.“ Alter Kodex, neue Technik Denn gesehen wird nicht jeder, obwohl es unter Gastronomen einen unausgesprochenen Kodex gibt: Man schaut aufeinander. Das kann ein Glas Wein aufs Haus sein, vielleicht wird man auch auf das ganze Abendessen eingeladen. In den Genuss dieser Aufmerksamkeiten kommt aber üblicherweise, wer selbst Gastronom, Küchenchef oder Hoteldirektor ist oder eine ähnlich gute Position bekleidet . Auf der Ebene kennt man sich eben. „Wir wollen diesen Kodex durch die App für alle unabhängig von der Position zugänglich machen. So kann auch ein Jungkellner oder Lehrling in andere Betriebe gehen und wird als jemand aus der Branche wahrgenommen“, erklärt Kreuzer. Was Österreich vom Ausland unterscheidet Dabei geht es laut dem 29-Jährigen nicht darum, dass Leute aus der Branche etwas gratis haben wollten – ganz im Gegenteil. „4U Hospitality ist von der Branche für die Branche. Es geht nicht um Vergünstigungen, sondern um Inspiration, Austausch und echte Wertschätzung. Wir wollen Menschen aus Gastronomie und Hotellerie vernetzen, ihnen neue Perspektiven eröffnen und zeigen, dass ihre Arbeit gesehen und geschätzt wird.“ Verglichen mit dem Ausland sei es in Österreich schwerer, die App auszurollen: „Im Vergleich zu anderen Ländern ist es in Österreich oft herausfordernder, neue Ideen umzusetzen. Man ist skeptischer , vergleicht sich stärker untereinander und wartet ab, wer bereits mitgeht.“ Österreich bei der Markteinführung zu „überspringen“ will Kreuzer dennoch nicht. Es zahle sich langfristig aus, Vorreiter zu sein und seinen eigenen Weg zu gehen: „Ja, es ist eine Prüfung, aber ich möchte es gerade deswegen. Wenn du es in Österreich schaffst, schaffst du es überall.“ Danach stehe auch einer europaweiten Einführung der App nichts im Weg.