KTM-Boss Neumeister: „Der Turnaround ist voll im Gang“

Bei der Neuausrichtung des angeschlagenen Motorradbauers KTM (3.800 Mitarbeiter) mit Sitz in Mattighofen wird jetzt ein höherer Gang eingelegt. Wie die Holding Bajaj Mobility, vormals Pierer Mobility, am Dienstagabend bekannt gab, werden 500 Mitarbeiter abgebaut. „Ich habe schon im Vorjahr gesagt, ich kämpfe dafür, dass möglichst viele Arbeitsplätze und die Produktion in Österreich erhalten werden. Damit das gelingt, müssen wir unsere Verwaltung anpassen“, sagt KTM-Chef Gottfried Neumeister zum KURIER. „Unser Verwaltungsapparat ist viel zu groß. Wir haben sechs Führungsebenen im Konzern und jetzt geht es darum, eine Führungsebene, in manchen Bereichen zwei Führungsebenen herauszunehmen, mit dem Ziel, dass wir effizienter und schneller Entscheidungen treffen können.“ Im mittleren Management wird weniger Personal benötigt, weil Geschäftsbereiche wie E-Bikes oder der italienische Motorradbauer MV Agusta verkauft wurden. So hatte KTM bisher 44 Bereichsleiter allein in Österreich, diese Zahl wurde nun auf 21 reduziert. Diese Verschlankung wird nun auch im Ausland umgesetzt. Eine Milliarde Euro Umsatz „Der Turnaround ist voll im Gang. Es ist uns trotz der Krise gelungen, die Eine-Milliarde-Euro-Umsatzgrenze zu durchbrechen“, sagt Neumeister. „Wir haben mehr als acht Monate die Produktion geschlossen gehabt. Der Verkauf von fast 210.000 Motorrädern ist ein ganz wichtiges Signal, dass die Kundenzufriedenheit zurückkehrt. Im zweiten Halbjahr 2025 haben wir um 60 Prozent mehr Motorräder verkauft als im ersten Halbjahr.“ Der Lagerbestand konnte um mehr als 100.000 Zweiräder reduziert werden. Der Ausblick für das aktuelle Geschäftsjahr 2026 ist durchmischt. „Es wird uns nicht gelingen, ein positives Ergebnis zu erwirtschaften“, sagt Neumeister. „Wir planen heuer aber doppelt so viele Fahrzeuge zu produzieren wie im Jahr zuvor. Es werden so an die 120.000 werden. Unsere neuen Produkte kommen gut an, die Nachfrage ist hoch.“ Gleichgewicht gestört „Man muss unterscheiden: Im vergangenen Jahr sind in der Produktion Stellen abgebaut worden, jetzt im mittleren Management“, sagt der Mattighofner Bürgermeister Daniel Lang. „Wenn es aber mehr Anschaffer gibt als Arbeiter, ist das Gleichgewicht gestört. Es ist aber nicht außer Acht zu lassen, dass 500 Einzelschicksale betroffen sind.“ Er sei guter Dinge, dass die betroffenen KTM-Mitarbeiter mit Unterstützung der Sozialpartner rasch am Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen. Denn zwischen der KTM-Führung und Sozialpartnern funktioniere die Zusammenarbeit. Lang: „Wir haben im Vorjahr die Arbeitslosenzahlen gut in den Griff bekommen.“ Es sei im Herbst schon angekündigt worden, dass der Mitarbeiterabbau in der Verwaltung der nächste Schritt sein wird, räumt AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl ein. „Ich vertraue auf KTM-Chef Neumeister, dass die Neuaufstellung dann durch ist.“ Laut Stangl werde im Zuge des Sozialplans auch über eine Arbeitsstiftung gesprochen werden. „Konstruktive Lösung“ „Uns war schon klar, dass die Inder nicht 900 Millionen Euro in KTM investieren und dann wird alles gleichbleiben. Für uns kommt aber die Dimension von 500 betroffenen Leuten schon ein bisschen überraschend“, sagt Wolfgang Gerstmayer, Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA OÖ. „Wir sind mit den Betriebsräten in Kontakt und werden mit der Geschäftsführung über einen Sozialplan reden und verhandeln.“ Nachsatz: „Wir hoffen auf konstruktive Lösungen, weil unter Stefan Pierer hat es keine Zusammenarbeit gegeben.“ Seit dem vergangenen Jahr sei die Kooperation mit der neuen KTM-Führung aber gut.