"Gespannte Erwartung wird selten befriedigt.“ Das Johann Wolfgang von Goethe zugeschriebene Zitat wird sich an diesem Mittwoch mehrfach bewahrheiten. Am Seitenarm der Donau in Rossatz wie am Ballhausplatz in Wien. Hier die Fraktionsführer des Untersuchungsausschusses 27 Monate nach dem Tod des suspendierten Justizsektionschefs Christian Pilnacek am Leichenfundort – da die Regierungsspitzen bei ihrer zweiten Klausur im zehnten Monat des Bestehens der Dreierkoalition . Die Erwartungen sind da wie dort hoch, das Niveau der Herangehensweise, den Anforderungen auch nur annähernd zu entsprechen, ist bei allen bemerkenswert niedrig. Beginnend beim Timing. APA/HELMUT FOHRINGER / HELMUT FOHRINGER Wochenlang hält es die heimische Politik für ausreichend, mit Instagram statt Inhalten aufzufallen, während die Welt wankt. Dann bringen es Heerscharen an Kommunikationsstrategen nicht zuwege, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um den öffentlichen Fokus zu 100 Prozent auf die Regierungsarbeit zu legen. APA/HELMUT FOHRINGER / HELMUT FOHRINGER Die FPÖ wird das Zeitfenster in Niederösterreich heute weidlich für sich zu nutzen wissen. Derweil hält die Regierung in Wien an der Losung „leben und leben lassen“ fest, die mehr Probleme schafft, als sie löst. Die Devise gleicht mittlerweile einem Patt und ist angesichts des konjunkturellen Tränentals und der weltpolitischen Hochschaubahn viel zu wenig. Statt das ganze Jahr 2026 dem wirtschaftlichen Wohlergehen des Landes zu widmen, klare, realistische Ziele zu definieren und den Weg dorthin für alle in der Bevölkerung nachvollziehbar zu skizzieren, präsentieren ÖVP , SPÖ und Neos zum Jahresauftakt keinen Wurf, sondern Stückwerk. REUTERS / Lisa Leutner Kleine Happen, die die Wählerschaft ob der historisch schlechten Umfragewerte vor allem für ÖVP und SPÖ besänftigen sollen. Im Irrglauben, eine richtig aufgesetzte und kommunizierte Industriestrategie sei zu wenig, verzetteln sich die Koalitionäre in Klientelpolitik. Statt so lange zu erklären, warum günstiger Strom für die Industrie wichtig ist, bis jede/r es verstanden hat, ehe er/sie bitter erfahren muss, wie es ist, den Job in der Branche unwiederbringlich zu verlieren, ist plötzlich wieder vom Scharia-Verbot die Rede. Und davon, dass selbiges durchzusetzen vor allem ÖVP-Wähler ansprechen würde. Die SPÖ wiederum verspricht sich mehr Zuspruch, weil sie der Gastronomie anempfehlen will, ein analog zum Jugendgetränk günstiges Essen anzubieten. "Die Maßnahmen werden nicht sofort die Welt ändern“, so Kanzler Christian Stocker am ersten Tag der Klausur. Der Anspruch in und für Österreich muss aber genau das sein! Sonst schafft die Koalition nicht einmal mehr, den Worten des großen Helmut Schmidt gerecht zu werden: "Es gibt Zeiten, da ist die Bewahrung des Erreichten das Maximum des Erreichbaren.“