Eis knarzt. Es kracht leise. Und bricht. Unten im Alberner Hafen . Für das „ Motorschiff Eisvogel “ ist die rund zehn Zentimeter dicke Eisschicht am Dienstagvormittag keine große Herausforderung. „Sie schafft gerne bis zu sechzig Zentimeter“, verrät Kapitän Michael Schopf mit einem Strahlen in den Augen. „Ihr Dieselmotor hat ja auch zwei Mal 260 PS.“ Sie? Ihr? Ja, der Kapitän und seine Crew nennen ihren 71 Jahre alten Eisvogel mit Respekt „ Lady “. Ganze zwei Stunden hatte die Eisdame in der Früh gebraucht, bis ihr betagter Motor startklar war. Uwe Mauch Crashen gemeinsam das Alberner Eis: Schiffskapitän Michael Schopf und Cornelia Wisauer im Einsatz. Gecrashtes Eis Wird die betagte Maschine heute anspringen? So lautete die Frage an diesem Morgen. Und sie sprang an. Und jetzt laufen Kapitän Schopf und Hafenmeisterin Cornelia Wisauer mit dem wahrscheinlich zartesten Eisbrecher seit es Eisbrecher gibt zur Höchstleistung auf. „Für uns ist das Eis heute schon etwas ganz Besonderes“, erklären beide, während ihre „Lady“ eine schiffsbreite eisfreie Rinne in die Alberner Eisdecke pflügt. Die ist erforderlich, damit bereits in wenigen Stunden zwei Schiffe hier einfahren können, um Fracht zu entladen. Der Hafen Wien ist als größter öffentlicher Hafen in Österreich ganzjährig in Betrieb. Ein Drittel der rund 1.000 pro Jahr abgefertigten Frachtschiffe läuft den Hafen auch in den Wintermonaten an. Uwe Mauch Wiens Eisbrecher: Das „Motorschiff Eisvogel“ im Winterhafen Freudenau beim Aufwärmen. Und die „Lady“ ist ein wichtiger Garant für den sicheren Schiffsverkehr bei Eis und Schnee. „Zuletzt sind wir 2017 ausgefahren, um in Albern und im Hafen Lobau Eis zu brechen“, erinnert sich der erfahrene Schiffskapitän. Auch für Michael Schopf, der „auf der Donau aufgewachsen ist und daher Donauwasser in den Adern rinnen hat“, ist Eis auf der Donau „alles andere als alltäglich“. Für die jüngere Kollegin an seiner Seite, die auf das Kapitänspatent noch zustrebt, ist das Steuern durch das Eis von Albern eine Premiere: „Daher bin ich auch ein bisschen aufgeregt.“ Uwe Mauch Der alte "Eisvogel" wird von seiner Besatzung liebevoll "Lady" genannt. Laut Schifffahrtsgesetz ist der Betreiber der drei Häfen in Wien (Albern, Freudenau, Lobau) verpflichtet, auch im Winter die Zufahrt für Schiffe zu ermöglichen. Eisbrechen ist, lernt man von Steuermann Gerhard Reisinger en passant, eine Wissenschaft für sich. Bei dünnerem Eis, so wie am Dienstagvormittag, schneidet der Bug der „Lady“ beinahe wie ein Buttermesser durchs Donaueis. Doch wehe, wenn die Eisdecke einen halben Meter dick ist: „Dann fahren wir mit voller Kraft kurz an, und dann wieder zurück.“ Jede Wiese mäht sich leichter. Zuletzt war das im Jahr 1985 der Fall, erinnern sich der ältere Steuermann und sein Kapitän. Nach tagelanger Kälte mit bis zu minus 20 Grad: „Damals war das Eis bis zu sechzig Zentimeter dick.“ Uwe Mauch Volle Fahrt voraus: Routinierter Winterdienst im Alberner Hafen. Im ewigen Wiener Eis Für den Kampf gegen die Wiener Eismassen hat das 32 Meter lange und 6,5 Meter breite „Motorschiff Eisvogel“ 80 Tonnen aufzubieten. „Zusätzlich können wir noch 30 Tonnen Wasserballast aufnehmen“, erklärt der Kapitän. Er erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: „Der ganze Schiffskörper vibrierte, dabei schäumte Heckwasser auf, laut knirschend brach dann das Eis in Stücke.“ Davon ist der Winter 2026 ein Stück weit entfernt. Kurz vor Mittag werden an Bord 3 Grad plus gemessen. Dessen ungeachtet wirken Kapitän Schopf und Kollegin Wisauer erleichtert, als sie ihr Schiff wieder aus dem Alberner Eiskanal hinaus lenken können. „MS Eisvogel fährt jetzt zu Berg“, funkt der Käpt’n vor Einfahrt in die Donaurinne. Wenige Minuten später erreicht „die Lady“ wieder ihren sicheren Hafen, den so genannten Winterhafen in der Freudenau. Hier überwintern heuer auch 25 Donaukreuzfahrtschiffe.