Checker Tobi: "Es begeistert mich, wie viel Kinder wissen"

Er zeigt bei einem Parabelflug, wie es ist, schwerelos zu sein, wandert durch die Kanalisation oder läuft als Zecke verkleidet über den Bildschirm: Tobias Krell alias „Checker Tobi“ ist aus Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. Seit 13 Jahren sieht man ihn in der gleichnamigen Fernsehreportagereihe des Bayrischen Rundfunks als unterhaltsamen Wissensvermittler. Knapp 180 Folgen zu unterschiedlichsten, teils ernsten Themen, etwa Krebs, gibt es bereits. Dazu Podcasts, ein Bühnenprogramm und zahlreiche Fanartikel von Experimentiersets bis zum Kochbuch. Aktuell läuft sein dritter Kinofilm an. Im Interview spricht er über Themen, die ihm wichtig sind, und sein Erfolgsrezept. KURIER: Auch im dritten Film spielt Umwelt- und Klimaschutz eine große Rolle. Ist Ihnen das ein Anliegen? Tobias Krell: Ja. Das hat gar nichts mit einer politischen Haltung zu tun, sondern es ist ein großes Thema für Kinder, mit dem ich auch bei den Kinoreisen immer wieder konfrontiert wurde. Wir können schlicht keine Sendung zum Thema Skifahren mehr machen, ohne zu thematisieren, warum das in 50 Jahren wahrscheinlich in den Alpen nicht mehr geht. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass wir keine Agenda verfolgen. Wenn man für Kinder Programm macht, dann kümmert man sich um Leute, die noch 80 Jahre leben und man kommt da schlicht nicht drum herum. Egal, wie kurzsichtig an manchen Stellen Politiker und Politikerinnen gerade mit dem Thema umgehen – wir können als Kinderwissensprogramm nicht weggucken. Filmladen Filmverleih In „Checker Tobi 3: Die heimliche Herrscherin der Erde“ macht sich Tobi auf, um die allererste Checker-Frage seines 8-jährigen Ichs zu beantworten: Wer hinterlässt die mächtigsten Spuren im Erdreich? Sein bisher größtes Abenteuer führt ihn in die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars, die Permafrostregion Spitzbergens und zu den Spuren der alten Maya in Mexiko. Ab 8.1. im Kino. Interessiert das Kinder? Es begeistert mich, wie viel Kinder darüber wissen. Es macht mir Hoffnung und ich merke, dass bei Kindern erstmal eine Offenheit und eine Neugierde da ist, ein ganz originäres Interesse. Kinder haben ein großes Gerechtigkeitsempfinden, auch wenn es z. B. um Tiere und Tierschutz geht oder sie empfinden es als unfair, dass manchen Leuten der Lebensraum kaputt gemacht wird. Aus dieser Emotion heraus können sie sich sehr dafür interessieren und wissen viel dazu. Und es ist ganz spannend zu erleben, wie sich das in den letzten Jahren bei den Eltern bzw. bei Erwachsenen umgedreht hat. Ich verstehe das, es gibt eine Vielzahl von Krisen und anderen Problemen und auch begrenzte Kapazitäten, sich mit dem Klimathema auseinanderzusetzen. Umso wichtiger, dass wir als Wissensvermittler hier sensibilisieren. Und im besten Fall können die Kinder dann ihre Eltern wieder anstupsen und sagen, hey, denken wir mehr dran. Gibt es Inhalte, die ihr nicht macht? Sehr wenige. Es gibt schon Dinge auf unserer Welt, die so grausam sind, dass man sie Kindern nicht erzählen muss, weil es keine Notwendigkeit gibt, sie damit zu konfrontieren. Aber es gibt eben auch Sachen, die grausam sind, wo es wichtig ist, sie Kindern nahe zu bringen. Und dazu gehört in einem kleineren Maßstab, vor allem weil wir keine Angst machen, sowas wie die Klimakrise oder auch schwere Krankheiten, wie der Krebs-Check. Dazu gehört aber auch dunkle Vergangenheit. Wir haben in mehreren Sendungen den Holocaust zumindest thematisiert und das versuchen wir sehr sorgfältig, sehr behutsam zu machen, weil wir nicht wissen, ob die Kinder alleine gucken. Wichtig ist, dass wir sie, wenn wir sie in so ein Thema und so eine Emotion reinbringen, unbedingt wieder herausbegleiten. Das sind die Folgen, die mir am meisten am Herzen liegen, weil ich weiß, wir machen da etwas, was vielleicht Familien hilft, ins Gespräch zu kommen und da haben wir einen echten Mehrwert. Im Film kommt der 8-jährige Tobi vor, der damals bereits eine Fernsehsendung machen wollte. War das so? Ja, das ist autobiografisch. Ich wusste schon mit 8, dass ich einmal – damals war es Sportredakteur – zum Fernsehen wollte. Mein Vater ist Kameramann und ich durfte hin und wieder mit und wollte auch Fußballspieler interviewen. Ich habe mit neun schon erste Radiosendungen aufgenommen mit meinem kleinen Kassettenrekorder und eine Zeitung gegründet für die Bewohner unserer Straße. Also die Grundlage ist autobiografisch. Es wäre komisch, der Backstory von Tobi etwas anzudichten, was nichts mit mir zu tun hat. Das heißt, Tobias Krell ist gleich Checker Tobi? Ja, klar. Ich bin 40, ich mache das seit 13 Jahren, das heißt, ein Drittel meines Lebens bin ich Checker Tobi und Checker Tobi ich. Es ist sehr schwer, die beiden Welten voneinander zu trennen. Vielleicht ist aber gerade das das Erfolgsrezept, weil ich mich nicht verstelle, sondern versuche, ich zu sein. Und es ist super, wenn das gelingt. Insofern trifft man abends in der Kneipe wahrscheinlich nicht Checker Tobi, sondern Tobi Krell, aber umgekehrt ist der auch nicht anders. Ich bin sehr dankbar für das junge Publikum und dafür, ein Reporter zu sein, der Sachen ausprobiert, das macht mir unheimlich viel Spaß. Die Kinofilme ermöglichen dann noch Reisen, die unfassbar sind und die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Gibt es auch Dinge, die Sie nicht machen wollten oder sich überwinden mussten? Sowohl als auch. Ich bin zwar Bungee gesprungen und mit dem Fallschirm, aber ich habe mich z. B. nicht getraut, vom Zehnmeterbrett zu springen. Das haben wir im Schwimmbad-Check aber auch thematisiert. Weil wir damit zeigen, dass es manchmal mehr Mut kostet, sich etwas nicht zu trauen, als einfach alles zu machen. Umgekehrt bin ich schon oft über mich hinausgewachsen. Für den ersten Kinofilm habe ich zum Beispiel extra den Tauchschein gemacht. Mein erster Tauchgang im offenen Meer mit Kamera für den Film, auch in Höhlen, hat mir viel abverlangt, aber ich habe es geschafft. Bei 13 Jahren „Checker Tobi“ sind viele Fans inzwischen Teenager oder erwachsen. Es kommen zunehmend Jugendliche auf mich zu, die sagen, ich bin Teil ihrer Kindheit. Das ist total schön, weil, was mich daran rührt, ist, wenn die allercoolsten 17-Jährigen kommen oder jemand Mitte 20, der schon studiert, und sagt, du hast mich als Kind begeistert oder die Sendung hat mich begeistert. Das wird nicht als uncool oder Kinderkram abgeschrieben, sondern ist eine liebevolle Erinnerung und das ist ein tolles Kompliment. Solange Kinder mitmachen und das gerne gucken, mache ich weiter, weil es macht mir Freude.