Hybridmarkt als Nahversorger in NÖ: "Mit Mut und Engagement geht's"

Seit September hat Inzersdorf im Bezirk St. Pölten-Land wieder einen Nahversorger, und zwar einen ganz besonderen: Anita Hiesel betreibt den Nah & Frisch-Markt , der als Hybridmarkt geführt wird. Was bedeutet das? Die Mitarbeiter sind nur zu den Kernzeiten vor Ort, an den Randöffnungszeiten wird das Geschäft zum Selbstbedienungsladen. So einfach geht's: Man hält seine Bankomatkarte an eine Automaten und die Schiebetür des Kaufhauses öffnet sich. Dann wird eingekauft und an der Selbstbedienungskasse bezahlt. Genau solche Märkte wie in der Gemeinde Inzersdorf-Getzersdorf seien die Zukunft, darin sind sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Wolfgang Ecker , Präsident der NÖ Wirtschaftskammer, einig - und besuchten den Markt. Neue Lösungen für Nahversorgung Die Landeschefin war besonders glücklich, denn: "Ich komme selbst aus einer Greißlerei." Diese waren früher im Ort selbstverständlich. Das habe sich geändert, weil die Menschen mobiler geworden sind. Daher brauche es neue Lösungen - die Digitalisierung werde für solche genutzt. Mikl-Leitner weiß, dass gerade ein kleineres Geschäft mit gemütlicher Kaffee-Ecke wichtig für das soziale Gefüge eines Ortes ist. Sandra Frank Hybridmärkte, wie jener in Inzersdorf, der von Anita Hiesel betrieben wird, sind die Zukunft der Nahversorgung - da ist Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sicher. 71.000 Euro hat die Gemeinde in ihren Nahversorger investiert, 30 Prozent hat das Land NÖ gefördert. "Mit Mut und Engagement geht's", ist Mikl-Leitner überzeugt, dass es den Hybridmarkt noch lange geben wird. An die Senioren, die gerade beim Kaffeeplausch waren, richtete sie sich ebenfalls: "Wenn du einen Nahversorger willst, musst du auch hingehen." Hybridmärkte als Erfolgsgeschichte In den vergangenen fünf Jahren wurden 37 Hybridmärkte in Niederösterreich gefördert, das sind 60 Prozent aller unterstützten Nahversorgerprojekte. "Sie sind eine Erfolgsgeschichte", so Mikl-Leitner. Seit 1998 hat die NAFES-Förderung etwas mehr als 1.300 Projekte unterstützt, bei denen 24,7 Millionen Euro Fördermittel ausgeschüttet, die wiederum eine Investition von mehr als 130 Millionen Euro ausgelöst haben. Ecker sprach bei dem Medientermin ebenfalls über die große Bedeutung der Regionalität. Darum müsse in den Geschäften auch eingekauft werden, so werden Arbeitsplätze gesichert und Ortskerne belebt. "Das geht nur, wenn der Konsument mitspielt", betonte er. Die Hybridmärkte hätten den Vorteil, dass bessere Öffnungszeiten angeboten werden können. In Tourismusgebieten sogar am Sonntag. Wenn's den Kunden gefällt, ist die Nahversorgerin glücklich Dass Hiesel für ihren Nahversorger brennt, das spürte die Landeshauptfrau im persönlichen Gespräch. Die Nahversorgerin ist dankbar für die Unterstützung von Gemeinde, Land und Wirtschaftskammer. "Wenn die Kunden sagen, dass es ihnen bei uns gefällt, dann ist das das Schönste für mich", strahlt die Unternehmerin, die den Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut. Schuld an allem ist allerdings Bürgermeister Ewald Gorth . "Ich habe mir gedacht, das wär' doch was für Anita", erzählt er. Ihm sei es wichtig gewesen, die Grundversorgung in seiner Gemeinde zu sichern. Darum habe er Hiesel, wo es ging unterstützt.