Von Vanessa Halla Trillerpfeife hat er keine. Rote Badehose auch nicht. Die braucht Werner Ulreich aber auch nicht, um sich Gehör zu verschaffen oder gesehen zu werden. Der Bademeister vom Allwetterbad Pinkafeld ist nach 20 Jahren in dem Beruf nämlich längst so bekannt wie seine Wirkungsstätte selbst. Vanessa Halla 61 Jahre alt ist Ulreich, 2006 hat der gelernte Schriftsetzer und Grafiker seinen ersten Dienst als Bademeister im damaligen Hallenbad angetreten. Seither hat sich viel getan – sowohl an Land als auch zu Wasser. „Ich war immer schon sportbegeistert. Ins damalige Hallenbad hat es mich beruflich aber zufällig verschlagen. 20 Jahre später bin ich immer noch da“, lacht Werner Ulreich, der mittlerweile nicht nur Pinkafelds Bademeister, sondern auch Geschäftsführer vom Allwetterbad und der angrenzenden Eiskunstbahn ist. Den Beruf des Bademeisters üben in Österreich hauptberuflich nur wenige Personen aus und im Sommer kämpft auch das Burgenland saisonbedingt mit einem Mangel an Bademeistern in den Freibädern. Allwetter-Bademeister Werner Ulreich ist also in vielerlei Hinsicht eine Seltenheit. Land der Schwimmer „Ich habe meine Ausbildung in Eisenstadt gemacht“, erzählt der Trainer in den Bereichen Leichtathletik, Skilanglauf und Rettungsschwimmlehrer. Dass man in diesem Beruf fit bleiben muss, steht außer Frage. Vor allem als Bademeister in einem Schwimmbad, in das jährlich Tausende Schüler aus der Region, aber auch den umliegenden Bundesländern kommen. „Rund 100 Schulen sind bei uns regelmäßig zu Gast. Die aus dem Südburgenland sowieso, weil wir hier in Pinkafeld das einzige Hallenbad in der Nähe haben. Aber auch aus der Steiermark und dem Wechselgebiet sind laufend Schulen da. Manche, wie aktuell das Gymnasium Sachsenbrunn, kommen für eine ganze Schwimmwoche“, informiert der Bademeister. Vanessa Halla Wie viele Schwimmabzeichen er bereits abgenommen hat, kann Werner Ulreich nicht mehr zählen. Dass er trotzdem bei jeder Prüfung mit den Kindern und Jugendlichen mitfiebert, steht für den vierfachen Opa außer Frage. „Die ersten Schwimmabzeichen sind der Oktopus und der Frühschwimmer. Natürlich sind die Allerkleinsten davor nervös, schließlich ist es eine Prüfung. Umso größer ist am Ende die Freude, wenn ich ihnen die Urkunde und den Aufnäher im Anschluss überreiche.“ Dass Österreich, vor allem das Burgenland, ein Land der Nichtschwimmer sei, lässt Werner Ulreich nicht gelten, im Gegenteil: „Es gibt bei uns viele Möglichkeiten schwimmen zu lernen und vor allem in den heimischen Schulen ist das Angebot dazu groß.“ Umfangreicher Job Um 7 Uhr Früh beginnt der Arbeitstag im Allwetterbad Pinkafeld. „Da wird das Bad gereinigt und alle Hygienemaßnahmen umgesetzt. Um 7.45 Uhr sind schon die ersten Schulen am Start. Oft haben wir 200 Schüler täglich hier. Als Bademeister bin ich auch für die gesamte Technik verantwortlich. Da gibt es die Wasserrutsche, die am Laufen gehalten werden muss. Die Kassa muss hergerichtet werden und die Wasseraufbereitungsanlage, die erfordert viel Aufmerksamkeit, schließlich arbeiten wir hier mit Chlorgas. In den großen Badebetrieben, wie den Thermen, gibt es eigene Techniker dafür. Bei uns ist der Bademeister zuständig“, erklärt der Pinkafelder. Vanessa Halla In seinen 20 Berufsjahren als Bademeister hatte Werner Ulreich noch nie einen lebensbedrohlichen Vorfall im Allwetterbad. „Verletzungen kommen immer wieder mal vor. Aber jeder Tag, an dem ich heimgehe und es ist nichts passiert, ist ein guter Tag.“ Wo man Werner Ulreich meistens antrifft? „Zwischen Schwimmbecken und Lehrbecken. Nach 20 Jahren kenne ich jede Fliese im Hallenbad auswendig.“ Das persönliche Highlight des Bademeisters? „Ein dreitägiger Filmdreh bei uns. Als das Filmteam anrief, habe ich sofort ja gesagt. Ich dachte zuerst, die kommen mit zwei, drei Mitarbeitern und einer Kamera. Als man mir sagte, dass sie knapp 80 Leute sein werden und das Bad einige Tage als Filmset brauchen, war ich überzeugt, dass da jetzt der Callboy von Ö3 dran ist und mich auf die Schaufel nehmen will“, lacht Ulreich und sagt dann: „Das waren spannende drei Tage. Aber fad wird mir im Schwimmbad auch ohne Filmdreh nicht.“