Die niedrigen Temperaturen stellen das Herz-Kreislauf-System vor Herausforderungen, insbesondere wenn bereits eine Herzerkrankung vorliegt. Die Blutgefäße ziehen sich beim Wechsel vom Warmen ins Kalte zusammen, das Herz muss gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten. „Das führt zu einer akuten Belastung des Herzens, der Sauerstoffverbrauch steigt. Erkrankungen des Herzens, bei denen der Sauerstoffverbrauch relevant ist, haben dadurch eine Tendenz, sich zu verschlechtern“, erklärt Lukas Fiedler , Kardiologe und Sekretär der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft. Dazu zählt etwa die koronare Herzerkrankung oder die Herzschwäche. Besonders bei der koronaren Herzerkrankung , bei der die Arterien durch Ablagerungen verengt sind und der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, kann es in der Kälte zu einem plötzlich auftretenden Enge- oder Druckgefühl in der Brust, zu Atemnot oder verminderter körperlicher Belastbarkeit kommen. Ursache dafür ist, dass der ohnehin geringer mit Sauerstoff versorgte Herzmuskel vorübergehend zu wenig Sauerstoff bekommt. Beschwerden bei Temperaturwechsel Diese Beschwerden, auch Angina Pectoris genannt, treten nicht nur bei Belastung und Stress auf, sondern können auch durch den Wechsel vom Warmen in eine kalte Umgebung ausgelöst werden. Sie intensivieren sich, wenn zusätzlich eine Anstrengung hinzukommt. „Wenn man in der Früh in die Kälte geht und zum Beispiel Schnee schaufelt, also einer körperlichen Aktivität im Freien nachgeht, und es brennt auf der Brust, ist das ein typisches Warnzeichen. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse, wie etwa einen Herzinfarkt , steigt“, betont Fiedler. Zum Herzinfarkt kommt es, wenn ein Gefäß vollständig verschlossen wird. Schneeschaufeln in der Früh sei deshalb ein gutes Beispiel, weil die Belastung dadurch vielfach unterschätzt werde. Es erfordert viel Kraft, die Last ist oft schwer abzuschätzen und viele Menschen wollen rasch damit fertig werden. Diese Kombination könne das Herz zusätzlich belasten. Fiedler empfiehlt daher, sich mehr Zeit zu nehmen, Pausen zu machen und Warnsignale ernst zu nehmen. Getty Images/Nes/istockphoto Die Belastung für das Herz durch Schneeschaufeln wird unterschätzt, sagt Kardiologe Lukas Fiedler. Blutdruck steigt an Akute Temperaturwechsel sind generell belastender als sanfte Übergänge. Der Körper muss sich abrupt anpassen, und das stellt sowohl das Gefäß- als auch das Herzkreislaufsystem auf die Probe. Fiedler: „Der Körper versucht immer mit der Umwelt im Ausgleich zu sein. Heftige Änderungen sind für das System immer belastender als eine sanfte Änderung.“ Bei niedrigen Temperaturen steigt der Blutdruck zunächst an, beruhigt sich aber meist nach kurzer Zeit, wenn man draußen unterwegs ist. Gerade Herzpatienten sollten darauf achten, dass der Körper der Kälte nicht zu stark ausgesetzt ist. Das heißt nicht, dass sie gar nicht hinausgehen sollen, aber dass zum Beispiel der Kopf, über den sehr viel Wärme abgegeben wird, mit einer Mütze geschützt wird. Auch der „Zwiebelschalenlook“, bei dem man mehrere Schichten übereinander trägt, ist sinnvoll. Je nach Temperatur oder Aktivität können einzelne Schichten an- oder ausgezogen werden. Das verhindert, dass man zu schnell friert oder schwitzt und unterstützt den Körper bei der Regulierung der Körpertemperatur. kurier/Martin Winkler Kardiologe Lukas Fiedler. Hohe Intensität vermeiden Auch mit Herzerkrankungen sollte man bei winterlichen Temperaturen aber nicht auf Aktivitäten verzichten. Fiedler: „Man kann im Freien spazieren gehen, ruhig auch zügiger. Man sollte aber darauf achten, dass die Intensität nicht zu groß ist. Während der körperlichen Aktivität sollte ein gemütliches Gespräch möglich sein, ohne schwer außer Atem zu geraten.“ Herzpatienten, die im Sommer ihre Medikamente angepasst haben, müssen diese in der kälteren Jahreszeit erneut mithilfe ihres behandelnden Arztes einstellen. „Im Sommer muss die Blutdrucktherapie oft ein wenig reduziert werden, da man über den Tag verteilt mehr Flüssigkeit verliert, wenn es heiß ist. Im Winter verliert man nicht so viel Flüssigkeit, und die Medikation kann wieder erhöht werden. Viele Patienten irritiert in der Übergangszeit, wenn die Blutdruckeinstellung plötzlich nicht mehr passt – das kann aber gut wieder rückangepasst werden“, so Fiedler. Doch nicht nur Herzpatienten, auch gesunde Menschen müssen ihre Belastung im Freien an die Kälte anpassen. Insbesondere bei deutlichen Minusgraden sollte man sich nicht zu stark belasten, um das Herz-Kreislauf-System nicht zu überfordern. „Ein gesunder Mensch kann mit der richtigen Ausstattung auch im Freien gut Sport machen, aber man sollte darauf achten, dass die hoch-intensiven Intervalle nicht zu stark sind. Das liegt vor allem daran, dass Belastung in großer Kälte das Immunsystem herabsetzen kann“, sagt Kardiologe Fiedler. Auch hier schützt entsprechende Kleidung, etwa ein Schal vor dem Mund, eine Haube auf dem Kopf sowie Thermounterwäsche und Handschuhe. Sauna für Herzpatienten? In der Sauna, in die viele im Winter gerne gehen, rät Fiedler Herzpatienten zu besonderer Vorsicht: „Man muss sich selbst, auch mithilfe des behandelnden Arztes, sehr gut kennen, wie viel man sich zumuten darf. Bei ausgeprägter Herzschwäche erhalten die Patienten oft stark entwässernde Therapien, hier kann der Saunabesuch problematisch sein.“ Der Herzexperte rät eher zu sanften Saunen sowie zur Rücksprache mit dem Arzt. Auf das Eisbad oder eiskalte Duschen sollten Herzschwächepatienten jedenfalls verzichten. „Das ist eine zu starke körperliche Belastung. Besser ist ein sanftes und langsames Abkühlen der Extremitäten. “