Diese guten Vorsätze

Ich male gerade an der neuen Jahreszahl, mache aus der Fünf eine Sechs, und wieder sitzen sie neben mir – diese ungebetenen Gäste. Ich habe sie nämlich nicht eingeladen, und ich weiß auch nicht, warum sie ausgerechnet zu Jahresbeginn auftauchen müssen, wenn ich sie am wenigsten brauchen kann. Es sind diese guten Vorsätze. Eigentlich wäre es besser, sie würden sich ihren Zeitplan anders einteilen. Nämlich dann da zu sein, wenn für sie wirklich etwas zu tun ist. Zum Beispiel, wenn ich wieder einmal zu viel esse, zu wenig spazieren gehe oder zu bequem bin, meinen neuen Text zu lernen – und natürlich für alles immer eine passende Ausrede erfinde. Da sollten mich diese guten Vorsätze kräftig anstupsen. Aber wo sind sie dann? Weit und breit nicht zu sehen. Muss ein ernstes Wörterl reden Ich glaub’, ich werde mit diesen Typen einmal ein ernstes Wörterl reden. Denn eigentlich sind sie es ja selber, die es sich vornehmen sollten, immer dann da zu sein, wenn wir sie wirklich brauchen. Und nicht nur zu Jahresbeginn, um sich danach für den Rest des Jahres zu verabschieden. Eben wollte ich mit ihnen reden, aber sie sind weg. Gerade noch waren sie da. Ich vermute ja fast, sie haben einfach zu viel zu tun zu Jahresbeginn. Es gibt ja kaum jemanden ohne gute Vorsätze – also müssen sie überall hindüsen. Na gut, dann warte ich eben bis zum nächsten Jahr. Da trudeln sie sicher wieder ein. Bis dahin werde ich nicht mehr so oft streiten, und mich auch mehr bewegen. Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters