"Eine Norovirus-Infektion beginnt fulminant", sagt Elisabeth Puchhammer-Stöckl , Leiterin des Zentrums für Virologie an der MedUni Wien. Gemeint ist nichts Gutes: "Diese Magen-Darm-Infekte beginnen plötzlich mit anfallsartigem Erbrechen. Typisch ist auch starker Durchfall." Insgesamt verursachen Noroviren – sie gelten weltweit als häufigster Auslöser der Magen-Darm-Grippe – auf Symptomebene äußerst intensive und unangenehme Beschwerden. Begleitet wird die Gastroenteritis von einem ausgeprägten Schlappheitsgefühl. "Erkrankte sind matt, der Körper schmerzt, Kopfweh ist häufig, Fieber seltener und meist nicht hoch." Charakteristisch ist das rasche Abklingen der Krankheitsanzeichen: "Nach zwei bis drei Tagen ist das Schlimmste wieder vorüber", sagt Puchhammer-Stöckl. Dabei kann die Erschöpfung auch noch in den Tagen danach anhalten. Die Inkubationszeit – die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten erster Symptome – beträgt ein bis zwei Tage. Ansteckend ist man mitunter auch noch einige Tage nach Besserung der Symptome . Anstieg bei Fallzahlen "An sich sind Noroviren das ganze Jahr über präsent", sagt Puchhammer-Stöckl. Im Winter kämen Infektionen aber gehäuft vor. Im englischsprachigen Raum spricht man deshalb vom "winter vomiting bug" (Erreger, Anm.) . Dass derzeit im privaten Umfeld verstärkt anekdotisch über Magen-Darm-Infekte berichtet wird, ist also nicht verwunderlich. Auch in dieser Wintersaison haben die Noroviren Österreich wieder fest im Griff, heißt es auf KURIER-Anfrage von der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES): "Jedoch konnte im Vergleich zu den Vorjahren bisher keine ungewöhnliche Aktivität registriert werden." Auch laut Herbert Tilg , Leiter der Innsbrucker Uniklinik für Innere Medizin I mit den Schwerpunkten Gastroenterologie, Hepatologie, Endokrinologie und Stoffwechsel, ist die Lage derzeit stabil: "Wir haben derzeit nur vereinzelt stationäre Aufnahmen." Auch in den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes beobachtet man derzeit kein vermehrtes Patienten-Aufkommen. Vergangenes Jahr wurden in etwa gleich viele Fälle von Norovirus-Gastroenteritis dokumentiert wie 2024. Allerdings: Laut AGES wurden 2024 deutlich höhere Norovirus-Zahlen dokumentiert als im Jahr davor. Abgesehen von den Pandemie-Jahren steigen die Ansteckungszahlen seit 2015 kontinuierlich. Der Anstieg hat laut AGES aber primär mit dem vermehrten Anstieg an Norovirus-Diagnostik zu tun. "Wenige Viruspartikel reichen aus, um Infektion auszulösen" Noroviren sind jedenfalls hoch ansteckend. "Schon wenige Viruspartikel reichen aus, um eine Infektion auszulösen", präzisiert die Virologin. In Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen und Kliniken verbreiten sich die Erreger oft schnell. Eine anhaltende Immunität bringt eine Ansteckung zudem nicht mit sich. Meist wird das Virus über Schmierinfektionen übertragen. Sogar virushaltige Aerosole in der Luft – etwa auf der Toilette nach dem Erbrechen – können eine Infektion auslösen. Seltener führen verunreinigte Lebensmittel zur Ansteckung – etwa, wenn sie bei der Herstellung von infizierten Personen kontaminiert wurden. Um Ansteckungen in der Familie zu vermeiden, rät Puchhammer-Stöckl zu gründlicher Hand- und Toilettenhygiene . Wäsche, die mit Erbrochenem oder Stuhl verschmutzt wurde, sollte möglichst heiß gewaschen werden. Noroviren gelten als besonders hitzeresistent. Durchhalten ist angesagt Hat man sich eine Infektion eingefangen, ist Durchhalten angesagt. "Leider kann man die Infektion nicht ursächlich bekämpfen", sagt Puchhammer-Stöckl. Wesentlich sei, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, etwa über Tee oder Wasser. Die WHO empfiehlt eine Trinklösung aus einem Liter Wasser, einem Glas Orangensaft, einem dreiviertel Teelöffel Salz und vier Teelöffeln Zucker. Schonkost ist hingegen nicht nötig: "Meiner Erfahrung nach können Betroffene in der Akutphase nicht wirklich etwas essen. Sobald die Nahrungsaufnahme wieder möglich ist, sollte man das essen, wonach einem ist." Wenn der Kreislauf schlappmacht, ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen, insbesondere, wenn man bereits älter, grunderkrankt oder immunsupprimiert ist. Auch für Babys können Magen-Darm-Infekte gefährlich werden. Andere Gastroenteritis-Erreger Es gibt auch andere Erreger, die ähnliche Beschwerden auslösen können. Rotavirus-Infektionen gehen ebenfalls mit heftigem Durchfall und auch Fieber einher. Rotaviren spielen vor allem im Baby- und Kindesalter eine Rolle. Sie verursachen fast die Hälfte aller Durchfallerkrankungen in dieser Altersgruppe. Die Viren werden über den Darm ausgeschieden und die Übertragung erfolgt meist durch Aufnahme über den Mund. Die Schluckimpfung gegen Rotaviren ist im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten und sollte ehestmöglich ab der vollendeten 6. Lebenswoche verabreicht werden. Auch eine Ansteckung mit Adenoviren kann eine Gastroenteritis verursachen, manchmal gehen auch die echte Grippe und Covid-19 mit Magen-Darm-Symptomen einher. Eine Gastroenteritis kann auch durch Bakterien ausgelöst werden. Standen früher Salmonellen ganz oben auf der Liste der häufigsten Erreger, sind es heute Bakterien der Gruppe Campylobacter . Bei schweren Verläufen kann die Gabe von Antibiotika notwendig sein.