Dass für Wien gerade ein hartes Sparjahr angebrochen ist, ist nicht in allen Bereichen zu erkennen. Bestes Beispiel dafür ist eine noch im alten Jahr im Gemeinderat beschlossene Förderung für eine Neos-nahe Bildungsgesellschaft, die sich im zweiten Jahr ihres Bestehens über 780.000 Euro an Steuermitteln freuen darf. Der „Schönheitsfehler“: Das bestenfalls Insidern bekannte Education Lab beschäftigt zwar nur zehn Personen, leistet sich seit Jänner aber eine weitere – dritte – Geschäftsführerin . So steht es jedenfalls im internen Gemeinderatsakt, der dem KURIER vorliegt und einige Fragen aufwirft. Das Education Lab darf durchaus als pinkes Prestigeprojekt bezeichnet werden, das – unmittelbar vor der Wien-Wahl – im April 2025 feierlich eröffnet wurde. Mit dabei in den schicken Räumlichkeiten hinter dem Wien-Museum am Karlsplatz waren damals Bildungsminister Christoph Wiederkehr und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (beide Neos). „Mit dem Education Lab schaffen wir eine Denkfabrik für die Wiener Bildungslandschaft und einen Ort des Austauschs, der Vernetzung und des voneinander Lernens“, erklärte Emmerling damals vor rund 100 Festgästen. 110.000 Euro für Miete Nach der (höheren) Erstfinanzierung über 1,5 Millionen Euro im Vorjahr, folgt nun für 2026 eine weitere Förderung im Ausmaß von 780.000 Euro. Ein Gutteil davon wird aber nur für die Gehälter der Geschäftsführung aufgewendet: Bei der gemeinnützigen Betriebsgesellschaft ( Impact Hub Education gGmbH ) wird nämlich die bisherige Geschäftsführung – Hinnerk Hansen und Jakob Detering – seit Jänner „um Julia Pichler erweitert“, wie es im Akt heißt. Und noch etwas sticht ins Auge: Die Mietzahlungen und Betriebskosten für die Räumlichkeiten in Höhe von 109.402,25 Euro machen gleich ein Siebtel des Jahresetats des Labs aus. Wobei zwei Räume via Homepage auch auf dem freien Markt zur stundenweise Anmietung offeriert werden – ab 30 Euro ist man mit dabei. Neben der generell schiefen Optik in Sparzeiten („Hier offenbart sich ein pinkes Günstlingssystem“), sorgt auch dieser Punkt bei Rathaus-Insidern für Verwunderung: „Eine gemeinnützige Gesellschaft, die zu 100 Prozent von der Stadt finanziert wird, sollte eigentlich nicht auf diese Weise als Vermieter auftreten.“ Ein Sprecher von Neos-Bildungsstadträtin Emmerling verteidigt die beschlossene Förderung: Die Lab-Chefs Hansen und Pichler seien im Ausmaß von 1,5 Vollzeitäquivalenten operativ verantwortlich; der Dritte im Bunde – Detering – sei aber nun „ohne operative Verantwortung und Entlohnung“. Allerdings: Detering fungiert bei der (nicht gemeinnützigen) Muttergesellschaft als „Managing Director“ und wird dort auch entsprechend bezahlt. Die Mietkosten würden „Lage und Infrastruktur widerspiegeln“, zudem sei die „barrierefreie Lage“ wichtig für den Erfolg: Schon 220 Veranstaltungen mit mehr als 7.000 Besucher hätten im Education Lab stattgefunden.