Kroatisch wird an diesem Donnerstagvormittag auch kompetent vermittelt, doch anders als in der Komenský-Schule der Tschechen und Slowaken nur in der Kindergruppe im „ Kroatischen Zentrum “ auf der Wieden. „Eine Schule haben wir noch nicht“, erklärt Gabriela Novak-Karall . „Wir arbeiten aber intensiv daran.“ Peter Tyran Setzt sich für ihre Volksgruppe ein: Gabriela Novak-Karall, Obfrau des neuen kroatischen Schulvereins in Wien. Rešetarić aus Stinjaki Novak-Karall wohnt – seit sie denken kann – in Wien und gehört der Volksgruppe der Burgenländischen Kroaten an. Die leben nicht nur im Burgenland, sondern unter anderem auch in Wien und in den Grenzgebieten der Slowakei und Ungarns. Als Obfrau des erst 2024 gegründeten Schulvereins Rešetarić hat Novak-Karall einen konkreten Termin vor Augen: „Am 6. September 2027 starten wir gemeinsam mit der Komenský-Schule unsere erste zweisprachige Volksschulklasse.“ Der mit den kroatischen Sonderzeichen geschriebene Name ihres Vereins soll an eine weit über das kleine Dorf Stinatz/Stinjaki hinaus bekannte Familie erinnern, die aus ihren familiären Wurzeln kein Drama, aber auch kein Geheimnis macht. Großes Ziel der Kroatin ist es, „in weiterer Folge so wie unsere tschechischen und slowakischen Freunde nach der Volksschule auch eine Schulausbildung bis hin zur Matura anzubieten.“ Uwe Mauch Das große Vorbild der Kroaten: Die Komenský-Schule im dritten Bezirk. Davon sollten alle Seiten profitieren: Zunächst die Volksgruppe, die schon seit Längerem in Wien von der Assimilierung bedroht ist. „Angebot schafft Nachfrage“, weiß Petar Tyran , der als Autor und Journalist seit vielen Jahren lautstark und immer mit Charme seine Volksgruppe nach außen vertritt. Auch für die aus dem EU-Land Kroatien und aus dessen Nachbarländern zu Lebzeiten Zugezogenen wäre die neue Schule eine Option. Peter Tyran skizziert dazu den gesetzlichen Rahmen: „So wie die Tschechen und Slowaken dürfen wir die Kinder erst in ihrer stärkeren Sprache unterrichten, müssen aber auch garantieren, dass sie in der jeweils anderen Sprache innerhalb von zwei Jahren so viel aufholen, dass sie ohne große Probleme in eine öffentliche Schule wechseln können.“ Nicht zuletzt würde die neue Schule auch der Stadt und ihrer Wirtschaft guttun. Zweisprachige Absolventen, die nebenbei auch fließend im Englischen zu Hause sind, können in vielen Bereichen neue Brücken bauen. Apropos Brücken: Auch die Ungarn und Slowenen wollen nach dem Vorbild der Komenský-Schule eine durchgehende Ausbildung anbieten. Obfrau Gabriela Novak-Karall betont dazu: „Wir orten jetzt endlich auch das notwendige Verständnis bei allen im Parlament vertretenen Parteien, und wir haben darüber hinaus ein gutes Einvernehmen mit den Beamten im Bildungsministerium . Das ist ein Erfolg, und der beruht nicht zuletzt auf der guten Kooperation aller Volksgruppen.“ Wünschen würden sich alle Schulvereinsvertreter, dass die Republik zumindest einen Teil der Betriebs- und Personalkosten übernimmt. Selbst der Komenský-Schule, die in einem der letzten der einst hundert tschechischen Schulhäusern in Wien untergebracht ist, somit keine Miete bezahlt, täte ein finanzieller Zuschuss gut. Kroatiens „Mühlviertler“ Im „Kroatischen Zentrum“ in der Schwindgasse lernen die Kinder der Kindergruppe „ Viverica “ derweil spielend Deutsch, Standard- sowie Burgenländisch Kroatisch. Das lustige Spiel mit den Worten und ihrer teilweise divergierenden Aussprache beherrschen einige Kinder schon sehr gut. Außenstehenden erklärt es Petar Tyran so: „Auch wir in der Volksgruppe sprechen doch Kroatisch. Der Abstand zum Standardkroatisch ist so groß wie der Unterschied zwischen Mühlviertlerisch und Hochdeutsch.“