Trumps widersprüchlicher Auftritt zeigt: Es geht nur um Venezuelas Öl

Mit dem nächtlichen Großangriff auf Venezuela und der Entführung des Machthabers Nicolás Maduro hat US-Präsident Donald Trump am Samstag die vielleicht schärfste außenpolitische Eskalation seines Landes seit dem Einmarsch in den Irak 2003 befohlen. Wenige Stunden später trat Trump in seinem Anwesen Mar-a-Lago vor die Kameras. Die Pressekonferenz, angesetzt zur Erklärung des Militärschlags, entwickelte sich rasch zu einem denkwürdigen Auftritt – vor allem deshalb, weil es dem Präsidenten nicht gelang, eine konsistente politische oder rechtliche Begründung für den Angriff zu liefern. Donald Trumps politischer Erfolg fußt nicht zuletzt darauf, dass er im Gegensatz zu anderen Politikern ein Bauchmensch ist. Er handelt gerne spontan, aus Impuls und Instinkt - seine Berater müssen sich anschließend oft verbiegen, um eine politische Begründung nachzuliefern. Seine Anhänger lieben ihn dafür. Diesmal aber hat Trump den Bogen überspannt. Wie üblich schweifte er ab, hielt sich mit innenpolitischen Themen wie der Kriminalitätsrate in US-Großstädten auf und lobte sich selbst für vergangene Erfolge. Doch je länger er versuchte, den Militärschlag zu begründen, desto deutlicher traten die inneren Widersprüche seiner Argumentation ans Licht. Trump widerspricht Rubios Erklärung, warum der Kongress nicht vorab informiert wurde Besonders sichtbar wurde das, als Trump gefragt wurde, warum er nicht - wie es die US-Verfassung vorsieht - den Kongress vorab über den Angriff informiert hatte. Außenminister Marco Rubio , bekannt dafür, sich stets penibel an den vorgegebenen Spin zu halten, versuchte zu retten: In Wahrheit sei Maduros Entführung eine Aktion der US-Strafverfolgungsbehörden gewesen, das Militär habe die Justiz lediglich in großem Umfang unterstützt. In diesem Fall sei keine Zustimmung des Kongresses erforderlich gewesen. APA/Getty Images via AFP/GETTY IMAGES/JOE RAEDLE Stephen Miller, Marco Rubio, Donald Trump, Pete Hegseth, Air-Force-General Dan Caine. Dass Justizministerin Pam Bondi bei der Pressekonferenz fehlte, machte die Behauptung ohnehin unglaubwürdig. Nur Sekunden später löste sie sich in Luft auf, als Trump sich doch wieder vorschob: Er habe den Kongress bewusst nicht informiert, weil er befürchtet habe, Abgeordnete könnten Details der Operation weitergeben. Damit stellte er die Aktion doch wieder als militärischen Einsatz dar - und entzog der zuvor präsentierten Rechtfertigung die Grundlage. Trump lässt weiter offen, wer Venezuela künftig regieren wird Dann die Frage nach der Kontrolle Venezuelas. Zunächst erklärte Trump, die USA würden das Land vorübergehend regieren. Auf Nachfrage präzisierte er, “die Leute, die hier neben mir stehen, wir werden das Land regieren” - also Außenminister Rubio, Kriegsminister Pete Hegseth, Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller und der Air-Force-General Dan Caine . Es war ein Satz, der unzählige Fragen aufwarf: Plant diese Regierung eine militärische Besatzung, wo am Samstagabend doch keine US-Soldaten mehr auf venezolanischem Boden waren? An welche politischen Kräfte in Venezuela könnte die Kontrolle später übergeben werden? Angeblich, so Trump, habe Rubio noch am Samstag mit Maduros Vizepräsidentin Delcy Rodríguez telefoniert (sie ist inzwischen als Interimspräsident angelobt worden). Diese habe angeblich Zusammenarbeit zugesichert: “Sie ist im Grunde bereit, das zu tun, was wir für notwendig halten.” Allerdings war Rodríguez nur Minuten vor Trumps Auftritt im venezolanischen Fernsehen zu sehen gewesen, hatte die USA verteufelt und erklärt, ihr Land werde “nie wieder Kolonie irgendeines Imperiums sein”. EPA/RAYNER PENA R Maduros Vize- und neuerdings Venezuelas Interimspräsidentin: Delcy Rodríguez. Und die Oppositionspolitikerin und Nobelpreisträgerin María Corina Machado , eine erklärte Liberale? Die habe nicht genug Unterstützung im Land, erklärte Trump lapidar. Vielleicht also der von ihr unterstützte Präsidentschaftskandidat Edmundo Gonzàlez , den zahlreiche europäische Staaten nach der höchst umstrittenen Wahl 2024 als rechtmäßigen Sieger anerkannt hatten? Der wurde von Trump namentlich überhaupt nicht erwähnt - und das, wo der US-Präsident doch gleich mehrfach davon sprach, Maduro habe eben diese Wahl "gestohlen“. Wenn es also darum ging, Maduros Wahlbetrug rückgängig zu machen, warum sollte die US-Regierung dann mit dessen Vizepräsidentin kooperieren? Trump verkauft einen Militärangriff als Geschäftsmöglichkeit Trump zündete all diese Rauchkerzen, und doch blieb die Wahrheit offensichtlich. Sie stand schon vor Wochen fest: Trump will Venezuelas Öl. Er will es unter amerikanischer Kontrolle. Dabei geht es nicht einmal darum, das Öl von den bisherigen Abnehmerstaaten China und Iran fernzuhalten. Trump sagte offen, er wolle das venezolanische Öl auch an diese Länder verkaufen. Damit ist der ganze Angriff nichts anderes als Gangster-Kapitalismus - und der bisherige Höhepunkt der Trump’schen Logik: Er verkauft einen durch einen völkerrechtswidrigen Militärangriff erzwungenen Regimewechsel als Geschäftsmöglichkeit. Gut möglich, dass US-Konzerne am südamerikanischen Öl groß verdienen. Sehr gut möglich, dass diese US-Regierung einen Weg finden wird, dabei mitzuverdienen. Dafür hat Trump aber mit einer zentralen Erzählung seiner politischen Laufbahn gebrochen: Seiner vermeintlichen Ablehnung von langfristigen US-Kriegseinsätzen im Ausland; dem, was er seit 2016 als “Forever Wars” bezeichnet. "Das ist, wogegen viele MAGA-Anhänger dachten, gestimmt zu haben." Mit dem heutigen Tag dürfte er diese Heuchelei selbst eingeschworenen Anhängern seiner "Make America Great Again"-Bewegung (MAGA) vor Augen geführt haben. Spätestens, als er bei seinem denkwürdigen Auftritt drohte: “Wir schrecken nicht davor zurück, Bodentruppen einzusetzen, wenn das notwendig ist.” Eines der Sprachrohre der MAGA-Basis war über Jahre die rechtsextreme Republikanerin Marjorie Taylor-Greene . Selbst sie schrieb am Samstag auf X: “Genau das ist, wogegen viele MAGA-Anhänger dachten, gestimmt zu haben. Wie falsch wir nicht lagen.”