Blick zurück nach vorn: So feiert die Albertina ihr 250-Jahr-Jubiläum

Die USA und die Albertina haben exakt am selben Tag Geburtstag. Denn am 4. Juli 1776 besuchten Herzog Albert von Sachsen-Teschen und seine Frau Marie Christine am Ende einer Italienreise den Grafen Durazzo in Venedig. Der Adlige, im Hauptberuf Botschafter, hatte gewissermaßen als „Art Advisor“ des Paares agiert – und übergab ihnen den Grundstock einer Sammlung mit einer Art Bestandskatalog: Der „discorso preliminare“ gilt als Albertina-Gründungsurkunde. 1816 deklarierte Albert die weiter gewachsene Kollektion dann als sogenannten „Fideikommiss“, wodurch sie unteilbar an sein Palais auf der Wiener Bastei gebunden bleiben sollte. Michael Huber Die Feier zum ersten Vierteljahrtausend der Sammlung nutzt das Museum nun für ein durchaus spektakuläres Jahresprogramm. In diesem mischen sich Ansätze des früheren Direktors Klaus Albrecht Schröder , der das Palais als spartenübergreifende Ausstellungsorgel neu erfunden und das Jubiläum bis zu seinem Abgang Ende 2024 noch vorbereitet hatte, mit Ideen seines seit 2025 amtierenden Nachfolgers Ralph Gleis : Große Namen und Superstars werden ebenso zu sehen sein wie Sammlungshighlights, darunter Dürers „Feldhase“, der aus konservatorischen Gründen nur selten gezeigt werden darf. Zugleich sind Themenausstellungen und Tiefenbohrungen in die Sammlung, wie sie Gleis zuletzt forcierte, Teil des Programms. „Erfolgreiches Jahr 2025“ „Wir sind froh, dass unser Publikum all diese Schritte mitgegangen ist“, freute sich Gleis rückblickend bei seiner Pressekonferenz am Mittwoch: Mit rund 1,3 Millionen Besuchen hätte das Museum direkt an das Niveau des Jahres 2024 – das seinerseits einen Höchststand markierte – anschließen können. Die bereits im Dezember eröffnete, innovativ gestaltete Schau „Faszination Papier“ (bis 22. 3.) bildet für Gleis nun den Auftakt zu einer „Sammlungstrilogie“, die 2026 die hauseigenen Bestände ins Licht rücken soll: Der Haupt-Act ist dabei die Schau „Sammeln für die Zukunft“ (19. 6. –11. 10.), bei der neben einer Starparade ( Dürer , Schiele ...) auch neue Fragen an die Sammlung gerichtet werden sollen – etwa, welche Rolle Herzogsgattin Marie Christine, die Lieblingstochter Maria Theresias, beim Aufbau der Kollektion spielte. Kirsten Justesen / Bildrecht Den Frauen in der Sammlung gilt auch der dritte Teil der Trilogie (ab 30. 10.) – hier stieß Gleis bereits vor seinem Antritt ein Forschungsprojekt an, das teils unbekannte Künstlerinnen ans Licht holte. Die Themenschau „Care Matters“ (12. 3. – 28. 6.) und Personalen zur Op-Art-Künstlerin Helga Philipp (1. 5. – 20. 9.) und der Malerin Shara Hughes (ab 9. 10.) heben den Stellenwert von Frauen weiter hervor. Succession Picasso / Bildrecht Ein Blockbuster klassischen Zuschnitts verspricht die Ausstellung „ Picasso – Bacon “ ab 18. 9. zu werden: Unter dem Motto „What it means to be human“ spannt das Museum zwei Maler-Giganten des 20. Jahrhunderts anhand ihres Menschenbilds zusammen, das jeweils von Zerrissenheit geprägt war. Die Doppelschau – laut Gleis die erste derartige Präsentation ihrer Art – versammelt Leihgaben aus aller Welt. Dass ein solches Ausstellungsprogramm kostenintensiv werden dürfte, liegt auf der Hand. Man habe mit Blick auf das Jubiläum über einen längeren Zeitraum ein Sonderbudget frei gemacht, sagt Gleis, darauf angesprochen. Über dem Jubiläumsjahr der Albertina liege somit noch nicht der „lange Schatten“, der sich im Kulturbereich gerade breitmache – insbesondere, was die Situation der Folgejahre angehe.