Ich wäre manchmal auch gern müde oder faul, dann wieder aufgekratzt und fröhlich. So wie echte Menschen halt. Aber eigentlich kann ich doch recht froh darüber sein, dass ich nur eine Puppe bin. Irgendwie habe ich es nämlich viel leichter als ein Mensch. Meine Aufgabe ist es, spaßig zu sein und gute Laune zu verbreiten. Kinder kommen zu mir, um sich zu unterhalten, und selbst wenn ich einen Fehler mache, finden sie das witzig, und sogar wenn ein Witz einmal nicht klappt, finden sie es lustig. Ich darf auch ein wenig frech sein, und niemand ist mir böse. Es gehen nicht immer alle Geschichten gut aus Und das Wichtigste ist wohl, ich kann immer wieder neu anfangen, bei jedem Auftritt, bei jeder Vorstellung. Vor allem aber freuen sich die Kinder darüber, dass unsere Geschichten alle gut ausgehen. Im echten Leben ist es nicht immer so. Man kann sich noch so sehr bemühen, irgendetwas kann schiefgehen. Menschen stolpern auch manchmal und fallen hin, da lacht aber niemand. Oder sie vergessen, für etwas Wichtiges Danke zu sagen, das ist auch nicht lustig. Aber gibt es da nicht die sogenannte zweite Chance? „Das ist richtig, Seppy“, sagt Omama sanft zu mir. „Fehler sind natürlich erlaubt, und für vieles im echten Leben gibt es eine zweite Chance. Aber nicht grenzenlos für alles. Du kannst dich glücklich schätzen, dass du nur eine Puppe bist, denn du darfst immer wieder von Neuem beginnen. Menschen müssen achtsam sein. Es gibt Momente, die lassen sich nicht noch einmal erleben. Manche Dinge im Leben kommen nur einmal.“ Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters