Es gibt Tage, da muss sich auch der Chef hinters Steuer klemmen. „Der Montag am Beginn dieser Woche war so ein Tag“, erzählt Harald Feichtinger , der für die 252 Pannenfahrer des ÖAMTC in Wien, Niederösterreich und Burgenland verantwortlich ist. Und gut war es. Auch er, der acht Jahre Pannenfahrer im Norden von Wien war, kam am ersten Tag nach der Ferienzeit ordentlich dran. Bei Temperaturen klar unter dem Gefrierpunkt wollten die Hilferufe der Mitglieder des Mobilitätsklubs nicht verstummen: „Bis zum Ende meines Pannendienstes hatte ich eigentlich keine einzige Minute Stillstand.“ Am Ende des Tages, als er längst wieder im Büro war, zählte Harald Feichtinger 880 Einsätze seines Teams für den Montag – alleine in Wien: „Das sind mehr als 100 Prozent mehr als am 12. Jänner des Vorjahres. Am Montag war wirklich viel zu tun.“ Auch über einen längeren Zeitraum betrachtet setzt der aktuelle Winter Autofahrern im Osten Österreichs mehr zu als der vorangegangene: „Bis jetzt haben wir ein Viertel mehr Einsätze.“ Dabei ist ein Ende der kalte Jahreszeit noch lange nicht in Sicht. APA/BARBARA GINDL Winterzeit ist auch Schnee, Eis, Temperaturen unter null und mehr Herausforderungen für Mensch und Maschine. Von machtlosen Batterien Die Probleme der Mitglieder des Clubs sind aber in diesen Tagen nicht anders als in den Jahren zuvor oder in den drei anderen Jahreszeiten. Der ÖAMTC-Fachmann hat dazu in seinem Laptop die genauen Zahlen parat: „43 Prozent rufen uns, weil die Batterie defekt oder leer ist.“ Dazu hat er auch einen Tipp : „Für die Batterie ist es wichtig, dass das Fahrzeug regelmäßig bewegt wird und dass sie auch regelmäßig kontrolliert wird.“ Bei den extremen Temperaturen der vergangenen Tag sei das aber auch kein Garant: „Da kann auch die am besten gewartete Batterie machtlos sein.“ Mit 15 Prozent rangieren Probleme mit der Elektrik oder Mechanik des Motors auf dem zweiten Platz, so der Pannendienstleiter. In den vergangenen Tagen sorgten öfter als sonst eingefrorene Türschlösser für kalte Finger und lange Gesichter. Erfahrungsgemäß gibt es auch Tage, die deutlich mehr Pannenfahrer auf der Straße erfordern. Dazu zählt der Chef der Fahrer im Osten von Österreich auch die Einkaufssamstage vor Weihnachten. Schön sei der Moment, wenn das geliebte oder auch dringend benötigte Fahrzeug nach einer Intervention der Pannenhelfer wieder fährt. APA/BARBARA GINDL Eisglatte und schneebedeckte Fahrbahnen sind für die Pannenfahrer im Winter Realität. Sternstunden für Engel Es gebe jedoch auch andere Momente: „Nicht angenehm ist es, wenn wir nicht helfen können“, weiß Feichtinger aus eigener Erfahrung. Weil die Panne größer ist als erwartet und daher für den Lenker teuer werden könnte. Und dennoch erleben die „ Gelben Engel “, wie sie ihr Arbeitgeber gerne nennt, ab und zu auch Sternstunden. Harald Feichtinger erinnert sich beispielsweise an jene junge Mutter, die ihm ihren erst sechs Monate alten Sohn in die Arme drückte und bat, kurz auf ihn aufzupassen, damit sie noch etwas in der Wohnung holen könne. Der Mann, der sich nicht nur mit Motoren auskennt, sondern auch die Menschen mag, erinnert sich: „Ich war ehrlich gesagt überrascht und hatte auch ein bisserl Angst, dass der Kleine losbrüllen könnte. Aber da war die Mutter auch schon wieder zurück. Und ich habe mich danach auch über das Vertrauen gefreut, das mir die fremde Frau entgegengebracht hat.“