Grönland: Auch Björk unterstützt Unabhängigkeit von „Kalaallit Nunaat“

Als Soundtrack zu ihrem Social-Media-Posting hat Björk den Song „Declare Independence“ aus dem Jahr 2007 wieder hervorgeholt: „Erklärt eure Unabhängigkeit! Lasst euch das nicht antun“, singt die Isländerin, die weltweit Millionen Tonträger verkauft hat, darin. Björk ist die bislang prominenteste Wortführerin einer Idee, die unter den Bewohnern und Bewohnerinnen Grönlands viel Rückhalt, aber vage Aussichten auf Umsetzung hat: Die zu 80 Prozent von Eis bedeckte, aber dank Bodenschätzen und strategischer Lage bedeutsame Insel solle sich ganz von Dänemark lösen und dafür kämpfen, ganz unabhängig zu bleiben. „Der Kolonialismus jagt mir immer wieder eisige Schauder über den Rücken, und der Gedanke, dass meine grönländischen Landsleute von einem grausamen Kolonialherrn zum nächsten wechseln könnten, ist zu schrecklich, um ihn auch nur zu denken“, schrieb Björk unter dem Eindruck der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump , die Insel den Vereinigten Staaten - möglicherweise mit Militärgewalt - angliedern zu wollen. Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979 immer größere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Björks Heimat Island sagte sich 1944 von Dänemark los, was die Sängerin, die seit ihrer Frühzeit zu den kulturellen Aushängeschildern der Insel gehört, mit Stolz erfüllt: „Wir haben unsere Sprache nicht verloren – meine Kinder würden heute sonst dänisch sprechen. Und bis heute behandeln die Dänen Grönländer als Bürger zweiter Klasse.“ Inuuteq Storch Assimilation Tatsächlich gab es in der Vergangenheit von dänischer Seite Bestrebungen, die indigene Bevölkerung der Insel zur Assimilation zu zwingen – oder sie auf anderem Weg zu unterdrücken: So klagten laut einem von der Sängerin verlinkten Bericht im Jahr 2023 insgesamt 150 Grönländerinnen den dänischen Staat, weil ihnen zwischen 1966 und 1970, teils noch im Kindesalter, Verhütungsspiralen eingesetzt worden seien. Inuuteq Storch Die rund 56.000 Bewohnerinnen und Bewohner der Insel hatten lange Zeit wenig Gelegenheit, sich selbst auf dem kulturellen Feld zu repräsentieren. „Grönland und seine Bewohner wurden seit dem 19. Jahrhundert zwar umfassend fotografiert“, erklärte der Künstler Inuuteq Storch , als er 2024 als erster Grönländer eingeladen wurde, den dänischen Pavillon auf der Kunstbiennale Venedig zu bespielen – und den Schriftzug „Dänemark“ dort mit „Kalaallit Nunaat“, der indigenen Bezeichnung Grönlands, überblendete. „Der Großteil der Bilder wurde von Besuchern Grönlands als Form der Dokumentation und Kartierung des Landes, seiner Bewohner und seiner Kultur angefertigt“, sagt Storch. Inuuteq Storch Der Künstler stellte diesen Bildern eigene Archivaufnahmen – teils aus seinen eigenen Familien-Fotoalben – entgegen und ergänzt diese mit eigenen Aufnahmen aus dem heutigen Grönland. Bis 23. Februar stellt Storch mit seine Werke - unter dem wenig optimistischen Ausstellungstitel „Soon Will Summer Be Over“ - derzeit im MoMA PS 1, der Außenstelle des „Museum of Modern Art“ im New Yorker Stadtteil Queens, aus. Dass der US-Präsident vorbeischaut, ist auch eher unwahrscheinlich.