Augenzeuge aus Caracas: "Ich glaube nicht, dass es vorbei ist"

Mateo (Name der Redaktion bekannt und aus Sicherheitsgründen geändert) ist Journalist und lebt in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. Dem KURIER schilderte er, wie er die US-Angriffe auf Venezuela und die von US-Präsident Donald Trump verkündete Festnahme von Nicolás Maduro mitbekommen hat. "Ich bin um 1:58 Uhr aufgewacht, und hörte laute Explosionen. Ich konnte nichts sehen, aber die Explosionen klangen nahe, vielleicht acht, zehn Kilometer entfernt. Ich habe Flugzeuge gehört und noch mehr Explosionen. Nach 15, 20 Minuten war es aber vorbei, nur die Flugzeuge hörte man länger. Und in der Ferne Polizeisirenen und Militär. Auf X hatte Donald Trump da schon verkündet, dass Nicolás Maduro gefangen genommen und ins Ausland gebracht worden sei." Wie haben die staatlich kontrollierten Medien reagiert? "In den Staatsmedien sprach zuerst die Vizepräsidentin, sie verlangte ein Lebenszeichen der USA von Maduro. Der Verteidigungsminister kündigte an, Venezuela gegen den 'Imperialismus' zu verteidigen. Diosdado Cabello, Minister für Inneres, Justiz und Frieden, sprach von einem 'feigen Angriff gegen schlafende Menschen.' Und der Verteidigungsminister sagte, man werde nicht verhandeln, sich nicht ergeben, und triumphieren. Jetzt ist alles ruhig hier. Ich bin wach, schlafen werde ich heute nicht mehr." "Diktatur ist extrem geschwächt" Ist das das Ende von Venezuela unter Maduro? "Es ist natürlich alles noch frisch, und alles nur Vermutung. Aber d ie Diktatur ist jetzt extrem geschwächt. Sie ihr Gesicht verloren haben, den Erben von Hugo Chávez. Wer hat jetzt das Sagen? Es kann sein, dass der Chavismus noch barbarischer und repressiver gegenüber dem Volk agieren wird. Ich glaube nicht, dass es vorbei ist, bis sie die Struktur zerschlagen und alle wichtigen Akteure – Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, Innenminister Diosdado Cabello und Verteidigungsminister Padrino López – oder jeden mit operativer Kapazität eliminiert haben." Mateo stehe die ganze Zeit mit Freunden und Familie in Kontakt. "Viele glauben, dass dies das Ende sein könnte, aber wir wissen immer noch nicht, wie groß der Umfang der Operation ist oder wie es jetzt weitergehen wird.“