Es soll kalt und bewölkt werden, zumindest sagt das der Wetterbericht. Aber vielleicht passt das ganz gut zum Anlass. Immerhin: Es geht um einen Todesfall. Heute, Mittwoch, startet der Pilnacek-Untersuchungsausschuss in seine aktive Phase – mit einem ungewöhnlichen Auftakt: Ehe die Abgeordneten im Parlament ihre Auskunftspersonen befragen, unternehmen sie einen Lokalaugenschein ans Donauufer, konkret: an den Fundort des Leichnams. Welche Erkenntnisse zwei Jahre nach Pilnaceks Tod dort warten, kann erst Mittwochmittag gesagt werden. Bis dahin bietet der KURIER einen Überblick über die wichtigsten Fragen: Was ist ein U-Ausschuss, was soll er aufklären? Es ist einfacher zu sagen, was ein Untersuchungsausschuss nicht ist, nämlich: ein Ersatztribunal oder gar eine Gerichtsverhandlung. Laut Gesetz prüfen U-Ausschüsse die „Vollziehung des Bundes“. Das bedeutet: Der U-Ausschuss darf Vorgänge und Verhältnisse in Bundesministerien und Behörden überprüfen. Er soll helfen, allfällige Missstände zu beheben. Um mögliche Fehler zu finden, können die Abgeordneten Akten in Ministerien anfordern und unter Wahrheitspflicht Zeugen („Auskunftspersonen“) befragen. Der von der FPÖ eingesetzte Pilnacek-U-Ausschuss soll klären, ob politische Funktionsträger oder Mitarbeiter von Ministerien versucht haben, die Ermittlungen zu beeinflussen. Die Arbeitshypothese, die vor allem die FPÖ prüfen will: Haben ÖVP-nahe Beamte im Innenministerium die Arbeit vor Ort beeinflusst oder gar behindert? Auch die Rolle der Justiz wird infrage gestellt. Ist etwas dran an der Mord-Theorie? Bis jetzt: nein. Dem KURIER liegen die Privatgutachten vor, die Ex-Politiker Peter Pilz in seinem Buch über den Tod des Sektionschefs recht selektiv zitiert und derlei Theorien befeuert. Gerichtsmediziner Stefano Longato schließt ein Tötungsdelikt sogar explizit aus: „Auffällige Hinweise auf eine Gewalteinwirkung durch fremde Hand ergaben sich auf Grundlage des Obduktionsberichts nicht. Ein Unfallgeschehen erscheint aus gerichtsmedizinischer Sicht als wahrscheinlich.“ Welche Zeugen werden befragt? Die Befragung erfolgt chronologisch: Als Erster kommt morgen, Donnerstag, der Baggerfahrer, der den Leichnam an jenem Oktobermorgen 2023 entdeckt hat. Dann folgen Polizisten sowie die Gemeindeärztin und die fall-führende Staatsanwältin. Welche Gegenstände werden thematisiert? An Gegenständen interessiert die Abgeordneten besonders die Smartwatch, die Pilnacek bei seinem Tod am Handgelenk trug. Die Polizei fand in einem 1.300-seitigen Auswertungsbericht aber „keine relevanten Daten“. Anders ein IT-Experte, den die WKStA später herangezogen hat: Er stellte fest, dass es Gesundheitsdaten gibt, die man gesondert auswerten müsste. Der ergänzende Bericht steht aber noch aus ( mehr dazu hier ). Vorab berichteten Medien, der IT-Experte habe Daten zu „markanten Handgelenksbewegungen“ entdeckt, die über ein Gehen hinausgehen. Der Todeszeitpunkt wird zwischen drei und vier Uhr früh vermutet, weil ab da kein Herzschlag mehr aufgezeichnet wurde. Zudem gab es 206 Nachrichten, die wohl vom Handy auf die Smartwatch synchronisiert wurden. Pilnaceks Handy wurde nie sichergestellt – was bis heute zentraler Kritikpunkt an der Polizeiarbeit ist. Das Gerät wurde kurz nach dem Leichenfund von Kripo-Beamten bei der Freundin Pilnaceks abgeholt und der Witwe übergeben – die es später per Bunsenbrenner vernichtet haben will. Aufregung gab es auch um den Laptop des Sektionschefs, der über Umwege zur WKStA kam und dort noch ausgewertet wird. Ist das kein Hinweis auf ein Fehlverhalten? Es wurden Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs gegen die Beamten geführt, die vor Ort das Handy nicht sichergestellt haben. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Erst kürzlich hat das Justizministerium in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung erklärt: Für eine Sicherstellung des Handys (und übrigens auch der Smartwatch) braucht es einen Anfangsverdacht auf ein Tötungsdelikt. Und den gab es nicht.