Andrang auf Notquartiere, auch Ukraine-Aufnahmezentrum schließt

Die Caritas ist aufgrund der anhaltend eisigen Temperaturen alarmiert: Die Minusgrade können für obdachlose Menschen vor allem nachts lebensgefährlich werden. „Wir gehen davon aus, dass sich mehrere Hundert akut obdachlose Menschen im öffentlichen Raum in Wien aufhalten, die dringend versorgt werden müssen“, erklärt man auf KURIER-Anfrage. Streetworker berichten von ersten Unterkühlungen und sogenanntem Kältestress bei Betroffenen. Dank Hinweisen aus der Bevölkerung über das Kältetelefon (01 480 4553) konnte den Betroffenen rechtzeitig geholfen werden. Seit Beginn der Wintersaison im November zählte man allein in Wien mehr als 6.200 Anrufe und führte über 600 Gespräche mit Betroffenen. Generell gilt: Lieber einmal zu oft anrufen als einmal zu wenig . In über 200 Fällen konnten Plätze in einem Notquartier vermittelt werden. Vom Fonds Soziales Wien (FSW) wurden die insgesamt 1.000 Schlafplätze kürzlich um rund 30 Stück erhöht. Spenden dringend erbeten Der Andrang in die Quartiere ist laut Caritasdirektor Klaus Schwertner in den vergangenen Tagen und Nächten sehr hoch: „Die Auslastung lag bei nahezu 100 Prozent.“ In der Gruft seien alle 60 Betten belegt. Auch die Nachfrage nach warmen Mahlzeiten sei sowohl hier als auch in den 43 Wärmestuben groß. Gebraucht werden weiterhin dringend Sachspenden sowie Geldspenden. Sorge bereitet der Caritas auch, dass das letzte Ankunftszentrum für Kriegsvertriebene aus der Ukraine schließt. Die Unterkunft am Schlossberg in Hietzing gehört zum FSW, betreut werden mehr als 160 Kriegsvertriebene von der Volkshilfe Wien. Ich rechne mit einem steigenden Druck auf die Notquartiere und dramatischen Situationen, wenn hier nicht in letzter Minute noch eingelenkt wird. Klaus Schwertner / Caritas-Direktor Sie bekommen Verpflegung und Unterstützung bei Behördenwegen, bis sie in der Grundversorgung sind. Ab 8. Jänner gilt jedoch ein Aufnahmestopp, Notfälle will man aber weiter aufnehmen. Kompetenzstreit zwischen Stadt und Bund Darüber, wer für die Erstversorgung der Vertriebenen künftig verantwortlich ist, sind sich Bund und Stadt seit Herbst uneinig. Die Bundesbetreuungsagentur BBU sieht die Zuständigkeit bei den Ländern. Anderer Meinung ist Wiens Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Laut ihm liegen die Koordinierungsaufgaben beim Bund. Wie es ab 9. Jänner weitergeht, ist jedenfalls unklar. Schwertner warnt vor drohender Obdachlosigkeit bei Geflüchteten nach ihrer Ankunft in Österreich. Dies gelte es zu verhindern: „Ich rechne mit einem steigenden Druck auf die Notquartiere und dramatischen Situationen , wenn hier nicht in letzter Minute noch eingelenkt wird.“