Jeder Autofahrer kennt es: Der ungute Mix aus früher Dunkelheit , nassen Straßen und Scheiben - und entgegenkommenden Fahrzeugen, die gefühlt immer mehr blenden. Nur ein subjektives Missempfinden? Oder sind doch die modernen Scheinwerfer schuld? Werden Autofahrer von einem anderen Fahrzeug geblendet, kommt es im Straßenverkehr immer wieder zu gefährlichen Situationen. Speziell im Herbst und Winter, wenn viele Wege bei Dunkelheit stattfinden, wird Blendung oft zum Unfallrisiko. "Beim Mobilitätsclub gibt es dazu immer wieder Anfragen. Es scheint demnach, dass Häufigkeit und Intensität der Blendung mit dem Aufkommen von Xenon-Scheinwerfern in den 1990ern, spätestens aber mit der aktuellen LED-Technologie, zugenommen haben", berichtet ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Der Mobilitätsclub hat daher untersucht, wovon das Blendungsempfinden abhängt. Bauart der Scheinwerfer Den größten Einfluss hat die Bauart der Scheinwerfer . Auch wenn die Beleuchtungsstärke, die in Lux gemessen wird, gleich ist, blendet eine kleine Lichtquelle deutlich stärker als eine größere. Die Folge: Scheinwerfer, bei denen LEDs direkt nach vorne abstrahlen, sind für das Auge unangenehmer als Systeme, bei denen das Licht indirekt über einen Reflektor abgegeben wird. Interessanterweise ist in diesem Fall der Blendeffekt geringer, ohne dass das Licht auf der Straße zwangsweise schlechter sein muss. Nicht zu vernachlässigen sind in Sachen Blendung aber auch andere Punkte, vor allem der Zustand der Frontscheibe. "Schmutz und Kratzer führen zur Lichtstreuung – je sauberer die Scheibe ist, desto weniger wird man geblendet", hält der ÖAMTC-Experte fest. Umgekehrt ist ein zerkratzter, verschmutzter oder beschädigter Scheinwerfer auch eine Blendquelle für den Gegenverkehr. Oft hilft schon die korrekte Lichteinstellung, die regelmäßig und auch anlassbezogen, z.B. vor längeren Fahrten, kontrolliert werden sollte. Weil man dafür geeignete Rahmenbedingungen braucht, sollte man sich damit unbedingt an Technikexperten wenden. Auch der ADAC hat Autofahrende befragt, wie sehr sie sich im Verkehr geblendet fühlen . Die Umfrage der europäischen Autoclubs zeigt: Wer sich von blendenden Lichtquellen gestört fühlt, ist nicht allein. In Deutschland fühlen sich über 90 Prozent der Autofahrenden geblendet. Einige zwar nur selten (15,2 Prozent) oder fast nie (5,5), aber immerhin fast 50 Prozent manchmal, regelmäßig (21,7 Prozent) oder gar fast immer (5 Prozent). Das bedeutet: Für rund drei Viertel der Befragten ist Blendung im Straßenverkehr demnach ein wichtiges Thema . Bemerkenswert: 32 Prozent der Befragten bis 35 Jahre fühlen sich fast immer oder regelmäßig geblendet, bei den über 50-Jährigen sind es nur knapp 23 Prozent. Die Umfrage hat also nicht bestätigt, dass Blendung hauptsächlich ein Problem der älteren Autofahrerinnen und -fahrer ist – und das auch in den anderen europäischen Ländern. Verursacher: Fernlicht Nummer eins Als besonders negativ wird das Fernlicht empfunden: 82,1 Prozent der Befragten sehen darin das größte Problem. Auch das Abblendlicht wird von vielen (41 Prozent) als eine stark blendende Lichtquelle empfunden. Jeder Vierte (26,7 Prozent) fühlt sich von der Nebelschlussleuchte geblendet. Das Tagfahrlicht hingegen fällt mit 6,9 Prozent weniger ins Gewicht. Auffällig: Zunehmend wird auch die Beleuchtung von Radfahrern als störend empfunden. Hier gaben 8,8 Prozent an, dass sie sich dadurch geblendet fühlen. Die Folgen: Jeder Zweite kneift die Augen zusammen oder schaut weg. Manch einer ist sogar zeitweise im Blindflug unterwegs: 2,4 Prozent der Befragten schließen ihre Augen . Einige wenige (3,1 Prozent) schauen direkt in die Lichtquelle und folgen damit einem Schutzreflex für das Auge.