Die Grönländerinnen und Grönländer wollen nur eins: Auf ihrer Arktisinsel, weit weg von allem anderen, in Frieden leben. Doch seit die USA Besitzansprüche auf ihr Land angemeldet haben, kommen die Menschen dort nicht zur Ruhe. Mit den jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Tagen, die Insel annektieren zu wollen, scheint die Gefahr konkreter zu werden - und die Sorge der Grönländer wächst. US-Außenminister Marco Rubio will sich in der kommenden Woche mit Vertretern Dänemarks treffen, um über die Grönland-Frage zu beraten. Die US-Regierung bekräftigte im Streit um die Kontrolle Grönlands ihre Haltung und schließt auch einen Militäreinsatz weiter nicht aus. Der Erwerb Grönlands habe für die nationale Sicherheit der USA Priorität und sei entscheidend, um Gegner in der Arktis abzuschrecken, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. Herfried Münkler in der ZiB2 Zu Trumps Anspruch auf Grönland und der damit verbundenen Veränderung der Weltordnung war am Mittwochabend der Politikwissenschafter Herfried Münkler zu Gast in der ZiB2 im ORF. Er hält es durchaus für möglich, dass die USA Grönland annektieren. "Also daran hindern können die Europäer Trump nicht, denn sie sind ja gleichzeitig auf ihn angewiesen als denjenigen, der den nuklearen Schutzschild über Europa hält." Dazu hätten die Amerikaner Truppen auf Grönland, es würde bei einer Annektierung wohl auch keine Kampfhandlungen geben. Aber, so Münkler: "Das ist natürlich eine fundamentale Veränderung. Und ich glaube auch, dass dann für viele eine Entscheidung vor der Tür steht, ob man nicht versuchen wird, einen eigenen europäischen Stamm der NATO aufzubauen und die USA sozusagen als fernen Verwandten hat, auf den man sich aber nicht verlassen kann und der ständig Stress macht." Konflikt mit Russland: "Schläge muss Putin hinnehmen" Trump drohte zuletzt auch Kolumbien, Mexiko oder Kuba. Droht auch da ein Angriff? Geht es nach dem Politikwissenschafter, dann nicht. " Ich glaube, er hat eher die Vorstellung, dass die Entführung des venezuelischen Präsidenten so etwas wie eine Drohung ist, und sich die anderen den amerikanischen Erwartungen beugen." Und auch der Kreml könne sich derzeit keinen ernsthaften Konflikt mit den USA leisten, meint Münkler. "Das sind Schläge, die Putin hinnehmen muss, so wie er auch hinzunehmen hatte, dass ihm einige Länder verloren gegangen sind, unter anderem Syrien und jetzt natürlich Venezuela." 3 Imperien: USA, Russland, China Münkler sieht zwar eine Strategie hinter dem Vorgehen der USA, das Problem sei nur, dass Trump so sprunghaft sei. " Statt erstmal abzuwarten, wie das Ganze funktioniert und ob er tatsächlich Zugriff auf Venezuela bekommt, fängt er gleich den nächsten Streit, mit Kolumbien und Mexiko, an." Grundsätzlich sieht der Experte aber eine Wiederkehr der "Imperien im Sinne der Herstellung von Einflussräumen". Da gebe es aktuell 3 große Akteure: Die USA, Russland und China. "Über kurz oder lang wird es zwischen Russland und China knistern und vermutlich auch zwischen den USA und Russland", sagt Münkler, der fünf starke Player befürworten würde. Österreichs Neutralität als "Schwäche" Wer aber wäre das? "Das könnten die Europäer sein, wenn sie ein bisschen handlungsfähiger und ein bisschen energischer werden. Und dann könnte noch Indien als der Repräsentant des globalen Südens dazu kommen." Die aktuelle Entwicklung sei jedenfalls wenig erfreulich: "Das wird keine freundliche Weltordnung sein, die da auf uns zukommt." Bleibt die Frage: Welche Rolle könnte Österreich in dieser neuen Weltordnung zukommen? Die Neutralität sei in diesem Zusammenhang jedenfalls wenig attraktiv. "In einer Weltordnung, wie wir sie jetzt haben, ist Neutralität eigentlich, sich freiwillig in eine Position der Schwäche und der relativen Bedeutungslosigkeit zu bringen", so Münkler abschließend.