Aufrüstung: NÖ will ein Stück vom Kuchen

Angesichts globaler Krisenherde fährt die EU ihre Sicherheits- und Verteidigungsstrukturen hoch. Das erfordert Großinvestitionen. Wie auch niederösterreichische Unternehmen von den veranschlagten 800 Milliarden Euro profitieren können, wurde im St. Pöltner Landhaus im Rahmen eines prominent besetzten Wirtschaftsgipfels diskutiert. Industrie- und Bankenvertreter, unter denen sich auch der frühere ÖVP-Kanzler und jetzige Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Karl Nehammer , befand, berieten über bessere Zugänge für heimische Betriebe zum riesigen Auftragsvolumen. Die Finanzierung möglicher Exporte und momentane Blockaden dafür waren ein Hauptthema des Gipfels, der als Fortsetzung eines im Herbst 2025 abgehaltenen Wirtschaftsforums gedacht war. Weil sich in der internationalen Ordnung zunehmend das Recht des Stärkeren durchsetze, müsse Europa sicherheitspolitisch auf eigenen Beinen stehen können, ist auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) überzeugt. Es gelte, Interessen, Werte und Wohlstand zu schützen. Die EU reagiere mit dem 800 Milliarden-Paket für Sicherheit und Verteidigung. Österreich ziehe dabei mit 20 Milliarden Euro mit und NÖ versuche, davon zu profitieren, so die Landeshauptfrau: „Wir wollen Wohlstand, Arbeitsplätze und Sicherheit für unser Land sichern.“ Sicherheitsbranche Für heimische Unternehmen in der Branche nannte Mikl-Leitner einerseits den Zugang zu Aufträgen und zu deren Finanzierung als größte Herausforderung. Dazu stellte sie drei Forderungen in den Raum: Schnellere Genehmigungsverfahren im Exportbereich. Weiters brauche es praktikablere gesetzliche Regelungen für Dual-use-Produkte, die sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden. Zudem soll es eine Österreich-Komponente in der nationalen Beschaffungsstrategie geben. Wertschöpfung müsse im Land gehalten werden, so Mikl-Leitner. Finanzmodelle Im Bereich der Finanzierung brauche es praxistauglichere Modelle, weil die Produktentwicklung lang und kostenintensiv sei, forderte die Landeshauptfrau weiters. Die Interessensvertreter von Banken, Wirtschaft, Industrie und Förderstellen pflichteten ihr in den Forderungen nach weniger Bürokratie und gesetzlichen Auflagen bei. Es brauche klarere und Regeln, um der Sicherheitsbranche den Zugang zu EU-Aufträgen zu erleichtern, so der Tenor. „Eine starke Wirtschaft ist Teil unserer Landesverteidigung. Umgekehrt ist Sicherheit ein entscheidender Faktor für wirtschaftliche Stabilität“, sagte Wolfgang Ecker , Präsident der NÖ Wirtschaftskammer. Er und Andreas Welser , Vizepräsident der NÖ Industriellenvereinigung, drängten auf funktionierende Finanzierungsmodelle. Sicherheit brauche Technologie und Innovation. Welser: „Momentan scheitern viele Betriebe nicht an ihrem Produkt, sondern daran, dass sie zu lange auf Zusagen warten oder durch komplizierte Auflagen ausgebremst werden“. Investitionen Nehammer gab Einblicke in die Finanzierung strategischer Sicherheitsziele der EU. 2026 sei für die EIB ein Gesamtfinanzierungsvolumen von 100 Milliarden Euro geplant, 4,5 Milliarden Euro davon für den Bereich Sicherheit und Verteidigung. 2025 waren es 3,5 Milliarden Euro. Neue Partnerschaften hätten im vergangenen Jahr in Österreich 180 Millionen Euro an Investitionen im Sicherheits- und Verteidigungsbereich mobilisiert. Einschränkungen Vertreter der Österreichischen Kontrollbank und der Bankenwirtschaft zeigten in ihren Statements grundsätzliche Finanzierungsbereitschaft . Gleichzeitig wiesen sie aber auf die Einschränkungen und Risiken in Zusammenhang mit der Neutralität, dem strengen Kriegsmaterialgesetz und Geldwäscherrichtlinien hin. Waffengeschäfte gelten als Hochrisikogeschäfte. Es brauche dringend regulatorische Erleichterungen und Rechtssicherheit, forderten die Banker.