Polly Adlers "Chaos de luxe": Fuck, I’m dead

F hatte in etwa die Erschöpfung von Prinz Harry in einer Kochshow von Herzogin Meghan. Sie flüsterte: "Meine Eltern haben mir gekündigt." – "In deinem Alter? Zahlt sich das überhaupt noch aus?" Ursache für den Bruch war Fs Weihnachtsgeschenk . Sie hatte beiden ein Arbeitsbuch mit dem Titel " Fuck I’m dead " unter den Baum gelegt. Arbeitsbuch deswegen, weil der Beschenkte seinen zukünftigen Hinterbliebenen damit Arbeit abnehmen könne: die Adressenliste für die Parten, die Polizzen-Nummern der Versicherungen, Wunsch-Kandidaten für die Trauerrede, die Menüabfolge für den Leichenschmaus. Vegane Tote wollen nämlich gerne auch eine posthume Respektbezeugung ihrer Ernährungsideologie, wie vermerkt wurde. "Noch sind wir nicht kalt", hatte ihre Mutter mit eisiger Miene vermeldet und das Buch in den Kamin geworfen. Der Vater tat es ihr gleich. Dann bekam F den Wanderstab in die Hand gedrückt. Als ob das Schicksal ihr nicht schon genug Kinnhaken verpasst hätte, hatte kurz danach auch noch "mein Therapeut Schluss gemacht, nach alldem, was ich ihm von mir erzählt habe."– "Vielleicht hast du ihn an die Grenzen seiner Belastbarkeit manövriert, mit deinem ganzen Hat-er-gesagt-hab-ich-gesagt-Schrott?" – "Er war sowieso ein manipulatives Arschloch!" – "Bravo", dachte ich, "endlich!" Tatsächlich hatte F keinen Schritt unternommen, ohne diese Entscheidung um 120 Euro die Stunde zu bebrabbeln. Dann erzählte ich ihr die Geschichte von dem 95-plus-Ehepaar, das sich in dem scheiden ließ. Warum so spät, waren sie gefragt worden: "Wir wollten warten, bis Rocco tot ist." Rocco war der 13-jährige Labrador, dem so ein Trennungshund-Schicksal erspart geblieben war. Die Story machte F ihr Leben kurzfristig leichter. Es geht auch ohne Therapeut .