Raiffeisen öffnet ein neues Fenster zur Kunst

„Die Sammlung ist unglaublich charmant“, sagt Carl Aigner . Der ehemalige Chef der Kunsthalle Krems und des Museums Niederösterreich ist seit Längerem mit den Kunstbeständen befasst, die die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien seit den 1950ern erworben hat; als die 2012 eröffnete, markante Zentrale am Donaukanal gebaut wurde, konzipierte Aigner ein eigenes Kunstdepot. Nun aber soll die Sammlung des Konzerns, der auch Teileigentümer des KURIER ist, einen Professionalitätsschub erhalten – und verstärkt in die Zukunft blicken. Gemeinsam mit der Galeristin Lisa Kandlhofer zeichnet Aigner für ein neues „kuratiertes Ankaufsprogramm“ verantwortlich, das jüngere Künstlerinnen und Künstler sowie jene, die in ihrer Karrieremitte stehen, fördern soll. Inhaltlich und formal soll sich der Fokus auf Performancekunst richten – und auf die Spuren, die diese in Fotografie, Malerei und Video hinterlässt. NIKLAS STADLER Das Duo will dazu bei Kunstunis „Scouting“ betreiben und mit Galerien arbeiten. Der Schwerpunkt soll auf der Region Wien und Niederösterreich liegen. Die Holding wolle dafür jährlich einen „mittleren sechsstelligen Betrag“ zur Verfügung stellen, erklärte Generaldirektor Michael Höllerer am Donnerstag. Mittelfristig möchte man so auch „Werte schaffen“. Das sei ein wichtiges Statement für die Kunstszene, betont Kandlhofer: Zuletzt hatte diese den Rückgang privaten Engagements zu verkraften, die Marktlage bleibt schwierig. Blick zurück Bei der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien begann man indes mit der Sichtung der rund 600 Kunstwerke, die den aktuellen Bestand bilden. Zum erwähnten „Charme“ gehört wohl auch, dass sie wechselnde Geschmäcker seit den 1950er-Jahren abbilden – und zeigen, „in welchen Netzwerken sich der jeweilige Generaldirektor befunden hat“, wie Aigner sagt. Eine Professionalisierung sei durch Christian Konrad , Raiffeisen-Generalanwalt und Obmann 1990 – 2012, eingetreten. Außenauftritt Es finden sich durchaus außergewöhnliche Werke in der Sammlung: Etwa ein Werkblock des Secessions-Mitbegründers Josef Engelhart (1864–1941), der über einen Immobilienerwerb in Raiffeisen-Eigentum gelangte, und eine ganz frühe Zeichnung Egon Schiele s von 1906. Es ist eine der wenigen Arbeiten, die als Kreditbesicherung im Besitz der Bank verblieb. Rund 200 Werke wurden in einer Publikation katalogisiert, im April soll eine Auswahl im Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels/OÖ gezeigt werden. Gerade angesichts der aktuellen Weltlage sei es wichtig, Menschen an Kunst und Kultur teilhaben zu lassen, bekräftigte Erwin Hameseder , Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien. Dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns weiterhin Kunst aus dem Depot für ihre Büros ausleihen können, gehöre da weiter dazu. Man darf gespannt sein, wie die Neuzugänge der Sammlung dort ankommen.