Wo viel Schatten ist, ist auch Licht: Editors-Frontman Tom Smith mit Solodebüt

„Selbstzweifel, Mangel an Inspiration und die Angst davor, nicht die Unterstützung meiner vertrauten Bandkollegen zu haben.“ Es kommt wie aus der Pistole geschossen, wenn man Editors-Frontmann Tom Smith fragt, warum er, mit 25 Jahren erfolgreicher Bandkarriere im Rücken, erst jetzt sein erstes Solo-Album mit dem Titel „There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light“ veröffentlicht hat. Seit vielen Jahren, sagt er, habe er darüber nachgedacht, aber früher habe es sich nie richtig angefühlt: „Ich bin erst jetzt an einen Punkt gekommen, an dem alles perfekt zusammengepasst hat“, erklärt er im KURIER-Interview. Don’t Look Back in Anger „Nach der Pandemie hatte ich eine Art kreativen Schub, aber die Songs, die ich schrieb, fühlten sich sehr persönlich an. Ich wollte sie in reduzierten, akustischen Versionen präsentieren. Ich habe auch jeden Song, den ich für die Editors geschrieben habe, am Klavier oder am Piano geschrieben. Mit der Band gehen sie einen langen Weg, der zu etwas führt, das oft ganz anders klingt. Das ist ein faszinierender Prozess, aber diese Songs wollte ich so belassen, wie sie waren, als ich sie geschrieben habe. Deshalb bin ich eines Tages aufgewacht und habe gedacht, jetzt mache ich es.“ „There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light“ ist ein starkes Statement des 44-Jährigen geworden. Er kann mit wenigen akustischen Gitarrenakkorden, seinem melancholischen Gesang und markanten Melodien genauso tiefe Atmosphäre erzeugen wie in den Momenten, in denen er die Songs zurückhaltend, aber höchst effektiv mit Bläsern und Streichern illustriert. Smith bestreitet aber, dass das Solo-Album eine Reaktion auf das letzte Editors-Album „EBM“ ist, das in Zusammenarbeit mit dem britischen Elektronik-Musiker Benjamin „Blanck Mass“ Power entstand und von schnellen elektronischen Beats geprägt war. „Das war eigentlich ein Nebenprojekt, das ich mit Benjamin und den Editors-Musikern Justin Lockey und Elliott Williams während Covid begonnen hatte. Irgendwann entschieden wir uns, die ganze Band zu involvieren und ein Editors-Album daraus zu machen. Das war brillant, entstand aber aus ganz speziellen Umständen.“ Good Times, Bad Times Das vorherrschende Gefühl, das sich durch „There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light“ zieht, ist Melancholie. Gepaart ist die Schwermut und die Sehnsucht nach Vergangenem aber immer mit einem Funken Hoffnung oder einer positiven Wendung. „Ich habe wie jeder andere Mensch gute und schlechte Tage“, erklärt Smith. „Ich habe Ängste und hadere oft mit den Dingen, auch mit all dem, was gerade in der Welt vorgeht. Aber wenn ich in diesen Songs dunkle Momente oder das Ringen um die Balance zwischen meinen Ängsten und Hoffnung beschreibe, dann erzähle ich immer auch, wie das durch Kameradschaft und Gemeinschaft erleichtert wird. Der Halt, den mir meine Frau, meine Kinder und meine Freunde geben, hilft mir, durch die dunklen Zeiten zu kommen. Das Thema ,Geteiltes Leid ist halbes Leid’ kommt oft in den Songs vor.“ Bright Lights In „Lights Of New York City“ oder „Northern Line“ blickt Smith zurück, erinnert sich an die Zeiten, als er jung war und zum ersten Mal mit den Editors in New York, oder mit seinem Freund Andy Burrows, dem damaligen Schlagzeuger von der Band Razorlight, im Norden Londons in den Pubs unterwegs war. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen und fand so große Städte sehr inspirierend“, erklärt er. „Aber mehr als um die Städte geht es um das Lebensgefühl von damals. In ,Lights Of New York City’ darum, wie spannend ich die Lichter und die Klänge der Stadt damals empfand. Und in ,Northern Line“ denke ich an die Zeit, in der ich in London gelebt habe und mit Andy durch die Pubs gezogen bin, während unsere jeweiligen Bands einen steilen Aufstieg hinlegten. Da war dieses Gefühl von Abenteuer, dieses Staunen und endlose Möglichkeiten. Das vermisse ich. Das soll aber nicht heißen, dass ich mein Leben, so wie es jetzt ist, nicht mag.“ Tom Smith tritt mit seinem Solo-Programm am 19. März in der Wiener Simm City auf.