Trump beharrt auf Grönland: "Alles andere ist inakzeptabel"

Grönlands junger Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen hat seiner Außenministerin eine unmissverständliche Botschaft mit auf den Weg gegeben: „Wenn wir uns hier und jetzt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark entscheiden müssten, würden wir uns für Dänemark entscheiden.“ So weit – so klar war die Lage zumindest von Seiten der Chefdiplomaten aus Grönland und Dänemark, die am Mittwoch zu einem allerersten Treffen ins Weiße Haus nach Washington eingeladen wurden. Allein dass  das Gespräch mit US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance überhaupt stattfand, galt  dabei schon als Erfolg. Denn bis dahin hatte US-Präsident Donald Trump stets nur großspurig verkündet: „Auf die eine oder andere Art – wir kriegen Grönland, die USA brauchen  Grönland für ihre nationale Sicherheit.“ Doch Anspannung und Sorge waren gestern groß, dass Außenminister Lars Lokke Rasmussen (DK) und Vivian Motzfeldt (Grönland) im Weißen Haus für ihren Widerstand gegen die Trump-Pläne ähnlich gedemütigt werden könnten, wie es einst Ukraines Präsident Selenskij worden war. Kurier Jetzt also erstmals ernsthafte Gespräche und der verzweifelte Versuch Dänemarks und der autonomen, größten Insel der Welt dem Begehren des US-Präsidenten ein ernsthaftes Angebot entgegenzuhalten. Wobei gleich anfangs klargestellt wurde: Grönland, mitsamt seinen 54.000 Einwohnern und seinen gewaltigen Bodenschätzen und Rohstoffen, stehe nicht zum Verkauf. Und Dänemark habe überdies gar keine Befugnis, Grönland zu verkaufen. Stattdessen das Angebot: Direkter Zugang für die USA zu Investitionen, keine Zölle,  Ausbau amerikanischer Militärbasen - und generell großes wirtschaftliches Entgegenkommen. Denn:  „Eigentlich haben die Amerikaner militärisch auf Grönland ja schon alles, was sie haben wollen - außer Atomwaffen zu stationieren“, gab der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck, der jetzt als Analyst für das Danish Institut for Internationale Studies arbeitet, in einem Interview für rbbInforadio24 zu bedenken. Vertraglich könnten die USA ihre Militärpräsenz auf der Insel ja jederzeit wieder aufstocken. Viele US-Stützpunkte Bereits im Zweiten Weltkrieg hatten die USA auf Grönland bis zu 10.000 Soldaten stationiert. Auch nach 1945 betrieben  sie noch zahlreiche Basen und Radaranlagen. Erst mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der UdSSR schloss Washington alle Standorte bis auf die Pituffik Space Base. Doch Trump  will offenbar mehr. REUTERS/Marko Djurica Grönland ist nicht zu verkaufen, steht auf dem T-Shirt dieses Händlers in Nuuk geschrieben Schon vor dem Treffen seines Vizes mit den europäischen Außenministern schoss er quer: „Es ist von entscheidender Bedeutung für die Goldene Kuppel, die wir bauen“, schrieb er auf Truth Social  und bezog sich dabei auf ein geplantes Raketenabwehrsystem. „Mit Grönland in den Händen der USA“  werde auch die NATO weitaus schlagkräftiger werden, versicherte er und drohte: „ Alles andere ist inakzeptabel.“ Die Mehrheit ist dagegen Dabei scheint die Trump-Administration mit ihrem Wunsch, sich Grönland zu holen, im eigenen Land nur wenig Rückhalt zu haben. Laut einer jüngsten Ipsos-Reuters-Umfrage befürworten nur 17 Prozent der befragten US-Bürgerinnen und Bürger die Idee, Grönland den Vereinigten Staaten anzuschließen. Dabei auch noch militärische Gewalt einzusetzen, ist für die allergrößte Mehrheit der Bevölkerung der USA absolut undenkbar: Nur vier Prozent der Befragten würden eine US-Militärintervention in Grönland gut heißen. Genau solch einen Schritt wollen auch Teile des US-Kongresses verhindern. Ein Gesetzesentwurf, den nun der Senat vorlegte, würde es  Trumps Regierung verbieten, das Gebiet eines NATO-Staats ohne die Zustimmung des betroffenen Bündnispartners zu „annektieren, zu besetzen oder anderweitig zu kontrollieren“. Das Gesetz wurde von der republikanischen Senatorin Lisa Murkowski und der Demokratin Jeanne Shaheen eingebracht. „Solch ein Vorgehen würde dem Nordatlantikvertrag widersprechen, den Zusammenhalt der NATO schwächen und die bestehenden Bemühungen des Bündnisses untergraben, der Bedrohung durch Gegner wie Russland und China entgegenzutreten“, betonten die beiden Senatorinnen. Das würde konkret bedeuten: Weder Pentagon noch Außenministerium würden Geld erhalten, um militärisch gegen das Staatsgebiet von NATO-Partnern vorzugehen. Noch ist allerdings unklar, ob der Gesetzesvorschlag jemals mehrheitsfähig wird.