Die Golden Globes: Eine Schlacht nach der anderen

Nach den Globes ist vor den Oscars. Exakt einen Tag nach der Verleihung der Golden Globes beginnt das Voting für die diesjährige Oscar-Preisverleihung. Nun weiß man zwar, dass die Mitglieder der Oscar-Academy nichts mit den Wahlberechtigten der Hollywood Foreign Press zu tun haben. Trotzdem bedeutet die Vergabe der Golden Globes einen deutlichen Marketing-Anschub für die jeweiligen Gewinner. Der Abräumer des Abends war Paul Thomas Andersons hochgelobte Polit-Tragikomödie „One Battle After Another“: Sie gewann in den vier Hauptkategorien beste Komödie, Regie, bestes Drehbuch und beste Nebendarstellerin mit Teyana Taylor. Einzig der in der Kategorie bester Schauspieler – Comedy oder Musical nominierte Star Leonardo DiCaprio musste sich seinem Kollegen Timothée Chalamet geschlagen geben. REUTERS/Mario Anzuoni Timothée Chalamet gewinnt als „Marty Supreme“. Als exzentrischer Ping-Pong-Spieler in „Marty Supreme“ lässt Chalamet mit seinem Spiel DiCaprio wenig Hoffnung auf seinen zweiten Oscar bei der Preisverleihung am 15. März. Richtig bitter ist der Rundum-Sieg von „One Battle After Another“ aber für Regisseur Ryan Coogler: Sein Horrorthriller „Blood & Sinners“, der als kultureller Meilenstein Schwarzer Filmgeschichte gefeiert wurde, musste sich mit zwei Trostpreisen in den Kategorien Filmmusik und Cinematic und Box Office Achievement zufriedengeben. REUTERS/Mario Anzuoni Gewinnerin Rose Byrne brilliert in „If I Had Legs I’d Kick You“. Weiters zeigt die Beliebtheit von Teyana Taylor als beste Nebendarstellerin, dass der Preisregen für „Wicked 2“ bei den Oscars schwach ausfallen könnte. Weder Cynthia Erivo, noch Ariana Grande konnten sich durchsetzen: Als beste Schauspielerin – Comedy oder Musical triumphierte Rose Byrne als überforderte Mutter in „If I Had Legs I’d Kick You“. Als beste Hauptdarstellerin – Drama brillierte Jessie Buckley als Shakespeares Ehefrau in „Hamnet“, die um den Verlust ihres Sohnes trauert. „Hamnet“-Regisseurin Chloé Zhao wiederum bedankte sich für den Golden Globe für bestes Drama, von ihrem Co-Produzenten Steven Spielberg mit warmen Worten unterstützt. EPA/CHRIS TORRES Brasil-Star Wagner Moura gewinnt: „The Secret Agent“. Politisch zahm Vor einigen Jahren stand die Hollywood Foreign Press Association (HFPA) als Organisatorin der Golden Globes stark in der Kritik. Es folgte eine völlige Umstrukturierung und eine Diversifizierung der Abstimmungsgremien, was unter anderem zu einer Internationalisierung der Preisträger führte. So gewann der brasilianische Schauspielstar Wagner Moura für sein tolles Spiel in „The Secret Agent“ in der Kategorie bester Schauspieler – Drama und schlug starke Konkurrenten wie Jeremy Allen White („Springsteen: Deliver Me From Nowhere“) oder Dwayne Johnson („The Smashing Machine“) aus dem Feld. APA/Getty Images via AFP/GETTY IMAGES/NEILSON BARNARD Regisseurin Chloé Zhao,  Co-Produzent Steven Spielberg. Tatsächlich könnte „Hamnet“ im Oscarrennen „One Battle After Another“ gefährlich werden. Umso mehr, als Regisseur Paul Thomas Anderson bislang immer von der Academy übersehen wurde und sich diese Tradition auch heuer fortsetzen könnte. Was politischen Ansagen während der Preisverleihung betraf, so herrschte – abgesehen von ein paar Witzeleien seitens Host Nikki Glaser – größtenteils noble Zurückhaltung. So manche Prominente trugen Protestbuttons mit der Aufschrift „Ice Out“ und „Be Good“ als Protest gegen die militanten Aktivitäten der Einwanderungsbehörde ICE, darunter Mark Ruffalo und Grande. Allzu viele dürften es aber nicht gewesen sein. Auch der iranische Protestfilm „Ein einfacher Ufall“ von Regimekritiker Jafar Panahi – vier Mal nominiert – ging leer aus. Gut möglich aber, dass er, befeuert durch die Massenproteste im Iran, bei der Oscarverleihung zu einem Favoriten wird.