Julia Scheib fährt gerade die Saison ihres Lebens. Im Riesentorlauf hat die 27-Jährige ihre ersten drei Weltcupsiege gefeiert und führt die Disziplinenwertung an. Als „Belohnung“ gab es von Sponsor „Rauch“ ein riesiges Sujet auf dem XL Tower in Wien (28 x 13 Meter). Der KURIER durfte mit der sympathischen Steirerin vom 57. Stockwerk aus nicht nur den Ausblick auf die Wiener Skyline genießen. Ein Rückblick auf die bisherige Saison, ein Ausblick auf Olympia und Einblicke in ihre Gefühlswelt. KURIER: Als Wintersportlerin sind Sie ja mehr das Bergpanorama gewöhnt. Können Sie auch mit der Skyline von Wien etwas anfangen? Julia Scheib: Absolut! Ich bin sehr gerne in Wien. Letztes Jahr im Sommer waren wir hier bei einem Konzert. Ich genieße es jedes Mal, in Wien zu sein. Für mich ist es eine der schönsten Städte. Aber ich genieße schon auch das Leben und die Ruhe am Land. Sie sind zur Siegläuferin gereift, tragen das Rote Trikot im Riesentorlauf. Was ist im Sommer passiert, dass Sie im Winter den nächsten Schritt machen konnten? Es war im Sommer eigentlich eine ähnliche Vorbereitung wie die Jahre zuvor. Natürlich hat sich im Trainer-Team einiges geändert, da ist sehr viel Erfahrung drinnen. Und ich denke, das braucht es in der Sportart. Es hat von Anfang an sehr gut funktioniert, wir haben gleich eine super Gesprächsbasis aufgebaut. Und das spiegelt sich auch in den Rennen wider, dass man sich voll und ganz verlassen kann. Das Vertrauen ist da schon sehr wichtig. Und Sie haben auch einen neuen Manager, den gleichen wie Marco Odermatt. Spielt es auch eine Rolle, dass das Umfeld noch professioneller wird? Ja. Ich denke, dass das Umfeld generell sehr wichtig ist. So eine Saison ist sehr intensiv, das zehrt schon an den Kräften. Da muss alles gut organisiert sein, dann macht das auch Sinn. Marcel Mayer Julia Scheib Sie sind in Sölden mit Ihrem ersten Sieg perfekt in die Saison gestartet. War aber der zweite Erfolg in Kanada vielleicht sogar noch wichtiger? Der hat eine große Rolle gespielt. Sölden war super, aber Sölden ist sehr speziell. Es gab schon einige Sölden-Gewinnerinnen, die dann nicht mehr so weitermachen konnten. Für mich war der zweite Platz in Copper Mountain daher schon sehr wichtig. Auch, weil Sie bei den Nordamerikarennen vorher noch nie so aufzeigen konnten ... Genau. Auf dem trockenen Schnee war ich in den letzten Jahren immer langsam. Der zweite Platz in Copper hat schon sehr gut getan. Und der Sieg in Tremblant natürlich auch. Dabei haben Sie ja vor Copper Mountain einen heftigen Trainingssturz gehabt. Anders als kürzlich Katharina Liensberger ist Ihnen nichts passiert ... Es ist mir sehr wohl bewusst, dass das alles eine Gratwanderung ist. Darum versuche ich auch in jedem Rennen, in jedem Trainingslauf wirklich den hundertprozentigen Fokus zu finden. Wenn ich merke, die Konzentration ist nicht mehr ganz da, dann beende ich mein Training. Ist das auch die Erfahrung nach Ihren Verletzungen? Ja, ich bin jetzt sicher noch achtsamer. Wenn ich merke, es fehlt ein bisschen, sage ich mir: „Passt, ich mach die letzte Fahrt, aber die nochmal g’scheit. Und dann ist Schluss.“ Ich weiß jetzt, dass eine kleine Unachtsamkeit fatal ausgehen kann. Marvin Ströter Julia Scheib Olympia steht vor der Tür. Ist das schon in Ihrem Kopf? Natürlich ist es da, keine Frage. Aber ich möchte es Rennen für Rennen angehen und vor Olympia hab ich noch vier Rennen. Darauf liegt der Fokus. Es wird Ihr erstes Olympia. Auch Ihre erste Medaille bei einem Großereignis? Schwer zu sagen. Ja, es ist das erste Mal, aber ich will trotzdem halbwegs entspannt reingehen. Zu viel Hektik bringt keinem was. In TV-Interviews wirken Sie auch direkt nach Siegen sehr reflektiert, fast ein bisschen reserviert. Sind das Sie? Ja, das ist meine Art. Sie sind jetzt Teil der Skyline von Wien. Wie gehen Sie damit um, so im Mittelpunkt zu stehen? Das stört mich gar nicht. Es war ein sehr cooles Shooting, das habe ich sehr genossen. Es gehört einfach zum Job dazu. Ich finde es auch gut, dass wir in den Medien präsent sind. Ich glaube, der Sport hat einiges zu bieten, ich habe einiges zu bieten. Und von dem her kann ich auch solche Tage sehr wohl genießen. Vor allem wenn wir diesen Ausblick haben.