Chapeau! «Was für ein Jahr: Alles Show, alles Spektakel, alles Deal», WOZ Nrn. 51 + 52 / 25 Die Redaktorin hat auf wenigen Zeilen das wenig erfreuliche Jahr kongenial gespiegelt. Sie ist dabei selbstreflektiert und selbstkritisch geblieben. Das muss ihr zuerst jemand nachmachen. Ich ziehe den Hut. Jürg Luginbühl, Adliswil Gute Vorsätze Diverse Artikel zum Jahresrückblick, WOZ Nrn. 51 + 52 / 25 Danke für die auch wieder grossartige letzte WOZ im 2025. Die Texte im Jahresrückblick habe ich mit Genuss gelesen, mit der Gefahr, dass ich mich in meinen Meinungen von und in meiner Blase (Bubble) bestärkt fühle. Die Vorreiter:innenrolle der Schweiz bei den Ausschaffungen … Das gebrochene oder noch nie eingehaltene Völkerrecht (trotzdem bin ich froh um das Völkerrecht) … Die kognitiv dissonante Aussage der Schuld der «Linken» am Aufstieg der «Rechten» … Die klare Stellungnahme für soziale Anliegen und die ermutigende Gewissheit, dass das protestierende Hinterland weiterhin unruhig bleibt. Und dann mein Lieblingstextabschnitt im Artikel «Das Klima: Gegenschlag oder Rückzugsgefecht?»: «Zwar weiss eine grosse Mehrheit der Bevölkerung (damit bin ich gemeint, und du bist damit auch gemeint), wie bedrohlich die Erderwärmung ist, doch Konsumverzicht und eine Veränderung des Lebensstils, vor allem in reichen Ländern, will kaum jemand freiwillig angehen.» Wie Remo Largo schrieb: Konsequent bleiben, aber nicht stur. Und von mir als Ergänzung: und wenn möglich nett sein. Ich freue mich auf das Jahr 2026 mit euch WOZ-Verantwortlichen und euch allen andern auch. Simon Mattmüller, Basel Der Jahreswechsel dient ja auch dazu, gute Vorsätze einzulösen. Doch auch ich habe dies bereits hinausgeschoben – und will jetzt fest entschlossen dieses Versäumnis aufholen. Nach der Lektüre der Ausgabe 51 + 52 hat mich vor allem der Artikel «Die haben Angst vor uns» über die USA begeistert und mir Zuversicht verschafft, dass aus dem Land der Grossmäuler doch noch positive Entwicklungen zu erwarten sind. Der Artikel «Spitäler in Gaza: Schnipsel des Horrors» erschüttert mich, zeigt aber gleichzeitig, dass wir die WOZ brauchen, um in dieser Form über Gräueltaten informiert zu werden. Und diese Dienstleistung ist nur möglich, weil ihr nicht verzagt und euch jede Woche dafür engagiert, dass ihr eure journalistische Fleissarbeit erbringt, nicht so wie wir Konsumenten, die ob all der Widrigkeiten die Energie zu verstärktem Engagement viel zu wenig zu aktivieren vermögen. Herzlichen Dank für euer vorbildliches Engagement. Beni Gnos, Allschwil Beunruhigend «Informationskrieg: Die Kirsche auf der Torte», WOZ Nrn. 1 + 2 / 26 Der Artikel verfehlt den Kern des Problems. Es geht nicht um die Frage, ob uns die Thesen von Jacques Baud sympathisch sind. Nehmen wir mal an, Baud sei ein bezahlter Agent Russlands mit dem Auftrag, Falschmeldungen zu verbreiten. In einem Rechtsstaat würde die Staatsanwaltschaft abklären, ob er Gesetze verletzt hat. Sofern genügend Beweise vorlägen, würde sie den Fall vor Gericht bringen. Erst nach der letztinstanzlichen Verurteilung begänne die Sanktionierung. Im Fall von Baud ist es umgekehrt: Ein Exekutivorgan sanktioniert ihn ohne richterlichen Entscheid, ohne Anhörung und ohne nennenswerte Begründung. Die Sanktionen sind gravierend: Sperrung der Konten, Entzug der Reisefreiheit und Untersagung von wirtschaftlichen Transaktionen mit ihm. Man mag einwenden, Baud könne den Entscheid anfechten. Das kostet Geld und dauert Jahre. Es gibt einen weiteren Aspekt. Die EU-Kommission bezweckt etwas mit dem Sanktionsregime: Mutmasslich geht es vor allem um die Präventionswirkung. Man versetze sich einen Moment lang in Personen, deren Sicht auf den Krieg in der Ukraine wir eventuell nicht teilen: Ulrike Guérot, Gabriele Krone-Schmalz, Hélène Richard, Sahra Wagenknecht oder Urs Gasche. Wann werden sie sanktioniert? Diese Leute sind gut beraten, aufs Maul zu sitzen. Wollen wir das wirklich? Günter Schmudlach, Zürich Der Artikel ist für mich als langjährigen Abonnenten ein Tiefpunkt journalistischen Schaffens der WOZ. Die Autoren haben es weitgehend unterlassen, aufgrund der umfangreich vorliegenden Daten und Dokumente ein nur annähernd objektives Bild über das Schaffen von Jacques Baud zu erstellen. Baud ist ein hervorragender Konfliktforscher und -analytiker. Seine Arbeitsweise ist wissenschaftlich, und die Hunderte Quellenangaben in seinem Buch «Putin, Herr des Geschehens?» verweisen fast ausschliesslich auf westliche Dokumente und Medien. Der russische Angriff auf die Ukraine hat stattgefunden und ist zu verurteilen. Aber er hat eine wichtige Vorgeschichte, die Baud detailliert aufzeigt und die eine Mitschuld der Nato-Strategen aufzeigt, die die Ukraine in den voraussehbaren Krieg getrieben haben. Schliesslich geht im Artikel weitgehend unter, dass die Massnahmen der EU gegen Jacques Baud nicht nur völlig undemokratisch (ohne Anhörung, ohne Gerichtsbeschluss) zustande kamen, sondern zudem gravierende Menschenrechtsverletzungen (Art. 2, 5, 6, 7, 9, 10 EMRK) darstellen. Dies ist eine äusserst beunruhigende Entwicklung, die Zeitungen wie die WOZ nicht ignorieren sollten. Hans Peter Roth, Baar