Konzerne fliegen heuer auf die Börse

Die internationalen Aktienmärkte blicken auf ein höchst erfolgreiches Jahr zurück. Viele Indizes erzielten Rekordstände. Das gute Börsenwetter ist auch an der Zahl der IPOs (Initial Public Offerings, zu deutsch Erstemission, Anm.) zu erkennen. Weltweit gab es laut Erhebung des Beratungsunternehmens EY um zwei Prozent mehr Börsegänge (1.259), das Emissionsvolumen stieg sogar um rund ein Drittel auf 163,3 Milliarden Dollar. „Insgesamt bleibt die weltweite Pipeline gut gefüllt“, sagte Martina Geisler, Partnerin und Leiterin IPO bei EY Österreich, kürzlich. Neben großen US-Techkonzernen gebe es auch in Europa viele Unternehmen, die auf ein passendes Zeitfenster warten. Der KURIER präsentiert im Folgenden die heißesten Börse-Kandidaten. SpaceX Der Raumfahrtkonzern von Elon Musk gilt nicht nur als heißester Anwärter auf den Börsegang. Mit einem möglichen Erlös von 30 Milliarden Dollar wäre es auch der bisher größte Börsegang der Geschichte. Der Konzern würde zum Start mit bis zu 1,5 Billionen Dollar bewertet werden. Der bisher größte Börsegang war jener der Ölgesellschaft Saudi Aramco im Jahr 2019 mit 23 Milliarden Dollar. OpenAI Der ChatGPT-Entwickler könnte mit einer Bewertung von bis zu einer Billion Dollar der zweitgrößte Börsegang des Jahres werden. Allerdings dürfte er nicht vor dem vierten Quartal erfolgen. Noch sieht laut Beobachtern die Führung unter Gründer Sam Altman zu viele Unsicherheiten, vor allem eine mögliche Blasenbildung bei Techtiteln. Wie viele andere Konzerne aus der IT-Branche schreibt auch OpenAI noch keine Gewinne – diese werden frühestens für 2030 erwartet. Einstweilen setzt das Unternehmen auf neue Anteilseigner, die Geld für die weitere Entwicklung der Künstlichen Intelligenz investieren, etwa zuletzt der Chiphersteller Nvidia. Anthropic Der Konkurrent von ChatGPT dürfte noch vor OpenAI an die Börse kommen. Das Unternehmen, das von Google und Amazon unterstützt wird, habe eine Anwaltskanzlei mit den Vorbereitungen beauftragt, berichtete die Financial Times im Dezember. Anthropic habe auch mit größeren Investmentbanken über einen solchen Schritt gesprochen. Das Start-up verhandle zudem über eine private Finanzierungsrunde, die den Wert auf mehr als 300 Milliarden Dollar pushen könnte. Zuletzt war das Unternehmen, das 2021 von früheren OpenAI-Mitarbeitern gegründet worden war, mit 183 Mrd. Dollar bewertet worden. Im November hatten Microsoft und Nvidia Pläne für eine Investition von bis zu 15 Mrd. Dollar in Anthropic bekannt gegeben. Databricks Das 2013 gegründete US-Softwareunternehmen hat sich auf cloudbasierte Lösungen in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz spezialisiert. Bereits zwei Mal wurde ein Börsegang anvisiert, geworden ist bisher nichts daraus. Kraken Dabei handelt es sich um eine 2011 in den USA gegründete Kryptowährungsbörse. Das Unternehmen hat in den vergangenen Monaten sein Angebot auf weitere Anlageklassen ausgeweitet, unter anderem auf Aktien durch die Einführung eines provisionsfreien Handels. Zudem expandiert Kraken aggressiv durch Übernahmen. Vor wenigen Wochen hat das Unternehmen vertrauliche Dokumente bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. In seiner jüngsten Finanzierungsrunde wurde Kraken mit 20 Milliarden Dollar bewertet – um ein Drittel mehr als zwei Monate zuvor. Fannie Mae/Freddie Mac Die beiden großen Immobilienfinanzierer (halten laut Schätzungen einen Marktanteil von 50 bis 70 Prozent) stehen seit der Finanzkrise 2008 zu 80 Prozent unter staatlicher Kontrolle. Der Rest wird außerbörslich gehandelt. Die US-Regierung möchte die Staatsanteile nun an die Börse bringen. Die beiden Unternehmen zusammen könnten dabei mit mehr als einer halben Billion Dollar bewertet werden. TK Elevators Die Aufzugssparte von Thyssenkrupp ist zwar mit 10 Milliarden Euro hoch verschuldet, schrieb im Vorjahr aber ein Rekord-Vorsteuerergebnis von 1,6 Mrd. Euro. Aber auch ein Verkauf an Mitbewerber Kone ist denkbar. Bitpanda Die österreichische Krypto-Plattform könnte Gerüchten zufolge mit dem neuen Vorstand Lukas Enzersdorfer-Konrad schon im ersten Quartal an die Börse kommen. Allerdings wegen der höheren Liquidität nicht in Wien, sondern in Frankfurt oder New York. Die Vorbereitungen dazu laufen jedenfalls schon seit drei Jahren. Reploid Das oberösterreichische Unternehmen ist auf modulare Systeme zur industriellen Insektenzucht spezialisiert und ist bereits seit dem Vorjahr in Wien gelistet. Allerdings wurden keine neuen Aktien ausgegeben. Das soll heuer durch eine Kapitalerhöhung passieren.