Frostige Stimmung zwischen Süd- und Burgenland Tourismus

Von Gernot Heigl und Michael Pekovics Der Tourismus startet mit neuer, alter Kritik aus dem Süden ins neue Jahr. Dort findet Hotelier Johann Haberl (Larimar Stegersbach) scharfe Worte für den seiner Meinung nach untätigen Burgenland Tourismus. Dessen Geschäftsführer Didi Tunkel spricht hingegen von „Kritik einzelner Personen“ und „Schlechtmacherei“. Der Stegersbacher Wellnessprofi bemängelt jedenfalls, dass es seit längerer Zeit keine funktionierende Tourismusstruktur und kein Vermarktungsrezept gebe. „Deshalb sinken vor allem im Süden die Gästezahlen.“ Ebenso unterstützt er die Kritik von Kollegen und Zimmervermietern an der Erhöhung der Ortstaxe (der KURIER berichtete) . Einmal mehr: Kritik an der Erhöhung der Ortstaxe „Die Anhebung von 2,50 auf 4,50 Euro wurde von Tourismuschef Tunkel mit der Indexanpassung argumentiert. Allerdings beträgt die Inflation seit der letzten Erhöhung 2021 keine 80 Prozent, sondern rund 23 Prozent “, ärgert sich Haberl. „Diese Anhebung wurde von der Landesregierung zu einer unpassenden Zeit beschlossen, kämpfen doch alle gegen steigende Kosten. Ich kenne die Experten nicht, die das ausgearbeitet haben. Ein Fachmann würde es anders machen.“ Tunkel sieht das anders, laut ihm würden die zwei Euro keinen Gast von einem Aufenthalt abschrecken. Larimar „Ich kenne die Experten nicht, die das ausgearbeitet haben. Ein Fachmann würde es anders machen“, sagt Larimar-Chef Johann Haberl. Das Minus bei den Gästezahlen im Süden führt Haberl auf unzureichendes und unprofessionelles Marketing des Burgenland Tourismus zurück. So sanken die Übernachtungen im Bezirk Güssing von 2019 auf 2024 um 10,53 Prozent, die Bettenauslastung von 41,1 auf 33,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum gingen die Übernachtungen im Bezirk Jennersdorf um 5,75 Prozent zurück, die Bettenauslastung verringerte sich auf 23,1 Prozent. Tunkel sieht in der Kritik Zahlenklauberei und verweist auf den positiven Trend sowie die in seiner Amtszeit gesetzten Initiativen, vor allem im Süden. MARTIN STEIGER Tunkel sieht in der Kritik Zahlenklauberei und verweist auf den positiven Trend sowie die in seiner Amtszeit gesetzten Initiativen, vor allem im Süden. Haberl sieht das anders: „Speziell von kleineren Betrieben höre ich große Unzufriedenheit wegen Auslastung und Nachfrage“. Seinen Vorwurf der Untätigkeit hinsichtlich Werbemaßnahmen sieht er darin bestätigt, „dass viele kleine Betriebe kaum Anfragen über den Burgenland Tourismus bekommen – wir im Larimar gar keine.“ „Großer Schaden“ Auch prangert der Hotelier falsche Entscheidungen an: „Die stillgelegte Homepage stegersbach.at wurde von der 2023 gegründeten ARGE Stegersbach, der die vier Hotels, Gemeinden, Betriebe und Privatzimmervermieter angehören, reaktiviert und eine Werbeagentur beauftragt.“ Haberl weiter: „Wie wichtig das war, zeigt sich daran, dass alleine in den vergangenen drei Monaten über eine Million Menschen unsere Werbung gesehen haben, in den vergangenen acht Monaten sogar mehr als 7,3 Millionen. Inzwischen hat sich auch der Südburgenland Tourismus, der damals die Seite vom Netz genommen hat, beteiligt.“ Gernot Heigl „Ergebnisabhängig werden wir nach dem ersten Quartal sehen, ob und welche Schritte wir einleiten“, sagt ÖVP-Klubobmann Bernd Strobl. Unverständnis zeigt Haberl auch über die Schließung der Gästeinformation in Jennersdorf. „Ein großer Schaden für die Region.“ Von Kollegen in der Beherbergungsbranche höre er oft, dass „Tunkel in seiner Amtszeit noch immer keinen guten Draht zu den Betrieben gefunden hat. Viele Kollegen haben das Gefühl, dass er hauptsächlich der Politik zuarbeitet, nicht aber für Gemeinden und Betriebe da ist. Das wäre jedoch sein eigentlicher Job.“ ÖVP steht hinter der Kritik Mit Beschwerden aus der Hotellerie konfrontiert sieht sich auch der Güssinger ÖVP-Bezirkspartei- und Klubobmann Bernd Strobl: „Die Erhöhung der Ortstaxe wurde von der Landesregierung gegen die Stimmen der Opposition beschlossen. Da können wir aktuell nichts mehr ändern.“ Der Politiker weiter: „Aber bezüglich Burgenland Tourismus und Tunkel beobachtet die ÖVP alles ganz genau. Ergebnisabhängig werden wir nach dem ersten Quartal sehen, ob und welche Schritte wir einleiten.“ Tunkel verwehrt sich dagegen, alles schlechtzureden, vor allem dann „wenn es gut läuft“. Eine endgültige Bilanz über das Vorjahr kann Anfang Februar gezogen werden, wenn die Zahlen für 2025 veröffentlicht werden.