Blackouts in Europa: Wie sicher ist das Stromnetz im Burgenland?

Von Gernot Heigl Einer der größten Blackouts im europäischen Verbundsystem legte am 28. April 2025 weite Teile Spaniens und Portugals lahm. Ist dort die Ursache noch ungeklärt, sorgte ein Brandanschlag Anfang Jänner in Berlin für einen tagelangen Stromausfall, der bei bitterer Kälte rund 100.000 Menschen betraf. Durch den Sabotageakt hatten insgesamt etwa 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe keine Energieversorgung. Angesichts dieser dramatischen Störungen rückt die Sicherheit kritischer Infrastruktur auch im Burgenland in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Daher stellen sich Verbraucher die Frage: Wie verwundbar ist das regionale Stromnetz – und wie gut ist es auf Krisen vorbereitet? "Eines der sichersten Netze weltweit" Auf KURIER-Anfrage erklärt ein Sprecher der Burgenland Energie : „Das burgenländische Stromnetz gilt zurecht als eines der sichersten weltweit. Die durchschnittlichen Stromausfallzeiten des Burgenlands sind mit die niedrigsten in Österreich und Europa.“ Dennoch könne bei einer Netzinfrastruktur mit einer Gesamtlänge von rund 10.000 Kilometern niemals eine hundertprozentige Sicherheit garantiert werden. Aber „um einen großflächigen Stromausfall auszulösen, bedarf es enormer krimineller Energie. Ein Brand an einer beliebigen Stelle des Netzes reicht bei uns in der Regel dafür nicht aus“, erklärt Stephan Sharma , CEO der Burgenland Energie. Sorgfältige Netzplanung Ein zentraler Faktor für die hohe Versorgungssicherheit ist das sogenannte „n-1-Prinzip“, nach dem Stromnetze in ganz Österreich geplant werden. Dieses sieht vor, dass beim Ausfall einer einzelnen Komponente – sei es durch technische Defekte, Naturereignisse oder Fremdeinwirkung – andere Netzbestandteile automatisch einspringen und die Versorgung aufrechterhalten. „Schon bei der Planung der Netze wird darauf geachtet, dass möglichst jeder Verbraucher über mehrere Seiten versorgt werden kann“, so Sharma. Auch Erfahrungen aus Extremwetterereignissen, wie jenen im Sommer 2024, fließen in die Netzplanung ein. Der Schutz der Netze ist in Österreich klar geregelt: Während die Austrian Power Grid (APG) für das überregionale Übertragungsnetz verantwortlich ist, sichern die regionalen Betreiber wie Netz Burgenland ihre jeweiligen Anlagen. Besonders sensibel sind dabei das Hochspannungsnetz sowie Umspannwerke – im Burgenland derzeit 22 an der Zahl. Überwachung der Anlagen All diese Anlagen werden rund um die Uhr überwacht. Zutrittsbarrieren, Alarm- und Videosysteme sowie regelmäßige Sicherheitskontrollen sollen unbefugten Zugang verhindern. Die Hürden für Sabotageakte, die über lokale Störungen hinausgehen, sind also hoch. Zudem arbeitet die Burgenland Energie eng mit Behörden und dem Bundesheer zusammen. Im Rahmen des europäischen Programms zum Schutz kritischer Infrastruktur (APCIP) sowie auf Grundlage des österreichischen Gesetzes zur Resilienz kritischer Einrichtungen (RKEG) werden Sicherheitskonzepte laufend überprüft und Bedrohungsszenarien durchgespielt. So fand im vergangenen Jahr eine zweitägige Krisenübung zu einem großflächigen Stromausfall statt, an der alle relevanten Organisationen im Burgenland beteiligt waren. Ein wesentlicher Baustein der Versorgungssicherheit sind Investitionen. Zwischen 2021 und 2025 flossen laut Burgenland Energie rund 380 Millionen Euro in die Stromnetzinfrastruktur. Etwa ein Drittel davon wurde in die Instandhaltung bestehender Anlagen investiert, zwei Drittel in den Ausbau. Ziel sei es, die Versorgungssicherheit langfristig zu erhalten und weiter zu verbessern. Sicherheit kostet Gleichzeitig sieht CEO Sharma die Politik gefordert. Angesichts neuer Bedrohungslagen sei die aktuelle Diskussion über steigende Netzkosten zu kurz gegriffen. Denn eine sichere Stromversorgung ist nur durch Investitionen in eigene Netze und eigene Erzeugung möglich – und das kostet Geld. Die Kosten müssten fair über Generationen verteilt werden. Investitionen in die Sicherheit zu stoppen, um kurzfristig Netzkosten zu dämpfen, sei eine falsche und gefährliche Entwicklung. „Denn mit der Sicherheit der burgenländischen und österreichischen Netze und Versorgung darf man nicht spielen“, warnt Sharma abschließend.