Jüngst noch hat die Kulturbranche bei jeder ach so kleinen Gelegenheit die metaphorische Mistgabel hervorgeholt: Mit heiligem Zorn protestierte man gegen jeden verstohlenen Seitenblick der Politik in Richtung Sparmaßnahme. Die Kultur galt als unantastbar. Diese Zeiten sind vorbei. Die kultursparmäßigen Gewitterwolken, die im Bund, in Niederösterreich und Wien aufziehen, sind furchteinflößend. Und folgenreich. Stefan Herheim, Chef des Theaters an der Wien, beklagte im KURIER-Interview zu Recht die Ad-hoc-Kürzungen für 2026 und die fehlenden Vereinbarungen für 2027: So funktioniert die Kulturbranche, und insbesondere die Opernwelt mit ihren jahrelangen Vorlaufzeiten, nicht. Im Bund ist man für 2027 und danach überhaupt erst auf Fact-Finding-Mission in der Kulturbranche, es stehen bedrohlich die kulturpolitischen Sichtweisen und Konzepte (und Berater) der 1990er-Jahre am Horizont. Frei nach der Hoffnung, dass doch bitte beim Nachbarn der Blitz einschlagen soll und nicht bei einem selber, ist die Branche zwar in Aufruhr, aber schweigt großteils, um nicht ins Schussfeld zu geraten. Dabei könnte der Zeitpunkt des Spareifers nicht falscher sein. Erstens, und das ist noch die kleinere Seite, weil hier das Leben den Zuspätkommenden doppelt und dreifach bestraft. Wer budgetäre Situationen so lange kleinredet, bis sie riesengroß sind, muss rasch mittelüberlegte Maßnahmen setzen. Dabei, und das ist die zweite, gewichtigere Seite des späten Spareifers, müsste angesichts der demokratiepolitisch aufheulenden Alarmsirenen etwas mindestens so dringlich diskutiert werden wie die Frage, wo man in der Kultur etwas abzwicken kann: welchen immensen Wert sie nämlich im Gesellschaftsgefüge gerade jetzt hat. Auch wenn man diese Sätze bis vor Kurzem höchstens noch ironisch gesagt hat: Gegen die Schattenseiten der auf uns einstürmenden KI-Welt, gegen die Verrohung im Diskurs und die Dummheiten, die im Kulturkampf und zur Meinungsfreiheit ausgetauscht werden, ist die Auseinandersetzung mit den Menschenbildern, den Gefühlen und der Empathie in der Kultur neben der Bildung das einzige Bollwerk. Deswegen sind manche ganz offen froh, wenn dort gespart wird. Und deswegen müsste diese gerade im Kulturland Österreich – was haben wir sonst? – gerade jetzt eigentlich gestärkt werden. Klar, es sind Strukturen gewachsen, die man hinterfragen kann und muss. Das alles könnte und muss kenntnisreich und offen debattiert werden. Nur haben die Politiker den Wert der Kultur vergessen. Die war mal die bildungs-bürgerliche Ehre dieses Landes. Heute tauscht man hier nur mehr politische Centstücke aus. Und überlässt die Kultur dem so blöden wie giftigen Kulturkampf-Getöse zwischen links und rechts.