Maskierter Ex-Mitarbeiter überfällt Supermarktfilialen: Vier Jahre Haft

Ein ehemaliger Supermarkt-Angestellter, der seine eigenen Filialen überfallen hatte, ist am Mittwoch am Wiener Landesgericht zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Akute Geldnot hätte den bisher Unbescholtenen zu insgesamt fünf Raubüberfällen verleitet, meinte Verteidiger Andreas Reichenbach : "Er hat keinen anderen Ausweg gesehen." Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der 30-Jährige akzeptierte die Strafe, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. Der Angeklagte war früher als Kassier in einer Supermarkt-Filiale in Meidling beschäftigt, später arbeitete er bei derselben Kette als stellvertretender Filialleiter in Donaustadt . 2023 raubte er in diesen zwei Filialen und in zwei weiteren Zweigstellen jeweils die Tageslosung, indem er sich bei Geschäftsschluss in den Supermärkten einsperren ließ und in einem Versteck abwartete, bis die Angestellten die Tageslosung abrechneten. War es soweit, trat er jeweils maskiert und mit einer täuschend echt aussehenden Air-Soft-Waffe auf den Plan und verlangte Geld, wobei er den Angestellten mit dem Erschießen drohte und sie mit Kabelbindern fesselte. Bei den vier Coups, die er zwischen 11. Februar und 21. Dezember 2023 verübte, erbeutete der Mann insgesamt 42.000 Euro . Zimperlich ging er dabei nicht vor. In einem Fall zwang er zwei weibliche Angestellte auf die Knie, nachdem er die Waffe gegen ihre Körper gerichtet hatte, und fesselte ihnen dann die Hände auf den Rücken. Einen männlichen Angestellten ließ er hilflos an Händen und Füßen gefesselt am Boden liegen und flüchtete mit seiner Beute. Staatsanwältin verwies auf "Insider-Wissen" "Als ehemaliger Mitarbeiter war er mit den Örtlichkeiten vertraut. Er hatte Insider-Wissen", betonte die Staatsanwältin. So hätte der Mann beispielsweise nach dem An-sich-Bringen von Bargeld stets nach sogenannten Safe-Bag-Sackerln verlangt bzw. gewusst, wo sich diese befanden, um die Beute darin zu verstauen und beim Verlassen der Geschäfte nicht aufzufallen. "Ich bekenne mich schuldig", zeigte sich der 30-Jährige umfänglich geständig , "mein Motiv waren meine Schulden . Privatschulden und Mietrückstände." Er habe Angst gehabt, seine Wohnung zu verlieren. Außerdem hätte ihn eine Scheidung recht viel Geld gekostet. Nach Trennung ging es weiter 2024 kam es zu keinen weiteren strafbaren Handlungen. Der Mann hatte sich frisch verliebt. Nach eineinhalb Jahren ging jedoch diese Beziehung in die Brüche. Prompt verübte er am 9. August 2025 nach dem gewohnten Modus Operandi den fünften Überfall, diesmal auf eine Filiale in Floridsdorf . Beute: 11.400 Euro. Ihm sei "das Geld ausgegangen", gab der Angeklagte zu Protokoll, der zuletzt keiner geregelten Beschäftigung nachgegangen war. Diesmal konnte der Räuber jedoch mit Hilfe von Bildern aus einer Überwachungskamera und nach längeren Ermittlungen des Landeskriminalamts ausgeforscht und als Tatverdächtiger festgenommen werden. Die überfallenen früheren Kolleginnen und Kollegen des Mannes leiden teilweise bis zum heutigen Tag an den Folgen der Überfälle. Einigen machen Schlafstörungen zu schaffen, manche benötigen psychotherapeutischen Beistand.