Wien und das Kaffeehaus – eine jahrhundertealte Liebesgeschichte. Ihre Anfänge liegen in Istanbul. Dort wurde um 1640 der Armenier Johannes Deodat (urspr. Owanes Astouatzatur ), auch Diodato genannt, geboren. 1666 ließ er sich in der Kaiserstadt nieder und besaß nur wenige Jahre später ein Warengewölbe in der Rotenturmstraße. Hier handelte er mit Waren aus dem Osmanischen Reich, er schmuggelte sogar Münzsilber für die kaiserliche Münze nach Wien. Diodato wusste die Chancen, die die Wirren des Türkenkriegs mit sich brachten, für sich zu nutzen und schreckte dabei auch vor mehr als fragwürdigen Geschäften nicht zurück. So handelte er auch mit Kriegsgefangenen , die er entweder weiterverkaufte oder gegen Zahlung eines Lösegeldes in die Freiheit entließ. Das erste Cave Gewölb Am 17. Jänner 1685 schlug schließlich die Geburtsstunde der Wiener Kaffeehauskultur. An diesem Tag wurde Diodato, der Legende nach als Dank für seine Kurierdienste während des Krieges, das Ansuchen bewilligt, das „türkische Getränk, als Caffe, The und Scherbet, zu praeparieren“ und zu verkaufen. Und so eröffnete er, wahrscheinlich in seinem Haus in der heutigen Rotenturmstraße 14, sein „Cave Gewölb“, das erste Kaffeehaus der Stadt. Die von Kaiser Leopold I. gewährte Hoffreiheit – eine Art Gewerbegenehmigung – garantierte ihm für zwanzig Jahre das Monopol als einziger Kaffeesieder und -verkäufer der Stadt. Dieses setzte er allerdings aufs Spiel – denn als ihm im Jahr 1690 das Wiener Bürgerrecht verliehen wurde, hätte er die Hoffreiheit eigentlich aufgeben müssen. Er hätte stattdessen eine städtische Konzession beantragen können, tat dies aber wohl aus „steuerschonenden“ Gründen nicht. Die Konsequenz folgte im Jahr 1701: Drei andere erhielten eine bürgerliche Gewerbekonzession für die Kaffeeausschank. Diodatos Monopol war damit beendet. Er und die bürgerlichen Kaffeesieder der Stadt, die in den folgenden Jahren immer mehr werden sollten, wurden keine Freunde mehr. Zwar konnte er 1710 die Bestätigung der Hoffreiheit beim Kaiser durchsetzen, die Möglichkeit, in die Genossenschaft der bürgerlichen Kaffeesieder aufgenommen zu werden, hatte er jedoch verwirkt. 1725 starb er in seinem Haus in der Leopoldstadt. In der Rotenturmstraße 14 wird mit dem „Daniel Moser“ übrigens bis heute Kaffee ausgeschenkt – am Geburtsort der Wiener Kaffeehauskultur.