Burgenlands Industrie will nach Sinkflug wieder steigen

Gut war die Lage für Burgenlands Industriebetriebe nicht, als Christian Strasser die Präsidentschaft der Industriellenvereinigung (IV) Burgenland vor einem Jahr übernommen hat. Seither ist sie nicht besser geworden. Im Gegenteil. „Nahezu alle abgefragten Werte haben sich signifikant verschlechtert“, konstatierte die IV in ihrer Konjunkturumfrage für das dritte Quartal 2025 einen „Sinkflug“. Die Daten fürs vierte Quartal des abgelaufenen Jahres sind zwar noch nicht veröffentlicht, dem Vernehmen nach geben sie aber keinen Anlass zum Aufatmen. Man befinde sich in einer Phase der „Stagnation“ heißt es aus Industriekreisen. Unter diesen Vorzeichen fand am Montagabend in der Eisenstädter Joseph-Haydn-Privathochschule der traditionelle Neujahrsempfang der IV Burgenland statt. Hoffnung auf Mercosur Unter den rund 120 Gästen fehlte der oberste Wirtschaftskapitän des Landes, obwohl die Industrie mit rund 28 Prozent den weitaus größten Teil zur heimischen Wertschöpfung beisteuert. Wie schon im Vorjahr – wenige Tage vor der Landtagswahl – ließ sich Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ), Aufsichtsratschef der Landesholding und Finanzreferent des Landes, abermals von seinem Parteifreund und Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann vertreten. Eingeladen waren auch die grüne LH-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner und die Parteichefs von FPÖ, ÖVP und den nicht im Landtag vertretenen Neos, die Nationalräte Alexander Petschnig und Christoph Zarits sowie Christoph Lach , der selbst Unternehmer ist. Der neue pinke Landessprecher leitet in Wien als geschäftsführender Gesellschafter ein mittelständisches Unternehmen für Theater- und Projektausstattung. Im neuen Jahr, so IV-Präsident Strasser, der seit 2006 Geschäftsführer von PET to PET Recycling Österreich GmbH in Müllendorf ist, warten alte Herausforderungen: Österreich habe „eine der höchsten Abgabenquoten im OECD-Raum“, die Kosten für Energie, Personal und Bürokratie seien hoch und die Konjunktur komme nicht richtig in Schwung. Impulse erwartet sich Strasser vom Freihandelsabkommen mit Südamerika: „Mercosur ist eine wichtige Chance für den Standort.“ Von Politik und Verwaltung hierzulande wünscht er sich „bei Forschung und Entwicklung mehr Tempo, insbesondere im Bereich KI“. Motivator Hengstschläger Mit 0,78 Prozent des Bruttoregionalprodukts habe das Burgenland zudem seit ewigen Zeiten die niedrigste Forschungsquote aller Bundesländer. 2026 müsse man „auf den Wachstumspfad zurückkehren“. Konsum und Beschäftigungswachstum dürften „nicht größtenteils vom öffentlichen Sektor“ kommen. Der Staat sollte sich mehr auf seine Kernkompetenzen besinnen, fordert der IV-Präsident. Schon früher hat er die Wettbewerbsverzerrung durch den Mindestlohn des Landes beklagt und sich bei der Senkung der Energiekosten für die Industrie mehr Kooperation gewünscht. Immerhin: Einen Termin für ein ausführliches Gespräch mit dem Landeshauptmann gab es mittlerweile – im September, rund neun Monate nach Strassers Amtsantritt. Angesichts der vielen Probleme braucht es auch Hoffnungsvolles: Beim Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung am Montag war Genetiker, Wissenschaftsvermittler und Autor Markus Hengstschläger dafür verantwortlich. In seinem Vortrag über „Lösungsbegabung als Innovationstreiber“ ging er der Frage nach: Welche Auswirkungen hätte es auf die zukünftige Arbeitswelt, wenn mehr Menschen das machten, was sie wirklich gut können? Politiker sind da vermutlich mit eingeschlossen.