Natalie Falch muss in letzter Zeit immer öfter etwas tun, was sie eigentlich gar nicht so sehr mag. Die junge Zillertalerin wird vor die Kameras gebeten und soll Fragen beantworten. „Ich wollte früher nie Interviews geben, ich hatte fast ein bisschen Angst davor“, erzählt die 21-Jährige. Wobei man ihr diesen Bammel überhaupt nicht anmerkt. Vielmehr präsentierte sich Natalie Falch bei ihren jüngsten TV-Interviews aufgedreht und erfrischend – also genauso, wie sie in diesem Winter Ski fährt. „Keiner hätte sich erwartet, dass es so läuft“, sagt die Slalomspezialistin . APA/GEORG HOCHMUTH / GEORG HOCHMUTH Natalie Falch fuhr in dieser Saison schon drei Mal in die Punkteränge Unter Zugzwang 26 (Hochgurgl), 18 (Courchevel), 11 (Semmering) – die Formkurve der jungen Tirolerin zeigt steil nach oben , seit sie im November in Gurgl erstmals in ihrer Karriere in die Punkteränge gerast ist. Dabei stand Falch nach dem verpatzten ersten Saisonslalom in Levi (43.) schon gehörig unter Zugzwang. „Ich habe gewusst, dass Gurgl meine letzte Chance ist. So schnell kann ich gar nicht schauen, dann bin ich schon ausgewechselt“, sagt die Juniorenweltmeisterin (2025). "Viel Wut mitgefahren" Angesichts so einer schwierigen Ausgangslage würden viele andere zittrige Knie bekommen, Natalie Falch machte diese Drucksituation hingegen Beine. „Ich glaube sogar, dass ich diesen Druck gebraucht habe. Außerdem ist auch sehr viel Wut mitgefahren, weil ich Levi so verpatzt hatte. Ich wollte mir beweisen, dass ich es draufhabe.“ APA/EXPA/JOHANN GRODER / EXPA/JOHANN GRODER Beim Slalom in Hochgurgl sammelte die Zillertalerin ihre ersten Weltcuppunkte Die ersten Weltcuppunkte der Karriere wirkten wie ein Befreiungsschlag. Noch wertvoller war dann aber der 18. Rang im nächsten Slalom in Courchevel . „Die Leistung zu bestätigen und noch einmal in die Punkte zu fahren, ist viel schwieriger. Ich hatte solche Angst, dass ich in Courchevel wieder irgendeinen Blödsinn mache. Aber es ist wieder gut gegangen.“ Im Fokus Am Semmering prolongierte Falch zuletzt ihren Aufwärtstrend und erreichte bei widrigen Pistenverhältnissen mit Startnummer 56 ihr bislang bestes Weltcupergebnis (Rang 11). Das brachte ihr neben dem ersten größeren Preisgeld (2.900 Euro) vor allem auch Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben wie dem heutigen Slalom in Kranjska Gora. Privat Natalie Falch wurde 2025 Juniorenweltmeisterin „Im letzten Jahr war der Weltcup für mich noch so ein großes Ding, jetzt sehe ich alles schon viel gelassener. Ich denke mir: ,Eigentlich tu’ ich ja nur Skifahren.’“ Mit dieser Devise fährt die 21-Jährige jedenfalls gut. Und auf einmal eröffnen sich Natalie Falch Chancen, mit denen sie nicht einmal in ihren kühnsten Träumen gerechnet hatte. Nach dem Saison-Aus von Katharina Liensberger (Knieverletzung) scheint sogar ein Start bei den Olympischen Winterspielen möglich. Wie meint Natalie Falch doch gleich: „Wenn mir im Sommer jemand gesagt hätte, dass ich auf dieses Thema angesprochen werde, dann hätte ich ihm den Vogel gezeigt.“