Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigsfest zieht traditionell eine Zeit der Einkehr ins Land. Die Mühlen mahlen merklich langsamer. Rund 85.000 Kinder in Österreich kommen in diesen Tagen hingegen erst so richtig in Fahrt: Sie ziehen in königlichem Gewand als Sternsingerinnen und Sternsinger von Tür zu Tür, singen Lieder, segnen Häuser und Wohnungen und sammeln Spenden für Hilfsprojekte in den Ländern des Globalen Südens. APA/HBF/PETER LECHNER Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer empfingen Sternsinger aus ganz Österreich. Hohe Adressen Auch an prominenter Adresse wurde bereits geläutet. Am Montag war eine Sternsingergruppe im Wiener Rathaus zu Gast bei Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der einst selbst als Sternsinger unterwegs war: „Die Tradition des Sternsingens ist etwas ganz Besonderes. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Einsatz, aber auch wie viel Freude damit verbunden ist. Die Kinder zeigen, wie wichtig Zusammenhalt, Mitgefühl und Engagement für andere sind. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.“ Am Dienstag war eine besonders große Delegation von mehreren Dutzend „Heiligen Drei Königen“ aus allen Bundesländern und Südtirol in der Präsidentschaftskanzlei in der Wiener Hofburg zu Besuch bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seiner Frau Doris Schmidauer . Eingeläutet wurde die Aktion mit einem Besuch beim ernannten Wiener Erzbischof Josef Grünwidl . Und auch Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) nahm schon den Segen der Sternsinger entgegen. Brauch mit neuem Inhalt Wie so vieles hat auch diese Tradition ihren Ursprung in vorchristlichen Bräuchen und Ritualen, die dann mit der biblischen Erzählung der drei Weisen aus dem Morgenland verwoben wurden. Besonders groß war die Verehrung von Caspar, Melchior und Balthasar im Mittelalter. Vom einst umfangreichen Repertoire der Dreikönigsfeierlichkeiten hat sich das Sternsingen als lebendiges Brauchtum bis in die heutige Zeit bewahrt. Seine bis heute prägende Bedeutung für soziale Zwecke geht jedoch auf die harten Nachkriegsjahre zurück, als Kinder erstmals gezielt Spenden für Menschen in Not sammelten. Dieses Modell trägt bis heute. Seit 1954 wird das Sternsingen in Österreich zentral von der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar Österreichs organisiert. So konnten seit dem Gründungsjahr der Bewegung insgesamt 560 Millionen Euro ersungen werden. Im Vorjahr wurde erstmals die 20-Millionen-Marke überschritten, alleine in Wien konnten über drei Millionen Euro gesammelt werden. In diesem Jahr liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf Projekten in Tansania . Dort sollen Frauen und Mädchen aus der Volksgruppe der Massai unterstützt werden – etwa beim erfolgreichen Schulabschluss oder beim Erlangen finanzieller Unabhängigkeit. Der thematische Schwerpunkt auf Frauen und Mädchen entspricht auch der Realität des Sternsingens: Rund zwei Drittel der umherziehenden „Könige“ sind selbst Mädchen.