Yukigassen: Japans Trendsport erobert Österreich

Mit dem Wort „Yukigassen“ können wohl die wenigsten in Österreich etwas anfangen. Das soll sich in den nächsten Jahren drastisch ändern, wenn es nach Peter Donabauer, Geschäftsführer von Filzmoos Tourismus und Initiator der Yukigassen Meisterschaften, geht: „Ich hoffe, dass wir uns bald mehr organisieren und mehrere Landesverbände haben“, sagt er. Aber was ist „Yukigassen“ eigentlich? Der Begriff klingt exotisch, und tatsächlich stammt er aus Japan. Wörtlich übersetzt bedeutet es nichts anderes als „Schneeschlacht“. Doch was im ersten Moment nach Kindheitserinnerungen klingt, ist mittlerweile in einigen Teilen der Welt längst zu einem schnellen, strategischen und ernsthaften Wintersport geworden – so auch im Salzburger Filzmoos. „Das ist viel mehr als nur eine Schneeballschlacht“, sagt Donabauer. So funktioniert Yukigassen Erfunden wurde Yukigassen vor rund 40 Jahren auf der japanischen Insel Hokkaido – von Touristikern, die den Winter in ihrer Region beleben wollten. Die Regeln sind eher einfach gehalten und erinnern an eine Mischung aus Paintball, Völkerball und Baseball: Gespielt wird auf einem exakt zehn mal 36 Meter großen Feld mit sieben Schutzwänden. Zwei Teams zu je sieben Spielerinnen und Spielern treten an, bewaffnet mit 90 genormten Schneebällen pro Mannschaft. Ziel ist es, alle Gegner zu treffen, deren Fahne zu erobern oder nach drei Minuten mehr eigene Spielerinnen und Spieler im Feld zu haben. Körperkontakt gibt es nicht, Helme sind Pflicht, und gute Schuhe sowie warme, bewegungsfreundliche Kleidung gehören zur Grundausstattung. Tourismus Filzmoos Einheitsgrößen: Alle Schneebälle sind genormt und werden mithilfe dieser Presse in Form gebracht. Perfekte Bälle Damit die Bedingungen für alle möglichst gleich sind, sind die Schneebälle genormt. Mittels einer Ballpresse wird der Schnee zu perfekten, gleichmäßigen Wurfgeschossen geformt. Worauf es dabei ankommt? „Beim Schneeball ist es wie beim Schneemannbauen – wenn der Schnee zu trocken ist, funktioniert es nicht“, erklärt Donabauer. In Japan oder Finnland werden die Bälle sogar in Hallen gelagert, um bei Turnieren auch wirklich die ideale Konsistenz garantieren zu können. Anita Arneitz Gekommen, um zu bleiben: Peter Donabauer (Mitte) hat große Pläne für Yukigassen in Österreich. Die Finnen waren es Nach Österreich kam Yukigassen eher zufällig: Ein Freund erzählte Donabauer von der Europameisterschaft in Lappland, zeigte Fotos und Videos – und schon bald stand der finnische Verbandspräsident in Filzmoos. Denn auch dort ist der japanische Sport inzwischen Kult. Vor zwei Jahren fand dann schließlich die erste Meisterschaft statt, professionell organisiert – das war Donabauer besonders wichtig, aber mit Spaß im Vordergrund. „Der Erfolg gibt uns recht: Für heuer haben wir schon mehr als doppelt so viele Anmeldungen wie im Vorjahr. Einige Mannschaften trainieren sogar zu Hause.“ o'mans Sieben Schiedsrichter achten darauf, dass alles fair abläuft. Permanentes Spielfeld in Filzmoos Wer sich übrigens auch mal abseits des Wettkampfs im Yukigassen ausprobieren will, kann dies seit heuer auch tun. Mittlerweile gibt es in Filzmoos ein permanentes Spielfeld, das den ganzen Winter kostenlos genutzt werden kann. Das Training braucht es auch, denn das Spiel ist wahnsinnig schnell: „Innerhalb von drei Minuten fliegen bis zu 180 Schneebälle durch die Luft.“ Sieben Schiedsrichter achten pro Spiel auf Treffer und Fair Play. Mitmachen kann jeder ab 14 Jahren, Vorkenntnisse sind nicht nötig. Im vergangenen Jahr traten Firmen, Stammtische, Freundeskreise und eine Maturaklasse gegeneinander an – letztere gewann sogar. Bei der Wahl des Teamnamens kann man kreativ sein. Von Klassikern bis zu Highlights wie „Frosty Flingers“ und „Slay Sesh“ ist alles dabei. o'mans Aus Spaß wird schnell Ernst: Vor der Partie wird innerhalb der  Teams noch Taktik besprochen. Schneeball-Strategen Ob neue oder alte Yukigassen-Hasen: Willkommen sind alle, dennoch gibt es am Feld Unterschiede: „Bei Laien geht das meist schnell: Sie rennen auf die Bälle zu, schießen wie wild los und innerhalb von ein paar Sekunden sind alle abgeschossen. Bei erfahrenen Teams erkennt man schon den Spielwitz und die Strategien dahinter.“ Taktik ist also wichtig: „Ablenkung ist ein sehr gängiger Trick“, verrät Donabauer. Erfahrene Spielende schießen ihre Bälle hoch in die Luft, um Gegner hinter Schutzmauern zu treffen. Zuschauende sind willkommen – und oft zufällig dabei. „Wir haben den Vorteil, dass wir mitten im Skigebiet liegen. Leute kommen vorbei und schauen sich das an.“ Donabauer selbst hat übrigens noch nicht mitgespielt. Dafür sei die Zeit nicht da, aber „ich hoffe, dass ich bald die Gelegenheit dazu habe.“ Die Organisation geht vor, die Vision ist klar: Yukigassen soll olympisch werden. Bis dahin kämpfen am 15. März wieder rund 50 Teams aus ganz Österreich, Deutschland, Tschechien und Polen um den heiß begehrten Titel „Österreichischer Yukigassen-Meister“ und ein Preisgeld von 3.000 Euro.