Internationale Tageszeitungen kommentieren die Massenproteste im Iran gegen die autoritäre Staatsführung und den erhöhten Druck von US-Präsident Donald Trump auf das Regime am Montag wie folgt: "Independent" (London): "Der Präsident mag ja glauben, dass er die theokratische Führung Irans mit der Androhung nicht näher bezeichneter Vergeltungsmaßnahmen durch US-Streitkräfte davon abhalten kann, noch mehr Gewalt anzuwenden. Doch es ist in erster Linie Washington, das jetzt Zurückhaltung üben sollte. Eine US-Intervention wäre völlig unnötig und kontraproduktiv. Sie würde den Ajatollahs den ersehnten 'Beweis' für die Behauptung liefern, dass man es mit einer Konterrevolution durch Agenten des 'Großen Satans' zu tun hat, womit der Widerstand im Iran gespalten werden soll. Sie würde auch alten Legenden über eine ruchlose angloamerikanische Einmischung in innere Angelegenheiten des Irans und die Plünderung seiner Ölressourcen Vorschub leisten - die, um fair zu sein, teilweise berechtigt sind. Eine Bombardierung des Regimes könnte unter Umständen dazu führen, dass die Regierungsmaschinerie und die Ölindustrie so weitgehend zerstört werden, dass der Iran sich zwar selbst befreien, aber gleichzeitig auseinanderfallen würde - wie es in Libyen, Afghanistan, Irak und Syrien geschehen ist. Pläne für den 'Tag danach' - also nachdem Ayatollah Khamenei möglicherweise nach Moskau geflohen ist, um sein Leben zu retten - scheint es in Washington nicht zu geben. (...) Die Iraner verdienen es, dass der Westen sein Bestreben nach einem Regimewechsel teilt und bereit ist, bei der Stabilisierung und dem Wiederaufbau des Landes zu helfen. Vorerst liegt die Aufgabe, diese Gegenrevolution zu vollenden, jedoch beim iranischen Volk selbst." "De Telegraaf" (Amsterdam): "Iranische Regierungsvertreter warnen über die staatlichen Medien, dass jeder, der jetzt noch auf die Straße geht, ein legitimes Angriffsziel sei. Immer häufiger werden die Demonstranten als 'Terroristen' bezeichnet, was als Vorbote für noch härtere Maßnahmen zu verstehen ist. Der Generalstaatsanwalt droht zudem, die Teilnehmer an Demonstrationen, von denen inzwischen fast 3.000 festgenommen worden sein sollen, als 'Feinde Gottes' zu verfolgen, wodurch ihnen die Todesstrafe droht. Doch selbst das scheint viele Demonstranten, die genug haben von der wirtschaftlichen Notlage und der Unterdrückung durch Islamisten, nicht mehr abzuschrecken. Das liefert ikonische Bilder. Während der Proteste von 2022 drehten Frauen noch Videos von ihren unbedeckten Haaren. Jetzt geht man noch einen Schritt weiter: Iraner zünden sich Zigaretten mit brennenden Fotos von Ayatollah Ali Khamenei an. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Regime kurz vor dem Zusammenbruch steht. Obwohl seine ideologische Basis seit langem erodiert, hat es immer noch die Unterstützung einer beträchtlichen konservativen Minderheit. Außerdem wird es von der Revolutionsgarde aufrechterhalten. (...) Das Militär steht weiter hinter dem Regime. Es gibt keine Berichte über Massenfluchten von Soldaten. Ein Problem für die Demonstranten ist auch, dass es keine gut organisierte Opposition gibt." "Corriere della Sera" (Rom): "Die erklärte Unterstützung Trumps, mitsamt den üblichen Drohungen militärischen Handelns, und sogar die chirurgische Operation von Caracas, die diesen Drohungen neue Glaubwürdigkeit verleiht, dürften eine wichtige Rolle dabei gespielt haben, den Demonstranten Mut zu machen. Doch wenn das Regime gescheitert ist, so ist es der repressive Staatsapparat des Irans noch lange nicht, genährt vom echten religiösen Fanatismus seiner Milizen. Und deshalb ist keineswegs gesagt, dass es nicht wieder so endet wie so viele andere Male: mit Morden, Hinrichtungen, Razzien, Repression. 'Feind Gottes' - das ist die Anklage, die einem Menschen im Iran das Leben kosten kann. (...) Die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat gemeinsam mit anderen iranischen Dissidenten Trump um eine 'internationale Unterstützung zur Verhinderung einer Katastrophe' gebeten: 'Ihr habt bei drei Gelegenheiten versprochen, dem iranischen Volk zu Hilfe zu kommen, jetzt ist der Moment zu handeln. Wir alle hoffen, dass diese Hilfe keine neuen Kriege mit sich bringt, in einer Welt, die ohnehin schon so sehr von Gewalt erschüttert ist.'" "El País" (Madrid): "Die extremen Islamisten, die das Land de facto kontrollieren, (...) haben mit der gewohnten Brutalität reagiert und die Demonstranten beschuldigt, im Dienst ausländischer Agenten zu stehen (...). Das spiegelt die Schwäche des Regimes wider, dessen große außenpolitische Wetten der vergangenen Jahrzehnte (Hamas, Hisbollah, Syrien und nun Venezuela) gescheitert oder gestürzt worden sind. Vor dem Hintergrund des US-Angriffs auf seine Atomanlagen im vergangenen Juni fürchten die Ayatollahs einen weiteren Schlag durch Washington oder Israel, um einen Regimewechsel zu erzwingen - eine Möglichkeit, die (US-Präsident) Donald Trump selbst Anfang des Monats ins Spiel brachte. Seitdem ist der Iran erneut in den - tragischerweise vertrauten - Kreislauf aus Protesten und Repression geraten. (...) Angesichts einer gespaltenen Opposition, die außer der Unzufriedenheit wenige gemeinsame Nenner hat, ist es schwer abzusehen, dass sich diese Proteste - wie schon die früheren - zu einer Bewegung formieren könnten, die das Regime zu Fall bringt. Doch die öffentliche Empörung zeigt, dass der Iran einen tiefgreifenden Wandel braucht, der beim Respekt vor den Menschenrechten beginnt. Die Iraner haben das Recht, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden - ohne Vormünder und ohne Bevormundung. Weder von innen noch von außen."