Der AUA-Flug nach Sofia am 12. Dezember des Vorjahres startete dramatisch. Die Crew entdeckte an Bord des A-320 einen Passagier ohne Reisepass und Boarding-Karte. "Polizei und Flughafen-Sicherheit wurden verständigt", heißt es in einem internen Protokoll der Fluglinie. Danach wurde der komplette Jet evakuiert. "Alle Passagiere verließen das Flugzeug und warteten in Bussen davor", so das AUA-Protokoll. Der "blinde Passagier" wurde durchsucht, der gesamte Airbus musste noch einmal nach komplett sicherheitsüberprüft werden. OS771 konnte erst mit knapp drei Stunden Verspätung abheben. Fünf "blinde Passagiere" bei AUA-Flügen Mindestens fünf Mal wurden im vergangenen Jahr Fluggäste ohne Reisedokumente von aufmerksamen Crew-Mitgliedern der Austrian Airlines in Wien entdeckt. Zwei davon starteten in Schwechat, einer in Stuttgart , einer in Tel Aviv und einer in Athen . Jener aus Deutschland war sturzbetrunken und fiel deshalb im Oktober 2025 auf. Sein Sitz auf 22D war gar nicht gebucht und der Mann erzählte, dass er eigentlich nach Griechenland wolle. Erst nach der Landung in Wien wurde bei ihm beim Security-Check ein Eurowings-Boardingpass nach Zagreb gefunden. Auch der Flug nach Paris am 3. Juli verlief nicht nach Plan. Ein "älterer Herr" war mit einer Gruppe unterwegs, doch wurde er als einziger auf einen anderen Flug gebucht - OS419 statt OS417. Wie kam er überhaupt an Bord? "Wenn nicht jemand anderer auf diesen Sitz gesessen wäre, wäre uns das nie aufgefallen", heißt es im AUA-Protokoll. Im vergangenen Februar war sogar ein Afghane ohne Pass und Ticket an Bord des Fluges HU790 der chinesischen Hainan Airline von Wien nach Shenzhen gelangt, wo er sich auf der Toilette versteckte. Der Mann wurde daraufhin von China nach Schwechat zurück geschickt. Auffällig ist jedenfalls, dass praktisch alle Personen an Bord von AUA-Maschinen aufgefallen sind und kein einziger bei Billig-Fluglinien. Möglicherweise sind dort die Crews auch weniger aufmerksam. Und während die Austrian alle Vorfälle ordnungsgemäß an die zuständigen Behörden gemeldet haben, soll der Flughafen laut Insidern keinen einzigen Report abgeschickt haben. Flughafen Wien AG/Andreas Hofer Sicherheitszentrale am Flughafen Wien-Schwechat Flughafen sieht kein Sicherheitsrisiko bei 25 Fällen Während die für die Sicherheit zuständige VIAS keinen Kommentar abgeben wollte, heißt es am Flughafen: " Im gesamten Jahr 2025 sind am Flughafen Wien über 16 Millionen Passagiere abgeflogen. Nach unserem Wissenstand gelang es 25 Personen, ohne gültige Reisedokumente zumindest die erste Bordkarten-Kontrolle zu passieren", erklärt Airport-Sprecher Peter Kleemann. "Lediglich zwei Personen davon haben es geschafft, sich auch an der Boarding-Kontrolle am Gate unbemerkt vorbei zu drängen und so bis zum Flugzeug zu gelangen. Alle Personen haben aber belegbar die Sicherheitskontrolle absolviert und wurden korrekt auf gefährliche oder verbotene Gegenstände kontrolliert. Ein Sicherheitsrisiko war demnach zu keiner Zeit gegeben." In der Regel handle es sich dabei um geistig verwirrte oder desorientierte Personen, die rasch gefunden und wieder aus dem Gebäude verbracht werden. Jene beiden Fälle, die es bis zum Flugzeug geschafft haben, wurden zusätzlich auch ans Innen- und Verkehrsministerium gemeldet, heißt es. "In praktisch allen Fällen erfolgte der Zugang via ' Tailgating' , also dem unbemerkten Vorbeidrängen, während andere Reisende gerade kontrolliert werden", erklärt Kleemann. "Für den Flughafen Wien sind derartige Situationen nicht akzeptabel und gemeinsam mit den Behörden und den Fluglinien wurden mehrere Maßnahmen gesetzt, um derartige Vorfälle zu unterbinden." So wurden die Anstellsysteme an den Kontrollstellen im Terminal baulich sowie mit Videodetektion und verstärkten akustischen Alarmen optimiert, um ein unbemerktes Vorbeidrängen zu erkennen und sofort zu unterbinden. Auch ist mehr Sicherheitspersonal an den Kontrollstellen, vor allem an den Bordkarten-Kontrollen, im Einsatz, um verdächtige Situationen bei Anstell- und Kontrollvorgängen noch besser erfassen und sofort reagieren zu können." Wichtig wäre aus Sicht des Flughafen Wien aber auch eine rechtliche Verschärfung, damit derartige Vergehen als strafrechtlicher Tatbestand gelten und noch strenger geahndet werden und so eine stärkere präventive Wirkung erzielt werden können, wird betont. In Deutschland wurde das von der Bundesregierung bereits beschlossen, in Österreich sei das noch nicht der Fall. In weiterer Folge müsste dafür das Luftfahrtsicherheitsgesetz novelliert werden. Kleemann betont, dass der Flughafen Wien hier aber kein Einzelfall ist, wie ähnliche Vorfälle an den Flughäfen Tel Aviv Ben Gurion, London-Heathrow und München zeigen würden.