Mit den Weihnachtsferien hat in Österreichs Skigebieten die Hochsaison begonnen. Und die ist für den Flughafen Innsbruck die wichtigste Phase in jedem Geschäftsjahr. Immerhin werden zwei Drittel des gesamten Passagieraufkommens im Winter abgewickelt. Und auch für den Salzburger Airport sind einfliegende Skitouristen wirtschaftlich von enormer Bedeutung. Ende November haben sich Österreichs Tourismuslandesräte bei einer Konferenz im Tiroler Ötztal weniger Sorge um Schnee- und Buchungslage gemacht, als vielmehr um die „Wettbewerbsfähigkeit von Regionalflughäfen“. Und um diese zu verbessern, forderten die Referenten eine Abschaffung der Flugabgabe . Auftrag an den Bund Diese auf Tickets verrechnete Steuer „belastet den heimischen Wirtschafts- und Tourismusstandort und schwächt die internationale Anbindung“, befand Tirols Landesrat Mario Gerber , der mit seinen ÖVP-Kollegen aus Salzburg und Oberösterreich die Speerspitze für den Vorstoß bildete. Man sah in dem Beschluss einen klaren Auftrag an den Bund. Entgegen anderslautender Medienberichte will SPÖ-Verkehrsminister Peter Hanke aber an der Flugabgabe nicht rütteln. Er erteilt dem Ansinnen eine klare Absage. „Wir werden die Flugabgabe nicht streichen“, heißt es auf KURIER-Anfrage aus Hankes Büro. APA/HANS KLAUS TECHT Verkehrsminister Peter Hanke sieht keinen Spielraum für den Verzicht auf die Flugabgabe „Das kann man sich in der derzeitigen Budgetlage schlicht und ergreifen nicht leisten“, wurde auf den sanierungsbedürftigen Staatshaushalt verwiesen. Österreichweit spielt die Abgabe jährlich immerhin 168 Millionen Euro in die Kassen des Fiskus. Faktor für den Ticketpreis Gerber wiederum argumentierte, dass etwa in Innsbruck Flugtickets durch die Abgabe „unnötigerweise um rund zwölf bis 15 Euro “ verteuert würden. Diese Kosten scheinen aber weder Passagiere noch Billig-Airlines groß zu schrecken. APA/EXPA/JOHANN GRODER Tirols Tourismuslandesrat Mario Gerber (ÖVP) Wer will, kann im Winter um rund 130 Euro von Innsbruck, Salzburg oder Linz nach London und retour bzw. andersrum fliegen. Das ist günstiger als eine einfache Bahnfahrt von Innsbruck nach Wien (ohne Ermäßigung rund 90 Euro). Britische, aber auch niederländische Skitouristen sind etwa am Flughafen der Tiroler Landeshauptstadt die wichtigste Winterklientel , Urlauber aus diesen Ländern nutzen das Billig-Angebot massenhaft. Mehr Flugverkehr, aber ... Bleibt die Frage: Würde eine Abschaffung der Flugabgabe überhaupt den gewünschten Effekt – eine Stärkung der Regionalflughäfen – bringen? Luftfahrtexperte Kurt Hofmann ist grundsätzlich für das Aus, „weil es mehr Flugverkehr generiert. Für die Airlines wäre es auf jeden Fall motivierend. Wenn die sehen, dass die Steuern irgendwo weniger sind, reagieren sie und kommen relativ schnell“, sagt er. Aber ein anderes Problem , das eigentlich die politische Debatte um die Flughäfen in Innsbruck und Linz zuletzt bestimmt hat, wäre damit aus Hofmanns Sicht wohl nicht in den Griff zu bekommen. Beide sind – von wegen beklagter Schwächung der internationalen Anbindung – ihrer Verbindung an das Drehkreuz Frankfurt verlustig gegangen. Privat Luftfahrtexperte Kurt Hofmann „Eine Lufthansa kehrt nicht mehr nach Innsbruck zurück“, ist der Luftfahrtexperte sicher. „Das hängt auch damit zusammen, dass sie sich von kleineren Flugzeugtypen verabschiedet, um die Flotte zu harmonisieren“, erklärt Hofmann. Einen Partner zu finden, der diese Strecke übernimmt und die von der Lufthansa geforderte Qualität erbringt, sei überaus schwierig. „Können Kopfstehen“ Regionalpolitische Empörung über die Einstellung der Strecke durch die Lufthansa sei dieser egal. „Das ist ein zu globaler Laden, der permanent bei jeder Strecke schaut, ob sie Sinn macht“, sagt Hofmann. „Da können sich alle auf den Kopf stellen. Das muss sich rechnen.“ Das war auch in Linz nicht der Fall, wo eine Airline die Frankfurt-Strecke für die AUA übernommen, aber nach einem Jahr wieder eingestellt hat. Das Land Oberösterreich will nun mit einer „Anschubfinanzierung“ eine Wiederaufnahme erreichen. Dass es damit getan ist, glaubt Hofmann nicht: „Wenn das Geld nicht mehr fließt und sich das für die Airline nicht rechnet, werden sie am ersten Tag wieder zusperren.“