Kostenexplosion: Teure Fernwärme, ein Dauerbrenner

Ein KURIER-Bericht über die frierenden Mieter eines Gemeindebaus in der Donaustadt, die sich die Kosten für die Fernwärme nicht leisten können , hat für hitzige Debatten gesorgt. Dabei waren nicht alle Kommentare sachlich: Während einige Wien Energie bezichtigten, ihre Kunden über den Tisch zu ziehen, bezweifelten andere die Heizkosten der Mieter. Walter Hager , erfahrener Tarifexperte beim Verein für Konsumentenformation (VKI) , war aufgrund von Anfragen schon oft mit intransparenten Kosten für die Fernwärme beschäftigt. Im Interview mit dem KURIER liefert Hager zahlreiche Fakten, die helfen sollten, Licht ins Dunkel einer komplizierten Kostendiskussion zu bringen. Uwe Mauch Kennt die Sorgen der Mieter: VKI-Tarifberater Walter Hager. KURIER: Herr Hager, kann es sein, dass Mieter eines Gemeindebaus in Wien für 56 m² Wohnfläche dreimal so viel für die Fernwärme bezahlen wie Bewohner anderer Walter Hager: Sollte das tatsächlich der Fall sein, dann kann das aber nicht an den Preisen selbst liegen. Das sagen sie auch nicht. Sie stellen viel mehr das System der Ablesung in Frage. Das kann ich aus der Ferne schwer beurteilen, das müsste ich mir im Detail ansehen. Was natürlich auch sein kann: Dass die Häuser unterschiedlich gut isoliert sind. Es macht auch einen Unterschied, ob ich am Rand oder in der Mitte eines Blocks wohne, welches Heizsystem verwendet wird und wie viel geheizt wird. Der Punkt ist: Wenn ein Haus schlecht gedämmt ist, ist es letztlich egal, ob man mit Gas oder Fernwärme heizt. Die Kosten werden noch höher sein. Faktum ist, dass Menschen in Wien schon vor Beginn der Kältewelle in eiskalten Wohnungen saßen, weil sie sich die Heizkosten nicht mehr leisten können. Die Heizkosten sind in der Tat nach Beginn des Ukraine-Krieges exorbitant in die Höhe geschnellt. Das betraf die Fernwärme ebenso wie das Gas. Viele Fernwärme-Kunden waren übrigens überrascht, als sie realisiert haben, dass in der Fernwärme auch viel Gas drinnen steckt. Bei Gas und Strom kann man den Anbieter wechseln, bei der Fernwärme nicht. Ja, das ist grundsätzlich ein Problem. Aber das ist kein Wiener Problem. Überall in Österreich wird die Fernwärme von einem „Monopolisten“ zur Verfügung gestellt. Mehrere Leser und Leserinnen kritisieren, dass sie von Wien Energie sehr spät oder gar keine Antwort bekommen haben. Kann das sein? Zunächst möchte ich sagen: Eine zeitgerechte Antwort auf Fragen von verzweifelten Kunden ist das mindeste, was man erwarten darf. Das Problem ist hier, dass die Anbieter Kosten sparen möchten und daher das Ablesen der Heizungen an externe Firmen vergeben. Für Außenstehende ist oft nicht klar ersichtlich, wer zuständig ist. Auch uns Mitarbeitern vom VKI ist es schon passiert, dass wir trotz Urgenz keine Antwort bekommen haben. Man kann sich dann leicht ausmalen, wie es privaten Personen gehen muss. Andere Leser berichten, dass sie zwar eine Antwort bekommen haben, aber diese trotz längeren Studiums einfach nicht verstehen. Das kann ich gut nachvollziehen. Aus meiner Sicht sind die Abrechnungen für Laien schwer verständlich. Auf der Website von Wien Energie gibt es eine Erklärung, wie eine Abrechnung zu lesen ist, doch sie besteht aus vielen komplexen Einzelinfos. Uwe Mauch Messgerät im Wohnzimmer eines frierenden Mieters in der Donaustadt. Verstehen Sie das Hinhacken einzelner auf Wien Energie? Die Abrechnungen sind für Laien zwar schwer zu verstehen. Doch unsere Recherchen haben ergeben, dass sie fast immer berechtigt sind. Ein kollektives Bashing ist daher nicht angebracht. Wie oft sind Sie in der Beratung mit zu hohen Heizkosten konfrontiert? Wir haben dazu leider keine exakten Zahlen. Aber das ist schon regelmäßig ein Thema für uns. Wenn sich jemand nicht sicher ist, kann er sich gerne an den VKI wenden. Wir können uns dann gemeinsam die Unterlagen im Detail ansehen.