Von Franziska Trautmann und Christoph Schwarz Die zwei Redoutensäle in der Wiener Hofburg haben schon so einige Feste erlebt: Immerhin wurden sie eigens für die prunkvolle Hochzeit von Ferdinand III. mit der Infantin Maria Anna von Spanien erbaut. Ihr Name wiederum erinnert an die Redouten – also die Maskenbälle, die Kaiserin Maria Theresia hier veranstalten ließ. Diese Tradition ist nun zu einem unrühmlichen Ende gekommen: Die Redoutensäle stehen den Ball-Veranstaltern in der Wiener Hofburg nicht mehr zur Verfügung – sie sind gesperrt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. "Ballerlebnis leide darunter" Das sorgt nun für grobe Verärgerung. „Es ist befremdlich, dass die Redoutensäle leer vor sich hinvegetieren“, sagt etwa Christa Kummer , Präsidentin des Vereins Grünes Kreuz und Veranstalterin des Wiener Jägerballs . Er ist einer der traditionsreichsten und beliebtesten Bälle der Stadt – und stets ausverkauft. Dass man die Redoutensäle und auch das Dachfoyer nicht nutzen kann, habe spürbare Auswirkungen auf den Ball, sagt Kummer im KURIER-Gespräch: Weil die Flächen fehlen, musste man das Kartenkontingent um rund 1.000 Stück reduzieren . Auch das „Ballerlebnis“ leide darunter, dass die beliebten Räume verschlossen bleiben. Ähnliches erzählen die Organisatoren des Kaffeesiederballs , der seit fast 70 Jahren in den Räumlichkeiten der Hofburg stattfindet. Früher habe man die Redoutensäle gerne genutzt, sagt Wolfgang Binder , Chef des traditionsreichen Café Frauenhuber und seit Jahren Teil der Ballleitung, zum KURIER. „Damals konnten wir mehr Karten verkaufen.“ Auch er wünscht sich zum Wohl der Ballgäste eine „zeitnahe Weiternutzung“. Aber weshalb sind die Säle überhaupt geschlossen? Während des Umbaus des Parlamentsgebäudes am Ring dienten sie der Politik als Ausweichquartier. Von 2017 bis Anfang 2023 logierten dort also Abgeordnete statt Ballgästen. Nach deren Auszug wurden die Redoutensäle schlicht nicht mehr vermietet. „Unverständlich“, sagt Organisatorin Kummer. Nicht zuletzt, weil sich die Republik – vertreten durch die Bundesregierung, der die Hofburg eigentlich gehört – so einiges an Einnahmen entgehen lasse. Wer ist zuständig? Der KURIER hat beim „Wiener Kongresszentrum Hofburg“ nachgefragt – jenem Unternehmen, das die Räumlichkeiten vom Bund pachtet und managt. Auch dort ist die Verärgerung groß: Der Grund dafür, dass die Säle seit dem Auszug des Parlaments unzugänglich bleiben, sei die „ausständigen Renovierung des ganzen Traktes“. Für diese sei man als Pächter aber nicht verantwortlich – sondern eben der Eigentümer, also der Bund . Mehr noch: Ob eine Sanierung überhaupt im Raum stehe, wisse man nicht. Den Ballorganisatoren stimmt man zu: Die Nachfrage nach den Redoutensälen sei – auch aus der Kongressbranche – groß. Der Republik entgehe „im Endeffekt ein relativ großer Umsatz“. Zuständig für die Umbauten ist die Burghauptmannschaft , die zum Wirtschaftsministerium von Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) gehört. Bei der Burghauptmannschaft bestätigte ein Sprecher dem KURIER den Sanierungsbedarf. Einen konkreten Zeitplan gebe es aber „noch nicht“. Obwohl die Säle seit drei Jahren leer stehen, sei man „aufgrund fehlenden Personals“ noch nicht dazu gekommen, die Renovierung einzuleiten. Auch auf die knappen Budgets des Bundes verweist man. Derzeit würden überhaupt erst „Vorbereitungen“ für eine Bestandsaufnahme getroffen, „was genau renoviert werden muss“.