"Du hast das Land maximal unterdrückt, und es schamlos geplündert", singt ein Mann in der Bantu-Sprache Luganda zu Afrobeats. Der Songtitel, "Ogenda", bedeutet so viel wie "Du wirst gehen". "Du hast die Wahlen in Uganda zu einem Witz gemacht, du verhaftest deine Konkurrenten, oder tötest sie einfach." Die Zeilen des Liedes richten sich an den Präsident Ugandas, Yoweri Museveni ; der Mann, der sie singt, will ihn am Donnerstag bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stürzen. Zum wiederholten Mal: Robert Kyagulanyi , besser bekannt unter dem Künstlernamen Bobi Wine , war bereits bei der Wahl 2021 gegen Museveni angetreten, und hat offiziell 34,8 Prozent geholt. Ein respektables Ergebnis für ein Land, in dem der Präsident seit 1986, seit 40 Jahren , regiert, ein strenges Regime aufgebaut hat, seine Macht auf Militär und Repression stützt. Dabei war der heute 81-jährige Museveni einst Hoffnungsträger für einen demokratischen Wandel, nachdem das Land 1962 nach Ende der britischen Kolonialherrschaft Diktatur, Militärputsche, Vertreibung und Massaker von Zehntausenden asiatisch stämmigen Einwanderern und Oppositionellen durchlebte. Museveni gehörte 1986 zu den Rebellen, die sich gegen das Regime erhoben und es schließlich stürzten. Zur Erinnerung: Damals waren Ronald Reagan US-Präsident und Margaret Thatcher britische Premierministerin. In den ersten Jahren unter Museveni wuchs die Wirtschaft um durchschnittlich mehr als sechs Prozentpunkte pro Jahr, Kinder wurden in Schulen geschickt, staatliche Kampagnen reduzierten die Zahl von HPV-Erkrankungen. Gleichzeitig baute Museveni seine Macht aus, sperrte Oppositionelle ein, änderte die Verfassung und setzte Amtszeit- und Altersgrenzen außer Kraft. Ihm wird auch vorgeworfen, enge Verbindungen zu US-amerikanischen, fundamentalistisch-evangelikalen Organisation zu hegen, die in vielen afrikanischen Ländern erzkonservative Politiker finanziell unterstützen und ihre Agenden, etwa die Kriminalisierung und strenge Verbote von Homosexualität , propagieren. Der Popstar aus den Slums Kampalas Musevenis Herausforderer ist fast halb so alt wie er: Robert Kyagulanyi, der in einem Slum von Kampala aufwuchs – daher der Spitzname "Ghetto Präsident" –, hat mit Musik den Durchbruch geschafft und ist international bekannt. 2017 kandidierte er erstmals fürs Parlament, ist seitdem Abgeordneter. Es folgten Festnahmen und Anklage gegen Hochverrats, Musiker wie Coldplay-Frontsänger Chris Martin riefen zu seiner Freilassung auf. Schon 2021 trat er gegen Museveni als Präsidentschaftskandidat an. Bei Wahlkampfauftritten ist Kyagulanyi nur mehr in Schutzweste zu sehen, aus Angst vor Angriffen. NGOs wie Amnesty International berichten von brutaler Repression, willkürlichen Festnahmen und Misshandlungen von Oppositionellen. Politikwissenschafter kritisieren zum Teil, dass unklar ist, wofür Kyagulanyi ideologisch eigentlich steht. Jedoch schafft er es, einen enormen Teil der jungen Bevölkerung zu mobilisieren. 75 Prozent unter 30 Jahre alt Kyagulanyi besingt in seinen Songs Themen, die vor allem die extrem große junge Bevölkerung des Landes betrifft: Arbeitslosigkeit, Perspektivenlosigkeit, Korruption. Uganda hat eine der jüngsten Bevölkerungen weltweit : Geschätzt 75 Prozent sind unter 30 Jahre alt, mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter 18 Jahre. Das rasante Bevölkerungswachstum ist auch der medizinischen Versorgung und Entwicklungshilfe der letzten Jahrzehnte zu verdanken – die USA waren lange Hauptgeldgeber für die Bekämpfung von HIV, Tuberkulose, Malaria, Polio und die Errichtung von Geburtenkliniken. Auch für die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit ist Uganda wichtig, das Land ist Schwerpunktland . 2024 gingen rund 17,5 Millionen Euro der öffentliche Mittel für Entwicklungszusammenarbeit an das ostafrikanische Land, mehr nur an die palästinensischen Gebiete und Äthiopien. Im Dezember wurde bekannt, dass sich die österreichische Regierung über das niederländische Vorhaben informierte, in Uganda vorübergehende Aufnahmezentren für abgelehnte Asylwerbende zu errichten – eine Idee, die Großbritannien mit Ruanda verfolgt hatte und juristisch scheiterte. Uganda selbst beherbergt derzeit fast zwei Millionen Flüchtlinge , vor allem aus dem Südsudan und der DR Kongo. Dem Standard zufolge hat Österreich in den letzten zehn Jahren in 60 Prozent aller Asylentscheidungen Menschen aus Uganda einen Schutz- bzw. Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen erteilt. APA/AFP/LUIS TATO Anhänger des Präsidenten Museveni auf den Straßen von Kampala. Ausschreitungen und Polizeigewalt befürchtet Beobachter rechnen damit, dass Uganda in den kommenden Tagen ähnliche Szenen bevor stehen wie zuletzt anderen ostafrikanische Länder – Tansania, Kenia, Madagaskar, Mosambik – nach den jüngsten Wahlen und Protesten. Dort gingen die Regierungen gewaltsam gegen Vorwürfe der Wahlmanipulation und gegen Demonstrationen gegen die politische Elite und die wirtschaftliche Not vor. Die Bilanz: mindestens 700, laut Opposition bis zu 2000 Tote in Tansania; mehr als 300 in Mosambik. Schon am Dienstag wurde das Internet in Uganda abgedreht – um die Verbreitung von "Falschinformationen" und "Gewaltaufrufen" zu verhindern, hieß es von der ugandischen Kommunikationsbehörde. Dass Museveni die Wahlen gewinnen und sich als Sieger ausrufen lassen wird, gilt angesichts seiner Kontrolle über die Sicherheitskräfte und Wahlkommission als so gut wie fix. Wahlbeobachter haben in der Vergangenheit wiederholt die tatsächliche Freiheit und Fairness kritisiert. Seit seiner Unabhängigkeit 1962 hat Uganda keinen friedlichen Machtwechsel erlebt. So traurig es klingt: Das wahrscheinlichste Szenario wäre, dass Museveni eines Tages seinen Sohn , Muhoozi Kainerugaba, Oberbefehlshaber der Armee, an die Staatsspitze lässt. "Ich bin sicher, du wirst fallen, die Macht der Bevölkerung wird dich entfernen", ist Kyagulanyis alias Bobi Wines musikalische Antwort darauf.